Wird die Versetzung der Buche für die Stadt Schlieren teurer als angenommen? Gut zwei Monate nach dem medienwirksamen Baumtransport gerät das verantwortliche Unternehmen BMB Group in die Kritik. In einer kleinen Anfrage, die er diese Woche an den Stadtrat stellte, will SVP-Gemeinderat Hans-Ulrich Etter Details bezüglich der Kosten für die Baumverpflanzung von Anfang Februar wissen.

Das war die Baumverpflanzung in Schlieren:

Interview mit Schlierens Bauvorstand Markus Bärtschiger während der Versetzung der Buche

Interview mit Schlierens Bauvorstand Markus Bärtschiger während der Versetzung der Buche

Alex Rudolf interviewt Markus Bärtschiger während der Versetzung der Schlieremer Rotbuche, die der Limmattalbahn weichen muss.

Der Baum ist in der Luft!

Der Baum ist in der Luft!

Baumversetzung in Schlieren

Weiter erkundigt er sich nach der Bonität des Grossbaumverpflanzers und nach den Gründen, warum der Auftrag ausgerechnet an das Luzerner Unternehmen vergeben wurde. Der Grund für diese Fragen: «Ich wurde von beteiligten Drittpersonen darauf angesprochen, dass die BMB Group fällige Rechnungen der Subunternehmer nicht zahlt», so Etter im Vorstoss.

Zudem würden zahlreiche offene Fragen zum Unternehmen selber bestehen. So fehle etwa ein Eintrag im Schweizer Handelsregister oder Hinweise auf bisher erfolgte Baumverpflanzungen. «Hätte die Arbeitsvergabe nicht öffentlich ausgeschrieben werden müssen?»

Eine der Rechnungen, die Etter anspricht, stammt von der Züsli Gartenbau AG aus Embrach, wie die «Luzerner Zeitung» berichtet. Laut Inhaber Peter Züsli handle es sich um einen fünfstelligen Betrag, den ihm die BMB Group schulde.

So hätten sich die im Vorfeld organisierten Ressourcen für die Baumverpflanzung im Verlauf der Arbeiten als zu knapp herausgestellt, woraufhin kurzfristig mehr Arbeiter und weitere Geräte organisiert worden seien. «Dies geschah stets mit dem Einverständnis der BMB Group», hält Züsli fest. Doch habe er lediglich einen Teilbetrag für diese Zusatzleistungen erstattet bekommen.

Mehrmals habe man versucht, die BMB Group zu erreichen, doch habe niemand auf Telefonanrufe reagiert und die Rechnungen seien zurückgekommen, da an der im Internet ausgewiesenen Adresse keine BMB Group ansässig ist, wie die «Luzerner Zeitung» weiter schreibt.

Enttäuscht und verärgert

«Ich bin enttäuscht und verärgert über das Vorgehen von Herr Züsli», sagt Andreas Bernauer von der BMB Group auf Anfrage der Limmattaler Zeitung. Züsli wisse, dass er im Unrecht sei, weshalb er wohl versuche, Druck über die Medien auszuüben. «Was er macht, grenzt klar an Rufschädigung. Dies lassen wir uns nicht gefallen und wir haben bereits rechtliche Schritte eingeleitet.»

Zudem sei sein Unternehmen durchaus im Handelsregister eingetragen. Unter dem Namen BMB Kommunikation und Management. Weiter habe das Unternehmen Erfahrung bei Verpflanzungen sammeln können. «Wir sind ein Start-up, das 2016 seine Tätigkeit aufnahm. Unseren ersten grossen Auftrag erhielten wir im Februar 2017, wo wir 37 Kastanienbäume in Genf verpflanzten», so Bernauer.

Und was ist mit der fehlenden Adresse? «Wir sind meistens vor Ort bei den Kunden tätig. Aus Kostengründen verzichten wir auf ein eigenes Büro», so Bernauer. Angemeldet sei das Unternehmen bei einem Anwaltsbüro in Luzern.

Markus Bärtschiger (SP), der als Bauvorstand vonseiten der Stadt für das Geschäft verantwortlich war, findet es schade, dass diese Negativschlagzeilen die erfolgreiche Versetzung überschatten. «Für uns ist es schwierig, die Situation einzuschätzen, da unsere Informationen auf Hörensagen beruhen», sagt er.

Mit dem Zu- und Hergang auf Baustellen kennt sich Bärtschiger sehr gut aus und er weiss: «Beinahe auf keiner Baustelle sind sich Unternehmer und Subunternehmer über jede Rechnung einig. Solche Streitereien sind an der Tagesordnung», so Bärtschiger.

Möglicherweise müsse diese Auseinandersetzung auf dem Gerichtsweg geklärt werden, was er nicht hoffe. «Dass man bereits nach einer unbezahlten Rechnung, ohne erfolgte Mahnung an die Öffentlichkeit geht, ist aber schon sehr viel weniger üblich. Dies hat wohl damit zu tun, dass die Verpflanzung eine grosse mediale Resonanz auslöste.»

Wohl keine Forderungen an Stadt

Dass dadurch für die Stadt Mehrkosten entstehen, sei indes unwahrscheinlich. Zur Erinnerung: Die Stadt und die Limmattalbahn AG beteiligten sich mit je 40 000 Franken an der Versetzung des Baums. Die restlichen Kosten von rund 80 000 Franken hat die BMB Group übernommen.

Üblicherweise können solche Geldforderungen über das Pfandrecht an den Landbesitzer – in diesem Fall die Stadt – gerichtet werden. «Befindet sich das Land jedoch im Verwaltungsvermögen der öffentlichen Hand, ist ein solches Vorgehen nicht möglich», so Bärtschiger.

Erst Anfang Februar wurde die über 80-jährige Buche auf dem Zentrumsplatz um rund 170 Meter Richtung Westen in den künftigen Stadtpark verlegt. Eigentlich hätte sie aufgrund des Baus der Limmattalbahn gefällt werden sollen. Grosse Entrüstung aus der Bevölkerung und die daraus resultierende Petition mit 4700 Unterschriften gegen die Fällung vermochten dies aber zu verhindern.

Wie geht es dem Baum heute? Aktuell werde er von der Stadt Schlieren umsichtig gepflegt, sagt Bernauer auf Anfrage. Ein abschliessendes Urteil zum langfristigen Überleben des Baums könne zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht abgegeben werden.