Kunstrecycling bei der Platzgestaltung: Sechs in Farbe und Grösse unterschiedliche Pyramidenelemente zieren eine Betonwand beim neuen Hardplatz. Zwei weitere Elemente werden in den kommenden Tagen noch angebracht. Beim Kunstwerk handelt es sich um ein 16 Meter langes Stahlrelief des Dietiker Bildhauers Josef Staub, das ursprünglich am südlichen Brückenkopf der Hardbrücke hing. Bei der Restaurierung mitgewirkt hat Sohn Fredi: «Als mich die Stadt Zürich vor rund zwei Jahren anfragte, ob sie bei der Umgestaltung des Hardplatzes die Pyramiden meines Vaters wiederverwenden können, habe ich sofort zugesagt».

In der Folge begleitete Staub den Gestaltungsprozess: «Die Pyramiden sind nun deutlich höher angebracht als früher. Das soll sie auch vor Vandalismus schützen», so Staub. Zum anderen half der Sohn des berühmten Limmattaler Bildhauers bei der Rekonstruktion der Farben. «Anhand alter Skulpturen, die noch im Atelier meines Vaters stehen, haben wir mit einem Farbscanner die Farben rekonstruiert», erklärt Staub. Geholfen habe neben der Stadt auch die hoch spezialisierte Farbenfabrik Mäder in Killwangen. Restauriert wurde das Stahlkunstwerk dann in den Werkstätten von Entsorgung + Recycling Zürich.

Ein Stück Geschichte verloren

Im Zuge der Sanierung und Erweiterung der Tramlinie 8 über die Hardbrücke hat sich nicht nur der Standort der Pyramiden verändert. Auch der Hardplatz hat ein neues Gesicht bekommen: Sitzbänke und ein paar Bäume zieren den Rand des Platzes. Nach wie vor ist der Hardplatz «ein Verkehrszirkus». Neu fährt die Tramlinie 8 ab dem 10. Dezember vom Kopfsteinpflaster-Platz über eine Rampe auf die Hardbrücke.

Damit sind die Stadtzürcher Kreis 4 und 5 nicht mehr nur durch SBB-Gleise getrennt, sondern über VBZ-Schienen miteinander verbunden. Unter der Brücke befindet sich derweil ein Avec-Laden sowie ein Spettacolo-Café. «Ich stehe dem neuen Platz ambivalent gegenüber. Ich habe die alte Erscheinung mit den Mulden sehr schön gefunden. Der Hardplatz sieht mir nun etwas zu gewöhnlich aus», sagt Staub. Dass er in seiner ursprünglichen Form 35 Jahre Bestand hatte, zeuge von Qualität.

Mit der Umgestaltung des Hardplatzes ging nicht nur ein Stück Zürcher Architekturgeschichte verloren. Staub musste von einem Familienvermächtnis Abschied nehmen. Sein 2006 verstorbener Vater Josef hat zusammen mit dem Landschaftarchitekten Willi Neukom, der auch den Seeuferweg beim Zürichhorn gestaltete, den Platz im Zürcher Kreis 4 konzipiert. Gelobt wurde die Arbeit 1982 bei ihrer Fertigstellung als «Pionierarbeit der Integration von Kunst und Architektur im Tiefbau». Künstler Josef Staub formte den Platz als Gesamtkunstwerk, weshalb auf die Bestückung mit Kunstwerken bewusst verzichtet wurde.

So wurde der Platz beispielsweise in der Zeitschrift Anthos 1986 folgendermassen beschrieben: «Die skulpturenartigen Mulden in den grosszügig bemessenen Pflästerungsflächen sind vielseitig nutzbar als Spiel- und Sitzbereiche. Das künstlerische Gesamtkonzept umfasst auch die Gestaltung von Brunnenanlagen, Beleuchtungskörpern und Tramhäuschen.» Letztere konzipierte Staub als dreieckförmige Plastiken.

Nun prangt eine grüne grosse Acht an der Tramhaltestelle auf dem durchgehend begehbaren Platz. Wie Velofahrer und Fussgänger bei der kaum vorhandenen Verkehrsführung aneinander vorbeikommen, wird sich zeigen. Dass der Platz wegen der neuen Tramlinienführung habe umgestaltet werden müssen, versteht Staub: «Fairerweise muss man bis zum Frühling warten. Es wird sich zeigen, wie sich der Platz belebt, wenn die Bäume blühen. Und lobt das Bestreben der Stadt, bestehende Kunstwerke bei Umgestaltungen wieder einzubetten.