Uitikon

Nun will auch Uitikon die Einheitsgemeinde vorantreiben: «Es soll gesittet zu- und hergehen»

Der Uitiker Gemeindepräsident Chris Linder (FDP) nimmt zum Verkehrs- und Bevölkerungswachstum der Gemeinde Stellung.

Wo Uitikon der Schuh drückt, bespricht der Gemeinderat an seinen Klausurtagungen. Jüngst veröffentlichte die Exekutive die Themen, die die Gemeinde in den kommenden Jahren beschäftigen werden.

Fest steht: Der Platz wird mit dem Bevölkerungswachstum knapp – besonders in den Uitiker Schulen. Auch der zunehmende Verkehr und die Infrastruktur bergen Herausforderungen.

In Uitikon wachsen die Schülerzahlen derart stark, dass das Bauprojekt Allmend 2020 zu einem reinen Schulprojekt ohne Räume für die Jugend und die Schützenstube wurde. Überraschte Sie das?

Chris Linder: Die Schulpflege und wir waren von der starken Zunahme der Schülerzahlen überrascht. Wir gingen natürlich davon aus, dass viele Familien mit Kindern ins Neubau-Quartier Leuen-Waldegg ziehen würden. Zeitgleich wurden die bestehenden Quartiere aber verdichtet. Es wurden und werden laufend alte Einfamilienhäuser abgebrochen und durch Gebäude mit vier bis sechs Wohnungen ersetzt. In diese zogen viele junge Familien mit Kindern. Zur Illustration: Allein zwischen Januar 2018 und Januar 2019 verzeichnete die Schule eine Zunahme von knapp 60 Kindern. Das ist enorm viel.

Ist diese starke Zunahme einer der Gründe, weshalb der Gemeinderat die Einheitsgemeinde aufs politische Parkett bringt?

Es besteht kein Zusammenhang.

Die mögliche Schaffung einer Einheitsgemeinde sorgte bei Ihren Nachbarn Urdorf und Birmensdorf für Unstimmigkeiten. Das könnte auch auf Uitikon zukommen.

Diese teils unschönen Geschichten bekamen wir natürlich mit. Sie veranlassten uns zu einem gewissen Grad sogar, die Frage nach den Vor- und Nachteilen einer Einheitsgemeinde zu thematisieren. Bei uns soll es aber gesittet zu- und hergehen. Der Gemeinderat hält es für wichtig, dass man diese Abwägung auf eine ruhige und sachliche Art vollzieht, damit das Stimmvolk anschliessend eine fundierte Entscheidung fällen kann.

Schulpflegen sind oft gegen die Einheitsgemeinde, was oft zu den beschriebenen Spannungen führt. Stehen Sie mit den Uitiker Schulpflegern in Kontakt?

Natürlich besprachen wir das Thema Einheitsgemeinde bereits mit der Schulpflege. Wir wurden aber hauptsächlich deswegen aktiv, weil wir auf allfällige Fusionsforderungen aus der Bevölkerung frühzeitig und vorausplanend handeln wollten.

Aber die Schulpflege signalisierte Gesprächsbereitschaft?

Für eine Stellungnahme müssen Sie die Schulpflege direkt kontaktieren. Letztlich ist es aber auch ein Anliegen der Schule, an einem solchen Prozess konstruktiv mitzuwirken.

Mit den zugezogenen Kindern, die neu Uitikons Schulen besuchen, kommen auch ein oder zwei erwachsene Neuzuzüger. Wie haben sich jene des Leuen-Waldegg-Quartiers eingelebt?

Es ist noch zu früh, dies zu beurteilen. Die erste Überbauung des Quartiers ist weitgehend bezogen und es gab schon Begegnungen, etwa in der Bibliothek oder am Mittwoch-Talk. Vereinzelte Quartierbewohner interessieren sich durchaus für das Gemeindeleben.

Weil die Schule mehr Platz für Tagesstrukturen benötigt, zieht die Bibliothek ins Dorfzentrum in die alten Räume des Werkhofs.

Genau. Dies wurde unter anderem notwendig, weil sich herausgestellt hat, dass auch die mittleren Baufelder des Quartiers Leuen-Waldegg nun viel früher überbaut werden sollen. Ursprünglich war vorgesehen, diese erst in unbestimmter Zukunft zu entwickeln. Weil das Wachstum ohne Pause weitergeht, benötigt die Schule auch die Räume der Gemeinde- und Schulbibliothek.

Mit dem Wachstum kommen auch grosse Investitionen auf die Gemeinde zu. Andere Städte leiden seit längerem unter finanziellen Wachstumsschmerzen. Kann Uitikon seinen tiefen Steuerfuss von 82 Prozent beibehalten?

Wir müssen Investitionen tätigen, das ist unbestritten. Aber die Sanierungen des Üdiker-Huus und des Hallenbads müssen vorgenommen werden, unabhängig vom Wachstum der Gemeinde. Neben den Ausgaben hatten wir auch eine gute Entwicklung auf der Seite der Steuereinnahmen. Der Steuerfuss soll nicht erhöht werden.

Mit mehr Einwohnern kommt auch mehr Verkehr auf die Gemeinde zu. Seit zwei Jahren fährt der 201er-Bus bis nach Schlieren. Gibt es ein Zwischenfazit?

Besonders zu den Stosszeiten ist er von und nach Schlieren gut besetzt. An Wochenenden nutzen ihn Schlieremer oft, um Richtung Uitikon und Üetliberg zu gelangen. Natürlich hat der Bus noch Kapazitäten, doch müssen wir uns daran erinnern, dass der alte 201-Bus zwischen Waldegg und Wängi ausserhalb der Stosszeiten nur schwach besetzt war. Wir sind daher zuversichtlich, dass er nach Abschluss der Testphase in zwei Jahren beibehalten wird.

Wie gehen Sie mit dem zusätzlichen Autoverkehr um?

Besonders vom Säuliamt her gibt es zunehmend Autofahrer, welche die Autobahn verlassen und durch Uitikon nach Zürich gelangen. Ist die Birmensdorferstrasse verstopft, gibt es auch jene, die durch den Ramernwald und somit durch den Dorfkern nach Zürich oder Richtung Limmattal fahren. Dem wollen wir entgegenwirken. Eventuell mit dem Ausbau von Tempo-30-Zonen. Hier finden noch Abklärungen statt.

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