Dietikon
Novum in der Buchhandlung: Das Scriptum bietet nun auch Regale für Künstler

Im Scriptum können neu auch Kunstschaffende ihre Meisterstücke präsentieren. In der "freien Ecke" der letzten Limmattaler Buchhandlung lassen sich zwei Regale für ein bis zwei Monate dafür mieten.

Christian Tschümperlin
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Kathrin Perler präsentiert ihre Künstlerecke im Scriptum. In der Hand hält sie eine selbst gemachte Beton-Art-Tüte.

Kathrin Perler präsentiert ihre Künstlerecke im Scriptum. In der Hand hält sie eine selbst gemachte Beton-Art-Tüte.

Christian Tschümperlin

Kathrin Perler hat vorsorglich den Sekt kaltgestellt. Von einer Vernissage will die Dietikerin zwar nicht sprechen. Bei der Eröffnung des Kunstregals in der Buchhandlung Scriptum handelt es sich aber um ein Novum. Gestern Donnerstag zogen Perlers filigrane Drahteierbecher, dekorierte Porzellanhasen und Papiermaché-Figuren in die «freie Ecke» der letzten Limmattaler Buchhandlung ein. Auf zwei Regalen präsentiert die Kunsthandwerkerin im März ihr Schaffen. Sie ist die erste Künstlerin, die auf den Regalen ihre Kunstwerke präsentiert, weitere sollen folgen.

«Das ist eine Premiere», sagt Scriptum-Geschäftsführerin Corinne Frischknecht. Perlers Kunstwerke würden sehr gut ins visuelle Konzept der Buchhandlung passen. Die Künstlerin charakterisiert ihre Werke als bunt, fein und lieblich. Seit ihrer Kindheit arbeitet sie fürs Leben gerne mit den Händen.

Die «freie Ecke» ist beliebt

Mit dem Bezug der geräumigeren und wohnlichen Zimmer an der Bremgartenstrasse 23 hat sich laut Frischknecht die ideale Mietecke angeboten. Die Stelle sei bewusst gewählt. «In diese Ecke schauen die Kunden oft rein», sagt sie. Doch bereits am alten Standort habe sie sehr viele Anfragen für eine Regalvermietung bekommen. Es fehlte allerdings am Platz.

Auf die Frage, wer ausstellen könne, sagt Frischknecht, dass sie schon ein wenig Mut aufbringen müsse, nicht jedes «Gummi-Entchen» auszustellen. «Nachdem wir nun gestartet sind, schreibe ich aber einige Interessenten an», sagt sie. Die beiden Regale können einzeln oder zusammen für ein bis zwei Monate gemietet werden.

Ohne es zu wissen hat man beim Scriptum damit etwas aufgegriffen, was in Deutschland bereits Trend ist. Geschäfte mit einer gewissen Anzahl von Mietregalen werden in unserem Nachbarsland auch Regalflohmärkte genannt. Im Unterschied zu klassischen Flohmärkten werden dort aber auch Produkte aus erster Hand präsentiert. Ursprünglich stammt die Idee aus Finnland, wo sogenannte «Kirppis» schon lange gang und gäbe sind. «Das Konzept ist in der Schweiz noch weitgehend unbekannt», sagt Perler. Deshalb freut sie sich umso mehr über die Gelegenheit, die sich ihr bietet. «Kunstausstellungen sind im Vergleich dazu teuer», sagt sie.

Das schwarze Spitzenband

Für Perler könnte das Geschäftsmodell aufgehen. Sie kam an diesem Morgen bereits mit den ersten Kunden ins Gespräch und hat schon etwas verkauft: ein schwarzes Spitzenband für die Arme. Perler trägt selber ein solches. «So sprechen einen die Leute darauf an und wollen sich danach auch eins schnappen», sagt sie. Perler jedenfalls hat ein gutes Gefühl, was ihre Verkäufe angeht. «Wer liest, ist meistens auch zugänglich für schöne Dinge», sagt sie.