Am Schluss mussten die Gäste aus Schlieren Prügel einstecken. Gleich drei Treffer kassierten sie in den letzten zehn Minuten der Partie gegen Oetwil-Geroldswil. Es schien, als hätten sich die Schlieremer aufgegeben. «Wir waren stehend k.o.», erklärte Schlierens Trainer Paul Schärer den Einbruch.

Es war das bittere Ende einer äusserst einseitigen, aber sehr fairen Partie, die Oetwil-Geroldswil von Beginn weg dominiert hatte. Die Hausherren schienen an diesem Sonntagmorgen wacher zu sein als ihre Gegner: Sie waren stets einen Schritt schneller, erspielten sich im Mittelfeld ein Übergewicht und kamen immer wieder gefährlich in den Schlieremer Strafraum. Das 1:0 durch den überragenden Marco Brandenberger nach 20 Minuten war dann der Lohn für das Engagement von Oetwil-Geroldswil, das zur Pause eigentlich noch höher hätte führen müssen, zumal Daniel Marquart den Ball noch an den Pfosten geschossen hatte. «Ich denke, Schlieren konnte mit dem 0:1 nach dem Ende der ersten Hälfte zufrieden sein», meinte Oetwil-Geroldswils Trainer Jean-Marie Broggi.

Es war klar: Die Schlieremer mussten sich steigern, wollten sie zumindest einen Punkt vom Sportplatz Werd entführen. Doch fünf Minuten nach dem Wiederanpfiff folgte der nächste Dämpfer für die Gäste. Raul Marcella war im gegnerischen Strafraum vor Schlieren-Goalie Marco Amore am Ball und passte zu Ahmet Bozova, der nur noch einzuschieben brauchte – 2:0 für Oetwil-Geroldswil. Die Schlieremer rafften sich nun nochmals auf, doch sie konnten sich kaum mehr echte Torchancen erspielen. Stattdessen bewies Brandenberger seinen Torinstinkt: Innert fünf Minuten traf er zum 3:0 und 4:0 und hatte mit seinen insgesamt drei Treffern massgeblichen Anteil am Erfolg des Heimteams. «Nun gut, ich profitierte auch von den Zuspielen, da muss man die gesamte Mannschaft loben», meinte er bescheiden zu seiner Leistung. «Wir haben das Spiel im Mittelfeld gewonnen, und unsere Innenverteidigung war sehr stark.» Zudem habe man gegen Schlieren fast keine Fehler gemacht. «Und vorne waren wir sehr effizient.»

«Wir sind noch nicht so weit»

Doch wie erklärt sich Brandenberger, dass er und seine Teamkollegen die Lokalrivalen aus Schlieren derart dominierten? «Wir haben eine achtwöchige intensive Vorbereitung gehabt», verriet er. «Diese hat sich nun bezahlt gemacht. Und bei einem Derby sind wir immer bereit.»
Nicht bereit für ihr erstes Derby in der 3. Liga waren die Aufsteiger aus Schlieren. Für Paul Schärer wenig überraschend. «Wir wussten, dass wir noch nicht so weit sind», sagte er. «Für uns hat die Saison zwei Monate zu früh begonnen. Wir haben noch Konditionsrückstand. Und Oetwil-Geroldswil ist auch eine gute Mannschaft, da darf man schon mal verlieren.»

Vielleicht wäre das Derby ausgeglichener gewesen, wären Schärer alle Spieler zur Verfügung gestanden. Zurzeit fehlt ihm unter anderem Dennis Schweitzer, der in der ersten Partie überzeugt hatte. Schärer mag aber nicht lamentieren. «Jetzt haben wir Lehrgeld bezahlt. Aber wir können lernen und schauen nach vorn.»

Nächstes Wochenende ist schon wieder Derby-Zeit

Schlieren bleibt gar nichts anderes übrig. Denn am nächsten Sonntag wartet mit United Zürich 2 der aktuelle Tabellenleader. Oetwil-Geroldswil hingegen darf sich aufs nächste Derby freuen. Broggi und seine Schützlinge treten gleichentags gegen Engstringen an.