Uitikon

Neugestaltung der Allmend: Hier wird graue Energie mit Holz reduziert

Die tiefergelegte Doppelturnhalle (links) und die als Gemeinschaftszentrum umgenutzte Einfachturnhalle (rechts hinter dem Anbau) sollen der Schule und den Vereinen mehr Platz geben.

Stoos Architekten aus Brugg entschieden den Wettbewerb für die Neugestaltung der Allmend für sich.

Eine Gemeinsamkeit hätten alle ausgewählten Projekte des Architekturwettbewerbs «Vision Allmend 2020» aufgewiesen, sagt Reto Schoch (CVP) anlässlich der Präsentation des Siegers vergangene Woche. Der Präsident der Uitiker Schulpflege betonte, dass die einzigartige Lage der Allmend mit ihrer grossartigen Aussicht stets der Ausgangspunkt der Planungsteams war. «Niemand wollte diese Atmosphäre verbauen.»

Gebaut werden muss jedoch. Mit dem anstehenden Wachstum der Gemeinde besteht Platzbedarf. Die heutige Einfachturnhalle reicht den Bedürfnissen der Schule und der Vereine nicht mehr aus. Auch das Gemeinschaftszentrum in der Schützenstube ist nach Einschätzung der Gemeinde nicht mehr zeitgemäss. So planen Schulgemeinde und politische Gemeinde den Bau einer Doppelturnhalle und den Umbau der Einfachturnhalle, deren Bausubstanz noch durchaus solide ist, in ein neues Gemeinschaftszentrum.

Das Siegerteam von Stoos Architekten aus Brugg mit ihrem Projekt «Allmend» löste diese Aufgabe, indem es die neue Doppelturnhalle in die Verlängerung der bestehenden Turnhalle anbaut, wie es im Jurybericht heisst. Der eingeschossige Schulhaus-Trakt, der an die Turnhalle angrenzt, soll zurückgebaut und durch einen Neubau ersetzt werden. Dies, weil er sich schlecht in das Gesamtbild einfüge und der Abbruch einen grossen Aussenraum freispiele. Mit dem Abbruch werde die Qualität und die Weite des Ortes verstärkt. Im Wettbewerbsprogramm war jedoch etwas anderes vorgesehen. Die im Anbau beherbergte Holz- und Metallwerkstatt der Schule sollte saniert und der Bau um ein Lehrerzimmer und einen Raum für die Erwachsenenbildung erweitert werden. Diese Nutzungen werden nun in einem zweigeschossigen neuen Anbau untergebracht. Die Jury habe diese kritische Auseinandersetzung mit dem Wettbewerbsprogramm geschätzt.

Ein Korridor für alle Nutzungen

An drei Stellen entstehen Plätze, die mit Sitzmauern und Schattenbäumen zu Aufenthaltsorten würden, heisst es weiter. Zudem verfüge das Projekt über eine einfache innere Organisation, mithilfe derer alle Nutzungen durch einen breiten Korridor erschlossen werden können. Sämtliche oberirdischen Fassaden und Tragwerke sind aus Holz. «Dies ist effizient, nachhaltig und zeitgemäss», so die Jury. Trotz eines relativ hohen Eingriffs in die bestehende Bausubstanz erreiche das Projekt tiefe Werte im Bereich grauer Energie.

Gemäss Schätzungen betragen die Anlagekosten rund 18,3 Millionen Franken. Die berechneten Maximalkosten im Rahmen des Wettbewerbs waren aber mit lediglich 17 Millionen Franken veranschlagt. «Tiefere Werte sind erwünscht», schreibt die Jury im Bericht. «Verglichen mit den Kosten anderer Projekte liegt jenes von Stoos Architekten im Mittelfeld. Bis auf den Franken genau zu planen, ist sehr schwierig», sagt Schoch auf Anfrage.

Bereits 2014 lancierten die politische Gemeinde und die Schulgemeinde eine Bedarfsabklärung, bei der die Bevölkerung Möglichkeiten zur künftigen Nutzung der Allmend einreichen konnte. Im Frühling 2017 sprach die Gemeinde- und Schulgemeindeversammlung dann einen Kredit von rund 400'000 Franken für die Durchführung eines Architekturwettbewerbs. Im Vorfeld zu dieser Versammlung äusserte die FDP-Ortspartei Bedenken bezüglich der Notwendigkeit des Doppelturnhalle-Neubaus. Zwar empfahl sie die Ja-Parole zum Wettbewerbskredit, betonte jedoch, dass lediglich die Sanierung der Turnhalle zwingend nötig sei. Das Gesamtprojekt solle modulweise in Etappen an die Urne gebracht werden, sodass die Uitiker über zwei Vorlagen befinden können. «Beim vorliegenden Projekt ist eine solche Etappierung eher schwierig, wenn nicht gar unmöglich» sagt Schoch. Der Grund: Die beiden Nutzungen sind im selben Gebäudekörper untergebracht.

Aus Fehlern gelernt

Und wie geht es weiter? Voraussichtlich an der Gemeindeversammlung von November beantragen Gemeinderat und Schulpflege einen Projektierungskredit, der üblicherweise rund 10 Prozent der Gesamtkosten beträgt.

Den Stimmberechtigten dürfte der letzte Wettbewerb der öffentlichen Hand in Erinnerung geblieben sein. Als es um die Gestaltung des Waldeggplatzes im Quartier Leuen-Waldegg ging, schrieb die politische Gemeinde ebenfalls einen Architekturwettbewerb aus. Die Kosten des Siegers überstiegen die Erwartungen der politischen Gemeinde jedoch, sodass 2018 die Notbremse gezogen wurde. Nach dem Abbruch der Zusammenarbeit mit dem Architekturteam plante man eine eigene Gestaltung des Platzes, die bald realisiert werden soll. Beim Allmend-Wettbewerb habe man daher besonders genau auf die veranschlagten Kosten der Projekte geschaut, sagt Schulpräsident Schoch. «Zudem liessen wir sie von externen Spezialisten kontrollieren. Aus den Fehlern beim Waldeggplatz-Wettbewerb zogen wir unsere Lehren», so Schoch.

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