Schauplatz
Ob man sie liebt oder nicht – die Fasnacht lässt niemanden kalt

Alle Jahre wieder: Zurzeit wird wieder vielerorts Fasnacht gefeiert. Viele lieben sie, andere gehen ihr lieber aus dem Weg. Wir haben uns auf der Strasse umgehört, was Limmattalerinnen und Limmattaler von der Festzeit halten.

Christian Tschümperlin
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Schauplatz Fasnacht
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Roger Adam (33), Dietikon «Das letzte Mal so richtig an der Fasnacht war ich in Bassersdorf, als ich 16 Jahre alt war. Geblieben sind mir die Guggenmusiken. Für mich handelt es sich dabei eher um organisierten Krach. Wem es Spass macht, der soll es aber leben. Wenn mein Sohn etwas älter ist, gehe ich vielleicht auch mal mit ihm an einen Umzug, um ihm das bunte Treiben zu zeigen.»
Ruth Meyer (56), Dietikon «In Dietikon bin ich jedes Jahr bei der «iifägätä» dabei, die noch kommt. Diese findet in einer Turnhalle statt, nicht weit entfernt von meiner Wohnung. Guggenmusiken gehen dort ein und aus. Zwischendurch spielt eine Band, man kann tanzen, alle sind maskiert. Mein Mann war früher in der Guggenmusik. Einmal verkleidete ich mich so, dass ich das Gefühl hatte, mein Mann kenne mich nicht. Ich wollte ihn verführen. Doch er erkannte mich.»
Raffaele Giovane (33), Dietikon «Ich bin in Dietikon aufgewachsen. Als Kindergärtler und Primarschüler nahm ich jeweils am Umzug teil. Das Basteln der Verkleidung machte Spass. Ich verkleidete mich einmal als Häuschen und einmal als Clown – wobei mir Letzteres aufgezwungen wurde.»
Irma Reichle (61), Dietikon «Ich gehe im Glarnerland an die Fasnacht. Dort ist es immer lustig und gut. Ähnlich wie in Basel hat es Schnitzelbänke: Es wird gesungen und das politische Geschehen wird bissig kommentiert. Das Politische ist etwas für Insider, ab und zu werden aber auch Bundesräte auf die Schippe genommen. Die Cliquen haben jeweils ein Motto und sind entsprechend verkleidet, beispielsweise als Fabelwesen oder Cowboys.»
Andrea Kopp (57), Dietikon «Ich war dieses Jahr Zuschauer beim Kindergartenumzug in Dietikon. Meine Tochter spielt dort in der Guggenmusik Schnierliwutz, die ich vor 35 Jahren gegründet habe. Was ich immer schön finde beim Dietiker Kindergartenumzug, ist der Fakt, dass die Kinder im Zentrum stehen und dass sie das, was sie gebastelt haben, am Umzug zeigen können.»
Ausilia Adam (30), Dietikon «An die Fasnacht ging ich, als ich noch klein war. Ich bin in Urdorf aufgewachsen, wo es jedes Jahr einen Umzug gibt. Soweit ich mich erinnere, war ich als Prinzesschen verkleidet. Die bösen Masken der Hexen oder Teufel jagten mir Angst ein.»
Paet Maichler (34), Basel «Ich habe als Kind in einer Clique getrommelt. Ursprünglich ging es bei der Fasnacht ja darum, den Winter zu vertreiben. Gewisse Gruppierungen sehen die Fasnacht immer noch als kulturelles Erbe. Für viele ist sie aber nur noch ein Vorwand, um sich zu betrinken oder um vom Tourismus zu profitieren. Die Fasnacht ist mir zu kommerziell geworden. Deshalb bin ich aus der Clique ausgetreten.»

Schauplatz Fasnacht

Florian Schmitz

Jeder kennt sie: die Fasnacht. Doch bei weitem nicht jeder ist ein eingefleischter Fasnächtler. Wir haben uns auf der Strasse umgehört, was Limmattalerinnen und Limmattaler von der traditionellen Festzeit im Winter halten. Während einige jedes Jahr gerne ausgelassen feiern und die Fasnacht gar als schönste Zeit im Jahr bezeichnen, ist das Fest für andere bloss eine vage Erinnerung aus der Kindheit oder gar ein zu lautes öffentliches Ärgernis (siehe Bildstrecke).

Aber egal ob pro oder kontra, fast jeder hat eine klare Meinung zur Fasnacht. Und jedes Jahr zieht das närrische Treiben viele Menschen in seinen Bann. Manch einer nutzt die fünfte Jahreszeit als Gelegenheit, um aus dem grauen Alltag auszubrechen oder sich den einen oder anderen Streich zu erlauben.