Stadt Zürich

Neue Gebäude ins Inventar der schützenswerten Bauten aufgenommen

Vergleich mit Heimatschutz betrifft auch das Seebad Utoquai, alte Industriebauten und ein Kino.

Das Stadtzürcher Inventar schützenswerter Bauten und Gärten hat markanten Zuwachs erhalten: Neu ist auch die älteste Seebadi der Stadt, das 1890 erbaute Seebad Utoquai, darin erfasst – als Zeitzeuge der neuen Badekultur, die sich um die Wende zum 20. Jahrhundert entwickelte. Ebenso ist der alte Industriebau auf dem Maag-Areal aus dem Jahr 1941 nun inventarisiert, in dem derzeit das Tonhalle-Orchester gastiert; zudem das 2012 für die Erweiterung des Bahnhofs Oerlikon verschobene frühere Direktionsgebäude der Maschinenfabrik Oerlikon (MFO) von 1869; und nicht zuletzt auch das 1926 als Arbeiterkino erbaute Kino Uto an der Kalkbreitestrasse, dessen Bau Einflüsse des Expressionismus und des Art Déco aufweist, wie es nun im städtischen Inventar heisst.

Insgesamt hat der Zürcher Stadtrat 18 Gebäude und 3 Gartenanlagen neu als schützenswert inventarisiert, wie er gestern mitteilte. Für die betreffenden Objekte bedeutet dies, dass im Falle eines Bauvorhabens ihre Schutzwürdigkeit definitiv geprüft werden müsste. «Aktuell liegen aber nach meinem Wissen keine Bauvorhaben für die Objekte vor», sagte eine Sprecherin des Stadtzürcher Amts für Städtebau gestern auf Anfrage.

Heimatschutz zog Rekurs zurück

Hintergrund der Inventarisierung ist ein Streit zwischen dem Zürcher Heimatschutz und der Stadt Zürich. Der Heimatschutz hatte moniert, dass diverse Gebäude zwar im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (Isos) aufgeführt sind, auf kommunaler Ebene aber formell keinen Schutz genossen. Der Isos-Schutz wäre so nur bei Bauvorhaben des Bundes wirksam geworden. Der Heimatschutz rekurrierte daher gegen die städtische Bau- und Zonenordnung (BZO) von 2016.

In der Folge einigten sich die Stadt und der Heimatschutz letzten Sommer auf einen Vergleich, wonach die Stadt die Inventarisierung der fraglichen Objekte prüfte. Der Heimatschutz zog daraufhin seinen Rekurs zurück; die BZO konnte Ende 2018 teilweise in Kraft treten. Mit der Inventarisierung der fraglichen Objekte ist nun auch der Vergleich umgesetzt.

Barbara Truog, Präsidentin des Stadtzürcher Heimatschutzes, zeigte sich auf Anfrage erfreut über den Vollzug: «Das entspricht den Abmachungen.» Bei einigen Gebäuden habe auch sie gestaunt, dass sie noch nicht im Inventar der schützenswerten Bauten waren.
Die Inventarisierung sei ein wirksames Mittel, damit die Stadt bei Bauvorhaben genau hinschaue. «Erst, wenn Bauprojekte vorliegen, wird über den Schutzstatus entschieden», so Truog.

Bedrängte Industriebauten

Neben den eingangs erwähnten bekannteren Gebäuden ist neu auch das Albisrieder Friedhofgebäude aus dem Jahr 1902 inventarisiert. Das ehemalige Leichenhaus aus Backsteinen wird heute für den Friedhof-Unterhalt genutzt.

Erwähnenswert ist auch die Aufnahme des ehemaligen Verwaltungsgebäudes der Sihl-Papierfabrik von 1956 ins Inventar der schützenswerten Bauten. Bereits beim Bau des 2007 eröffneten Einkaufs- und Freizeitzentrums Sihlcity wurde es als Zeitzeuge stehen gelassen. Wie auch das MFO-Gebäude beim Bahnhof Oerlikon und die Tonhalle Maag beim Bahnhof Hardbrücke erinnert es an eine weitgehend verschwundene Industriekultur, die in den letzten Jahren in den ehemaligen Industriegebieten von Neubauten grossteils verdrängt wurde. Daneben sind auch mehrere Wohn- und Geschäftshäuser des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts in den Quartieren Enge, Seebach, Wollishofen und Aussersihl nun als schützenswert inventarisiert. Gleichzeitig verändert der anhaltende Bauboom die Stadt markant.

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