Die Stadt Dietikon hat einen neuen Energieplan aufgestellt. Nachdem der Stadtrat die Planung im August verabschiedet hatte, wurde sie nun auch von der kantonalen Baudirektion gutgeheissen und ist somit in Kraft, heisst es in einer städtischen Medienmitteilung. Die wichtigste Neuerung: Das Fernwärmegebiet der Kehrichtverwertung wird ausgebaut und damit die Ökologisierung der Energieversorgung vorangetrieben. Zudem lässt eine aktuelle Energiebilanz hoffen, dass die langfristigen Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft mit der neuen Planung mehrheitlich erreicht werden können.

Die Energieplanung ist für Stadtrat, Verwaltung und die städtischen Energieversorger sowie bei Sondernutzungsplanungen verbindlich einzuhalten. Ökologisch gleichwertige Lösungen sind aber zulässig. Für Grundeigentümer, die nicht von einer Sondernutzungsplanung betroffen sind, gilt der Grundsatz der freien Wahl unter den verfügbaren Energieträgern.

Limeco machte Revision nötig

Der kommunale Energieplan, den sich die Stadt erstmals 2003 gab, zeigt auf, in welchem Stadtteil welche Energieträger und -netze vorhanden und sinnvoll sind. Die aktuelle Revision wurde unter anderem nötig, weil die interkommunale Kehrichtverwertungsanlage (KVA) der Limeco sich anschickte, das Fernwärmenetz auszubauen. Gemäss der revidierten Energieplanung wird das Dietiker Fernwärmegebiet um mindestens 80 Prozent Abwärme vergrössert.

Die acht Limeco-Trägergemeinden haben bereits im Jahr 2015 dem Ausbau des Fernwärmegebiets bis ins Gebiet Fondli zugestimmt. Der erste Strang vom Gebiet Gjuch und Studacker bis ins Fondli ist seit Januar im Bau. Entlang der Fernwärmeleitung sollen drei zusätzliche Gebiete (Schuelguet, Altberg, Lagerstrasse) und später das Entwicklungsgebiet Niderfeld erschlossen werden.

Förderung der Solarenergie

Ins Dietiker Gasnetz werden heute 20 Prozent Biogas eingespeist. Das Erdgasgebiet wurde zugunsten des Fernwärmegebiets im Bereich der Fernwärmehauptleitung reduziert und zusätzlich bis zum Standortentscheid der künftigen KVA ein Mischgebiet für KVA-Fernwärme oder Erdgas festgelegt. Die weitere Entwicklung des Erdgasnetzes hängt vom Ausbau der KVA-Fernwärme ab. Die Nutzung von Erd- oder Holzwärme sowie von Solarenergie wird weiterhin von der Stadt mit Förderbeiträgen unterstützt.

Energiebilanz im grünen Bereich

Welche Auswirkung hat die Energieplanung nun auf die städtische Energiebilanz? Gemäss einer Untersuchung der Zürcher Brandes Energie AG werden durch die aktuelle Planung die von «Energiestadt» geforderten Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft mehrheitlich erreicht werden. In der Prognose, die im Auftrag der Stadt für den Zeitraum 2015 bis 2045 erstellt wurde, untersuchten die Gutachter dafür die Teilbereiche Wärme-, Strom- und Treibstoffverbrauch. Seit 2003 ist Dietikon Energiestadt und verfügt über eine konsequente, nachhaltige Energiepolitik im Sinne des Labels und der kantonalen Energieplanung. Energiestädte fördern erneuerbare Energien, umweltverträgliche Mobilität und setzen auf eine effiziente Nutzung der Ressourcen.

Beim Dietiker Wärmeverbrauch pro Kopf kann laut der Prognose der Zielwert – eine Senkung gegenüber heute um 40 Prozent auf 7 Megawattstunden pro Jahr und Einwohner bis ins Jahr 2045 – voraussichtlich erreicht werden. Dies dank grossen energieeffizienten Neubauflächen in Entwicklungsgebieten und Gebäudesanierungen. Bereits 2014 wurden zur Förderung der Energieeffizienz und erneuerbarer Energieträger Gebäudestandards für den Neu- oder Umbau öffentlicher Bauten eingeführt. Auch Minergiebauten, die zu einer Reduktion des Wärmeverbrauchs und der Treibhausgase führen, gehören zum städtischen Immobilien-Portfolio, etwa das Schulhaus Steinmürli.

Optimistische Treibstoffzahlen

Nicht ganz so gut sieht es beim Stromverbrauch aus. Laut Prognose werden die Zielwerte – kein Zuwachs bis 2045 – geringfügig überschritten. Die Gründe dafür: der erwartete Zuwachs an Arbeitsplätzen sowie die Elektrifizierung von Tätigkeiten. Was den Treibstoffverbrauch anbelangt, müssen die Brandes-Gutachter spekulieren. Der fossile Treibstoffverbrauch sei schwierig abzuschätzen, heisst es in der Medienmitteilung.

Angestrebt wird eine Reduktion von 60 Prozent bis 2045. Dieser Parameter hänge aber stark von technischen Entwicklungen im Autobau ab und sei von der Stadt nicht beeinflussbar. Bei gleichbleibender Entwicklung hofft man aber, dass der Verbrauch pro Fahrzeugkilometer bis 2025 um 35 Prozent und bis 2045 sogar um 50 Prozent zurückgeht.