Die 90 Minuten waren schon vorbei, da wurde es nochmals richtig spannend in der Partie zwischen NK Croatia und Oetwil-Geroldswil. Die Limmattaler Gäste hatten in der Nachspielzeit durch Marco Brandenberger das dritte Tor erziel, es stand 3:4. Noch einmal warfen sie alles nach vorne. Eine hohe Flanke in den Strafraum landete beim eingewechselten Stefan Steuble, der den Ball jedoch nicht aufs Tor bringen konnte. Wenige Sekunden später pfiff der Schiedsrichter ab.

Wäre den Gästen auf dem Zürcher Juchhof der Ausgleich doch noch gelungen, hätten sie ihn sich allenfalls wegen ihres Kampfgeistes verdient, nicht aber wegen des Spielverlaufs. Croatia hatte von Beginn weg mehr von der Partie und hätte schon in der Startviertelstunde in Führung gehen können. Nach knapp 20 Minuten war es dann so weit, als Stjepan Lastro aus der Distanz zum 1:0 traf. Ein Sonntagsschuss des Captains von Croatia zwar, doch Lastro wurde auch nicht gerade konsequent gestört. Noch mehr Freiheit genoss zwei Minuten später Croatias gross gewachsener Stürmer Luka Lapenda, der auf der linken Seite durchlaufen konnte und auf 2:0 erhöhte. «Wir haben zu viele Fehler gemacht», sagte Oetwil-Geroldswils Trainer Jean Marie Broggi selbstkritisch. «Unsere Pässe waren zu oft zu ungenau, und wir haben den Ball zu oft verloren.»

Penalty für die Hausherren

Immerhin blieben die Limmattaler dran und kamen nach dem zweiten Gegentor zu besseren Chancen. Zuerst sorgte Emanuele Kälin mit einem Freistoss für Gefahr. Und dann folgte der Anschlusstreffer: Mike Wettstein profitierte von einem Abpraller von Croatias Torhüter und brauchte nur noch einzuschieben – 1:2 aus Limmattaler Sicht. Bei diesem Spielstand blieb es dann auch bis zum Pausenpfiff. Die zweite Halbzeit brachte nach zehn Minuten einen ersten Aufreger: Croatias Marijan Sisic sprintete auf und davon, ehe er nach einer Intervention von Marco Credaro im Strafraum hinfiel – Penalty für die Hausherren. Adrian Jukic verwandelte den Strafstoss sicher, alles schien auf einen sicheren Sieg des Tabellenvierten hinauszulaufen.
Doch plötzlich wurden die Gäste stärker. Fünf Minuten nach dem Elfmeter kam der eingewechselte Ahmet Bozova gleich zu einer Doppelchance für Oetwil-Geroldswil, doch er scheiterte beide Male an Croatias Torhüter. Dann lag der Ball doch noch im Netz: Marco Brandenberger hatte zum 2:3 getroffen.

«Noch 20 Minuten», rief Broggi seinen Schützlingen zu. «Kommt, kommt!» Doch die Aufholjagd der Gäste wurde jäh gestoppt, denn nur zwei Minuten nach Brandenbergers Treffer erhöhte der eingewechselte Nicola Petrlic auf 4:2 für Croatia. Brandenbergers Anschlusstreffer in der Nachspielzeit kam zu spät.

«Wir hatten am Schluss ja noch die Chance auf den Ausgleich», sagte Broggi später. «Aber wenn man nach 60 Minuten vier Gegentreffer kassiert hat, wird es schwierig. Wir hätten das Spiel offener gestalten müssen.» Croatia sei allerdings auch ein starker Gegner gewesen, gegen den die Limmattaler Moral und Einsatz gezeigt hätten. «Diesbezüglich kann ich dem Team keinen Vorwurf machen.»

Kein Selbstläufer

Für Oetwil-Geroldswil geht es bereits am Mittwoch im Cup weiter – gegen den Drittligisten Neunkirch. Ein Spiel, das für Broggi von grosser Bedeutung ist. «Wir müssen siegen, um im Cup zu überwintern», sagte er. «Und das wollen wir unbedingt schaffen.» Zum Abschluss der Vorrunde trifft Broggis Mannschaft am kommenden Sonntag noch auf Kilchberg-Rüschlikon II. Gegen den Tabellenvorletzten fordert Broggi drei Punkte.

Ein Selbstläufer wird diese Aufgabe für Oetwil-Geroldswil nicht. Zwar ist Kilchberg-Rüschlikon II in dieser Saison noch sieglos. Doch das Team hat gegen Engstringen gestern Sonntag immerhin ein 2:2 herausgeholt. Ein Beweis für Broggis These, die er nach dem Spiel gegen Croatia wiederholte: «Die Gruppe ist brutal eng, jeder kann jeden schlagen.»