Dietikon
Neuer Self Storage: Wo sich der Speicher per App öffnet

In der Riedstrasse in Dietikon hat ein Self Storage eröffnet, in dem Schlüssel und Papierkram überflüssig sind. Das verantwortliche Start-up-Place B ist mit diesem Konzept auf Wachstumskurs.

Gabriele Heigl
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CEO Terry Fehlmann (links) und Marketingleiter Manuel Gerber im Dietiker Place B.

CEO Terry Fehlmann (links) und Marketingleiter Manuel Gerber im Dietiker Place B.

Gabriele Heigl

Das neuzeitliche «Sesam, öffne dich!» ist der Wischer auf dem Handy. So funktioniert das auf jeden Fall in einem Self Storage, der vor zwei Wochen in der Riedstrasse in Dietikon eröffnet wurde. Mit dem Handy in der Hand lassen sich so die Zugangstüren und Lagerboxen öffnen, Schlüssellöcher und Türklinken gibt es keine.

Um in diesem Self Storage, zu deutsch Mietlager, seine Möbel, Sportgeräte oder Büro-Utensilien zu deponieren, muss man nicht erst den Betreiber kontaktieren, Papierkram unterzeichnen und Schlüssel in Empfang nehmen. Eine App runterladen genügt. Sobald man sich registriert, die richtige Box ausgesucht und die Kontodaten eingegeben hat, wird das Handy zum Schlüssel. Wenn man will, kann man auch sofort loslegen und die angemietete Box befüllen – und sei es mitten in der Nacht. Denn dieses Lager hat rund um die Uhr geöffnet.

«Es wird vermehrt verdichtet gebaut. In vielen Häusern gibt es keine Kellerabteile mehr für die Mieter.»

Terry Fehlmann, CEO Place B

Ausgedacht hat sich das System Terry Fehlmann. Er ist Gründer und CEO des Zürcher Start-up-Unternehmens Place B. Der Marketing-Fachmann hatte zuvor bereits als Co-Gründer des grössten Self Storage der Schweiz Erfahrung in der Branche gesammelt. Das Geschäft mit Place B läuft so gut, dass seit der Gründung 2015 bereits neun Standorte eröffnet werden konnten, darunter drei in der Stadt Zürich und zuletzt das in Dietikon in der Silbern. Bis Ende nächsten Jahres sollen 40 weitere Standorte in der ganzen Schweiz folgen.

Das volldigitalisierte System ist laut Auskunft des Firmengründers «weltweit einzigartig». Dabei sei Place A dort, wo man wohnt und arbeitet, und Place B der Nebenstauraum, den man eben manchmal brauche, so Fehlmann.

Faktor Mobilität

Self Storage ist bisher vor allem im angelsächsischen Raum bekannt: Wenn Hausrat, Sammlungen oder Freizeitausrüstung mehr Platz brauchen, als in Wohnung, Haus oder Büro zur Verfügung stehen, werden sie ausgelagert in den angemieteten Stauraum eines Self Storage.

Fehlmann sieht zwei Faktoren, auf denen dieser Erfolg beruht. «Es wird vermehrt verdichtet gebaut. In vielen Häusern sind die Kellerabteile aufs obligatorische Minimum reduziert.» Dachstöcke würden zu Attikawohnungen ausgebaut und könnten nicht mehr als Speicher genutzt werden. Hinzu komme die Mobilität der Menschen. Man lebe nicht mehr so lange an einem Ort, arbeite nicht mehr so lange bei einer Firma wie früher. Manchmal geht bei Umzug, Hausbau oder Renovation das Timing nicht auf. Also müssen die Sachen zwischengelagert werden.

Die meisten Mieter seien kurz- oder mittelfristige Kunden über einige Monate, so Fehlmann. Manchmal entstünden daraus auch längerfristige Mietverhältnisse etwa über zwei Jahre. Place B bietet auch Boxen mit kleinem Stauraum. Die kleinsten fassen lediglich einen Kubikmeter, die mittleren 10 bis 19 Kubikmeter, die grössten bis zu 50 Kubikmeter, das ist genügend Platz für das gesamte Mobiliar eines grossen Einfamilienhauses.

Alarmgesichert

Je grösser die Box und je länger die Mietdauer, desto günstiger der Mietzins pro Kubikmeter. Die kleinste Box kostet für einen Monat 45 Franken, eine durchschnittlich grosse aus der mittleren Kategorie 160 Franken pro Monat. Bei längerer Mietdauer gibt es Nachlässe bis zu 15 Prozent. Auch eine kurzfristige Mietdauer ab einer Woche ist möglich. Zu 85 bis 90 Prozent handelt es sich bei den Mietern um private Kunden, der Rest sind Mieter von KMU, die dort beispielsweise Bemusterungsprodukte oder Eventmaterial einlagern.

In Dietikon sind bereits zehn Prozent aller Boxen belegt. Sie sind einfach ausgestattet. Die Wände sind aus Wellblech, eigene Lichtanschlüsse und Steckdosen gibt es nicht. Aber die Gänge sind gut ausgeleuchtet, alle Lager sind trocken, beheizt, vollständig voneinander abgetrennt und blickdicht. Jede Box ist alarmgesichert, alle Zugänge sind videoüberwacht. Praktisch: Der Zugang kann mit Freunden, Familie, einem Umzugsunternehmen oder einem Lieferdienst geteilt werden.