Wie alle anderen Automarken an der Schlieremer Brandstrasse verfügt auch das neue Nutzfahrzeug-Zentrum der Merbag über einen edlen Showroom. Damit ein Personenwagen in einen solchen gefahren werden und sich darin bestens ausgeleuchtet und aufpoliert präsentieren kann, reicht ein Tor von wenigen Metern Höhe und Breite aus. Doch in der sechs Meter hohen Empfangshalle des neuen Nutzfahrzeugzentrums an der Ecke Brand-/Goldschlägistrasse ist eine meterhohe Glasöffnung ins Fenster eingelassen.

«In der Schweiz sind wir die Einzigen, die über einen Showroom für Fünfachser-Lastwagen verfügen. Dies war uns wichtig, damit wir den Nutzfahrzeugen den Stellenwert geben können, den sie verdienen», sagt Daniel Bruhin. Der Geschäftsleiter des Zentrums verweist darauf, dass hier nicht nur ausgestellt werde, sondern auch das sinnbildliche Hirn des Gebäudes beheimatet ist. «Hier sitzen alle vom Verkäufer über den Kundenberater bis hin zum Geschäftsleiter», sagt er und zeigt auf die zahlreichen, offenen Büroplätze. Auch eine Kaffeeecke, die hier in Form einer langgezogenen Bar realisiert wurde, fehlt nicht. Hier treffen sich Kunden, Chauffeure und Mitarbeiter. «Wir hoffen auf eine Art Branchentreffpunkt», so Bruhin.

Vor anderthalb Jahren starteten die Bauarbeiten an einem der schweizweit grössten Nutzfahrzeug-Zentren. Auf dem rund 32 000 Quadratmeter grossen Gebiet investiert der Auto-Riese rund 45 Millionen Franken, um ein «fortschrittliches Kompetenzzentrum» für leichte und schwere Nutzfahrzeuge zu erstellen. Komplett fertiggestellt sein wird der Bau erst im Juni 2019. Dann werden weitere Garagenplätze für die Nutzfahrzeuge stehen, sowie ein grosser Parkplatz zum Rietbach für die täglich zwischen 200 und 250 Fahrzeuge, die das Zentrum frequentieren.

Der Garagengeruch ist weg

Weg vom Showroom, weg von den Büroplätzen im hinteren Bereich des Neubaus befindet sich das Ersatzteillager. 40'000 Teile werden hier gelagert und sind abholbereit. Im linken und rechten Gebäudeflügel ist das Herz des Zentrums – die eigentliche Garage. Dieser fehlt der typische Geruch nach einer Mischung von Motorenöl und Abgasen – es wird ihn auch niemals geben.

«Abgase bei Motortests werden mit einem Rohr abgesaugt und gelangen nicht in den Innenraum des Gebäudes», so Bruhin. Und auch sämtliche Flüssigkeiten, die im Zusammenhang mit dem Unterhalt eines Nutzfahrzeugs benutzt werden, sind im Untergeschoss gelagert und werden durch Schläuche in den Garagenraum gepumpt – die Möglichkeit, dass etwas ausfliesst, ist sehr gering.

Die Garage funktioniert nach dem Prinzip: alles in einem. «Wir unterhalten nicht nur die Nutzfahrzeuge, sondern auch die Aufbauten, die Kühlgeräte, allfällige Zusatzmotoren und die Hebebühnen», so Bruhin. Die spezialisierten Mechaniker würden nun im Neubau näher zusammenarbeiten und könnten daher schneller konsultiert werden.

26-Tönner wird präsentiert

Ab kommendem Frühling steht im neuen Nutzfahrzeug-Zentrum zudem eine Ladestation für elektrisch betriebene Lastwagen zur Verfügung. «Im Vergleich mit den Ladestationen von Personenwagen ist der Dimensionenunterschied immens. Bei einem Nutzfahrzeug müssen 80 bis 120 Kilowatt geladen werden können», so Bruhin. Man könne daher nicht von einem Ladekabel sprechen – ein Laderohr wäre angebrachter, sagt er lachend. Dazu musste eigens eine Trafostation unweit des Neubaus erstellt werden. Zum Vergleich: Bei einem Personenwagen können rund 22 Kilowatt transferiert werden.

Bereits heute lässt sich eine weitere Neuheit im Bereich der elektrischen Fortbewegung bestaunen. Anlässlich der Einweihungsfeier präsentiert die Merbag eine Weltneuheit: einen aus einem Daimler-Werk erstellten Elektro-Lastwagen mit einem Gewicht von 26 Tonnen. «Im kommenden Frühling werden im Raum Zürich damit die ersten Feldversuche durchgeführt», so Bruhin. Denn: «Dass der Wechsel hin zu elektrisch betriebenen Lastwagen kommt, ist unbestritten. Offen bleibt nur, wann er kommt.»