Die Arbeitslosenquote befindet sich im Sinkflug, im Kanton Zürich betrug sie per Ende April 2,2 Prozent, schweizweit wurden 2,4 Prozent verzeichnet. Der Andrang auf die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) war also schon grösser.

Die Aufgabe der 16 RAV im Kanton Zürich ist klar: Sie sollen Stellensuchenden dabei helfen, möglichst rasch wieder eine Arbeit zu finden, und verhindern, dass diese erneut arbeitslos werden. Wie gut diese Aufgabe erfüllt wird, wird schweizweit einheitlich erhoben. Der sogenannte Wirkungsindex beträgt für alle 119 RAV in der Schweiz in jedem Jahr jeweils 100. Tiefere Werte liegen unter, höhere über dem Durchschnitt.

Alle Zürcher RAV zusammen erreichten für das Jahr 2017 einen Wirkungsindex von 104, wie der Antwort des Zürcher Regierungsrates auf eine Anfrage im Kantonsrat zu entnehmen ist. Das heisst: Die Zürcher RAV erfüllen ihre Aufgabe überdurchschnittlich erfolgreich.

In der Antwort fanden sich auch die Einzelwerte aller 16 Zürcher RAV, allerdings ohne dass ausgewiesen wurde, welcher Wert zu welchem RAV gehört. Auch auf Nachfrage wollte – oder konnte – der Kanton dies nicht bekannt geben. Die Hoheit über die Daten liegt beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Auch das Seco wollte diese zunächst nicht herausrücken (siehe Zusatztext rechts).

So gross sind die Unterschiede

Die nun vorliegenden Zahlen (siehe Tabelle rechts) zeigen, dass es beachtliche Unterschiede zwischen den einzelnen RAV gibt. Betrachtet man den Durchschnittswert der Jahre 2015 bis 2017, reichen die Werte von 96 (RAV Bülach) bis 118 (RAV Zürich Staffelstrasse). Dies erstaunt – vor allem, wenn man bedenkt, dass in der Wirkungsmessung mehrere nicht beeinflussbare Faktoren korrigiert werden. Berücksichtigt werden dabei beispielsweise der Arbeitsmarktzustand, der Anteil von Grenzgängerinnen und Grenzgängern, inländische Stellensuchende sowie Saisonarbeitnehmende.

Warum also macht das RAV Zürich Staffelstrasse seinen Job rund 20 Prozent besser als das RAV Bülach? Eine eindeutige Antwort darauf kann weder das Seco noch das Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) des Kantons Zürich geben, an welches die RAV angegliedert sind.

Ein Teil der Antwort dürfte in der Wirkungsmessung selbst liegen. Das Seco geht davon aus, dass das aktuelle Modell die nicht beeinflussbaren Faktoren zu rund 80 Prozent korrigieren kann. Es bleibt also eine gewisse Unschärfe.

So wichtig sind die Zahlen

Eine weitere Ursache für die Unterschiede könnten Verzerrungen durch geringe Fallzahlen sein, teilt AWA-Sprecherin Irene Tschopp auf Anfrage mit und verweist auf Ausführungen in einem Schreiben des Seco an die Kantone: «Es ist grundsätzlich schwierig, die Wirkung von Kantonen mit kleinen Fallzahlen zu messen. Nur wenige zusätzliche Fälle können die Ergebnisse beeinflussen und dazu führen, dass die Indexwerte von Jahr zu Jahr merklich schwanken.» Dies deckt sich laut Tschopp mit den Erfahrungen, die man im Kanton Zürich macht. «Wenn die Wirkungsmessung für kleine Kantone zu ungenau ist, gilt dies auch auf Ebene des einzelnen RAV.»

Einfach in die Schublade gelegt werden die Wirkungsindizes beim AWA aber trotzdem nicht. «Ziel ist, dass die RAV voneinander lernen und sich kontinuierlich verbessern. Die Wirkungsindizes sind ein wichtiger Anhaltspunkt beim Austausch unter den RAV zum Thema ‹Best Practices›», sagt Tschopp. Zudem vergleiche man die RAV nicht nur untereinander, sondern auch mit sich selbst zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Ziel sei, Gründe für die Verbesserung oder auch die Verschlechterung eines RAV bei den Wirkungen möglichst genau zu erkennen.

So wird gerechnet

Der Indexwert der RAV ergibt sich aus vier verschiedenen Wirkungsindikatoren. Als oberstes Wirkungsziel gilt die rasche Wiedereingliederung. Der entsprechende Indikator ist die Zahl der Taggelder, die bis zur Abmeldung bezogen werden. Dieser Wirkungsindikator wird mit 50 Prozent gewichtet. Mit je 20 Prozent gewichtet werden die Wirkungsziele «Langzeitarbeitslosigkeit vermeiden» und «Aussteuerungen vermeiden». Massgeblich ist die Zahl von Taggeldbezügern, die langzeitarbeitslos respektive ausgesteuert werden. Das vierte Wirkungsziel ist das Vermeiden von Wiederanmeldungen. Dieser Indikator wird mit 10 Prozent gewichtet.