Entsorgung
Neu organisiert: Stadt gibt Karton- und Papiersammlung aus der Hand

Bislang war die Rolf Bossard AG für die Karton- und Papiersammlung in der Stadt Zürich zuständig. Damit ist es nun vorbei, wie eine Anfrage der AL ans Licht bringt. Das Vorgehen der Stadt stösst dabei auf Kritik.

Lina Giusto
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Neu wird die Firma Loacker für das Sammeln von Papier und Karton in Zürich zuständig sein. (Symbolbild)

Neu wird die Firma Loacker für das Sammeln von Papier und Karton in Zürich zuständig sein. (Symbolbild)

Die Rolf Bossard AG kümmert sich mit seinen Angestellten bislang um das Einsammeln von Karton und Papier auf Stadtzürcher Boden. Damit ist nun Schluss, wie die Antwort auf eine Anfrage der städtischen AL-Fraktion zeigt. Seit Beginn des Jahres nämlich wird die Kartonsammlung bereits von der Firma Loacker organisiert. Im Laufe des Jahres wird sie auch die Papiersammlung in der Stadt Zürich übernehmen.

Das bedeutet für die Angestellten der Rolf Bossard AG nichts Gutes. Bereits neun der 38 Chauffeure und Belader, die deutlich weniger verdienen als städtische Angestellte mit ähnlicher Arbeit, haben ihre Stelle verloren, wie aus der stadträtlichen Antwort hervorgeht. Mit dem Wegfall des Papiersammel-Auftrags dürfte der Stellenabbau weitergehen.

Reinmachen nach Skandal um Urs Pauli

Der Entscheid, diesen Entsorgungsarm der Stadt Zürich neu zu organisieren, ist die Folge des Reinmachens bei der Entsorgung und Recycling Zürich (ERZ) nach dem Skandal um den ehemaligen Direktor Urs Pauli, der wegen seiner undurchsichtigen Geschäftsführung seinen Posten räumen musste. Dass sich die Stadt Zürich nun von der Rolf Bossard AG entflechten will, hängt auch damit zusammen, dass der ehemalige ERZ-Direktor Verwaltungsratspräsident der Entsorgungsfirma war und sich damit selber Aufträge erteilte.

azu kommt: Zwar ist die Rolf Bossard AG ein Privatunternehmen, sie gehört aber seit 2005 der Stadt und erwirtschaftet rund 98 Prozent ihres Umsatzes auf Stadtzürcher Boden. Neben dem Stellenabbau verliert die Firma durch den Entzug des städtischen Auftrages zusätzlich an Wert.

Kritik von AL und Grünen

Damit dürfte für den geplanten Verkauf des Unternehmens durch die Stadt ein geringerer Erlös resultieren. Dieses Geschäft sei im Übrigen Sache der Stadt und nicht des Parlaments, ist der Antwort zu entnehmen. Zudem sei der Stellenabbau bei der Rolf Bossard AG «sozial verträglich gestaltet», schreibt der Stadtrat weiter. Es habe Verhandlungen mit der Firma Loacker gegeben, die Angestellten zu übernehmen. Auf Anfrage des «Tages-Anzeiger» bestätigt diese, dass die neun entlassenen Angestellten mittlerweile bei der K. Müller AG – einem Subunternehmen, das den Kartonauftrag ausführe – tätig seien.

Das Vorgehen des Tiefbauvorstehers Filippo Leutenegger (FDP) stösst bei der städtischen AL und Grüne auf Widerstand. In Medienmitteilungen kritisieren sie die «Vernichtung städtischen Vermögens» und das «Abschieben» von Angestellten. Sie fordern deshalb den Gesamtstadtrat auf, die Verantwortung für die Rolf Bossard AG zu übernehmen.