Bezirksgericht Dietikon
Ohne Schulbildung, aber gelehrig als Verbrecher: 23-jähriger Einbruchstourist verurteilt

Ein 23-jähriger Roma wird per sofort für zehn Jahre des Landes verwiesen. Er stand in Dietikon vor Gericht, obwohl sein Einbruchsversuch im Bezirk scheiterte.

Rosmarie Mehlin
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Ein 23-jähriger Roma musste sich vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. (Symbolbild)

Ein 23-jähriger Roma musste sich vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. (Symbolbild)

Bettina Hamilton-Irvine

Seit 393 Tagen sitzt er hinter Gittern. Vor dem Gerichtssaal befreien ihn die Polizeibeamten, die ihn vom Gefängnis Affoltern nach Dietikon überführt haben, von den Handfesseln: klein, schmal, ein Bubi von 23 Jahren. Adidas-Turnschuhe, Nike-Trainerhosen, Kapuzenpulli, 3-Tage-Bart, der nahtlos in die modische Undercut-Frisur übergeht. Seine Heimat ist Rumänien, sein Vater unbekannt, eine Schule hat er nie besucht. Mit Kumpeln zusammen war er in die Schweiz gekommen. Als Tourist, dem der Sinn nicht nach Ferien, sondern nach Einbrüchen stand.

Als am 31. Januar letzten Jahres im Waadtland bei einer abendlichen Kontrolle vier junge Rumänen der Polizei ins Netz gingen, war auch er darunter. Er packte aus, legte seine rege kriminelle Tätigkeit, die er in verschiedenen Landesteilen ausgeübt hat, offen auf den Tisch. Danach war es für die Justizbehörden darum gegangen, welcher Kanton für welches Mitglied vom Einbrecher-Quartett zuständig war. Weil der 23-Jährige als einziger zugab, am selben Tag vormittags – erfolglos – ein Einfamilienhaus in Weiningen heimgesucht zu haben, stand er in Dietikon vor Gericht.

Fette Beute in St. Gallen

Die Anklageschrift gegen ihn umfasste ein Dutzend Seiten. Darin waren Taten aus zwei verschiedenen Etappen aufgeführt. Gemeinsam mit nur einem Kumpel hatte der junge Mann zunächst am 9. Dezember 2016 versucht, über ein gekipptes Fenster in eine Parterrewohnung in Zürich einzusteigen. Nachdem das Unternehmen gescheitert war, hatte das Duo sich nach St. Gallen verschoben, wo fette Beute auf sie wartete: Bei einem ersten Einbruch an einem Sonntag im Oktober war ihnen in einer Parterrewohnung Schmuck im Wert von 1450 Franken in die Hände gefallen. Anschliessend hatten sie die benachbarte Wohnung heimgesucht und dort Bargeld, Schmuck, Münzen, ein Fernglas und eine Fernbedienung im Wert von 13'135 Franken mitgehen lassen.

Bei einem Einbruch zwei Wochen später lösten sie einen Alarm aus und flohen ohne Beute. Immer noch in St. Gallen erbeuteten sie Ende November 2016 Schmuck im Wert von 450 Franken; der nächste Bruch am 9. Dezember bescherte ihnen eine Beute im Wert von 1620 Franken. Schliesslich machte sich das Duo am 13. Januar 2017 in der Gallusstadt eine in ein Fenster eingebaute Katzentüre für einen erleichterten Einstieg zunutze und entwendeten drinnen zwei Schmuckanhänger im Gesamtwert von gut 300 Franken.

Erfolglos in Weiningen

In einer zweiten Etappe war der Angeklagte mit drei Kumpeln unterwegs. Irgendwann zwischen dem 28. und dem 31. Januar 2017 war das Quartett durchs Fenster in ein Einfamilienhaus im thurgauischen Stettfurt eingestiegen. Dabei wurde besonders unzimperlich vorgegangen und Sachschäden im Umfang von 12'000 Franken angerichtet. Mit 16 591 Franken war der Wert der erbeuteten Ware allerdings noch um einiges höher. Nach dem beutelosen Versuch in Weiningen schnappten dann bei einem weiteren Versuch im Waadtland die Handschellen zu.

«Ich gehe nach Hause, nach Rumänien zur Familie. Ich werde ich jede Arbeit annehmen, auch als Tagelöhner.»

Der Angeklagte

Seither sitzt der junge Mann im vorzeitigen Strafvollzug. Unumwunden hat er die Deliktsumme von summa summarum 32'000 Franken und die angerichteten Schäden von 17'000 Franken zugegeben. Da er, sein amtlicher Verteidiger und der Staatsanwalt sich über die Sanktionen einigen konnten, musste das Gericht unter Vorsitz von Stephan Aeschbacher lediglich das vorgeschlagene Urteil bestätigen. Das tat es gestern: drei Jahre Freiheitsstrafe, eines davon unbedingt.

Da der Verurteilte die Strafe nun bereits abgesessen hat, wird er umgehend ausgeschafft und damit die ebenfalls verhängte zehnjährige Landesverweisung antreten.
Auf die Frage von Gerichtspräsident Aeschbacher, wohin er denn gehen werde, liess der 23-Jährige übersetzen: «nach Hause, nach Rumänien zur Familie». Was er dort zu arbeiten gedenke? «Ich werde ich jede Arbeit annehmen, auch als Tagelöhner».

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