Ob einer Toilette wirklich das Attribut «nett» verliehen werden sollte, ist fraglich. Die Stadt Schlieren lancierte kürzlich jedoch auf Anregung der SP das Projekt «Nette Toilette», im Rahmen dessen Gastronomen ihre stillen Örtchen der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen – ohne Konsumationszwang. Dafür erhalten sie von der Stadt eine vierstellige Entschädigung.

Ursprünglich stammt das Projekt «Netten Toilette» aus dem deutschen Aachen, wo es um die Jahrtausendwende erstmals zur Anwendung kam. Zwischenzeitlich haben rund 230 Städte in Deutschland die Idee übernommen. Auch Schweizer Städte lancierten das Projekt – etwa Thun im Jahr 2014 gefolgt von Solothurn.

Mit Plakette signalisiert

Im vergangenen Mai reichte der SP-Gemeinderat und Ortsparteipräsident Walter Jucker ein Postulat ein. Gemeinsam mit 16 Mitunterzeichnern verlangt er die Einführung von «Nette Toilette» in Schlieren. Die teilnehmenden Restaurants werden mit einer entsprechenden Plakette beim Eingang signalisiert. Dies stellt eine für alle Beteiligten attraktive Lösung dar, wie es im Postulat heisst.

So könnten auf diese Weise öffentliche Toiletten in der Nähe von teilnehmenden Betrieben geschlossen werden und gar auf den Neubau von Toilettenanlagen verzichtet werden. «Die Einsparungen würden wohl höher ausfallen, als die zu bezahlenden Entschädigungen an Restaurantbetreibende», so Jucker damals. Darüber hinaus würde der Vandalismus verringert und die Sauberkeit gegenüber öffentlichen Toiletten verbessert werden.

Auch gut fürs Image

«Die Rückmeldungen der Gastrobetreiber waren durchweg positiv und ermutigend», schreibt der Stadtrat in seiner Mitteilung. Daraus folgten auch rasche Resultate. Wie der Stadtrat schreibt, würden bereits heute neun Bars, Cafés, Restaurants und Hotels ihre Toiletten ohne Konsumationszwang zur Verfügung stellen. Man erhoffe sich jedoch, dass sich später noch weitere Betriebe finden lassen, die sich beteiligen. «Vor allem im Zentrum sind öffentliche, gut auffindbare und saubere Toiletten ein wichtiger Teil des Angebots und stärken das Image Schlierens als Wohn- und Wirtschaftsstandort», so der Stadtrat.

Gemäss Albert Schweizer, Bereichsleiter Liegenschaften, wird in den kommenden Tagen eine Liste der teilnehmenden Betriebe auf der Website der Stadt aufgeschaltet. Um das Angebot zu kommunizieren, stehen Flyer zur Verfügung. Auf diesen sei ersichtlich, wo sich die Toiletten befinden und von wann bis wann sie geöffnet sind. Die Betriebe kennzeichnen sich mit dem offiziellen Aufkleber beim Eingang und erhalten dafür von der Stadt jährlich 1000 Franken für die Reinigung, sowie den Wasserverbrauch, beziehungsweise den während der Wintermonate anfallenden Bezug von Wärme.

So belaufen sich die Kosten für die «Nette Toilette» für die Stadt auf aktuell 10'000 Franken – je nach definitiver Anzahl teilnehmender Betriebe. «Demgegenüber können im Zentrum zwei bisherige Anlagen an der Badenerstrasse und in der Unterführung ersatzlos aufgehoben werden», schreibt die Stadt weiter.

260'000 Franken für Konzept

Damit jedoch nicht genug: So will die Stadt ein Gesamtbild der WC-Situation in Schlieren erhalten. Bis Mitte 2018 erstellt der Bereich Liegenschaften einen «Masterplan öffentliche WC-Anlagen», schreibt die Exekutive. Ziel sei es, dass die Stadt bis 2023 moderne, saubere und sichere öffentliche und auch private Nette-Toilette-Anlagen zur Verfügung stellt. Im Finanzplan 2018 bis 2021 sind für dieses Anliegen 260'000 Franken eingestellt, schreibt der Stadtrat weiter. «Die Initiative ‹Nette Toilette› soll das Netz der öffentlichen Anlagen ergänzen, während schrittweise bestehende WCs ersetzt werden», so der Stadtrat.