Dem Parlament in Bern ist die Modernisierung der Bahninfrastruktur mehr wert als dem Bundesrat. Nach dem Ständerat hat der Nationalrat gestern das Budget für den Ausbau des Schienennetzes weiter aufgestockt – auf 12,89 Milliarden Franken. Aufgenommen werden neu auch die Bahnhöfe Winterthur Grüze Nord und Thun Nord.

Die Mehrheit der grossen Kammer folgte ihrer vorberatenden Verkehrskommission und nahm die beiden Haltestellen in die Vorlage auf. Für den Bahnhof Winterthur Grüze stimmten 150 Nationalrätinnen und -räte, 36 sprachen sich dagegen aus.

Über die zusätzlichen Ausgaben von 69 Millionen Franken entscheidet nun als nächstes der Ständerat. Dieser hatte in der ersten Beratungsrunde das Budget für die Bahninfrastruktur bereits um 919 Millionen Franken angehoben.

Für einen zusätzlichen Ausbau in Winterthur und Thun sprächen anhaltend hohe Wachstumsprognosen für Bevölkerung und Arbeitsplätze an den beiden Standorten, sagte Philipp Hadorn (SP/SO) im Namen der Verkehrskommission. Dies führe zu zusätzlicher Mobilität und erhöhten Anforderungen an die Infrastruktur in den betreffenden Gebieten.

Nur ein Grossteil der FDP und einzelne SVP-Mitglieder stemmten sich dagegen, weil die zwei Vorhaben noch nicht ausgereift seien. «Wir wollen die Projekte nicht verhindern», sagte Kurt Fluri (FDP/SO). Die Realisierung dieser Haltestellen sei aber nicht prioritär. Die Aufnahme der Projekte in den nächsten Ausbauschritt 2040 reiche aus.

Zufrieden mit dem Entscheid zeigte sich die Stadt Winterthur. Es sei erfreulich, dass die hohe Bedeutung dieses Bauwerks für die Stadt und Region Winterthur vom Nationalrat entsprechend ihrer Wichtigkeit gewürdigt werde, schreibt sie in einer Mitteilung. Mit dem Ausbau könnte der Winterthurer Hauptbahnhof entlastet werden, indem sich der Bahnhof Grüze zu einer zweiten lokalen öV-Drehscheibe entwickelt. Mit diesem Entscheid würden die Weichen für die weitere Entwicklung der Bahninfrastruktur gestellt. Der Brüttenertunnel, der Ausbau Stadelhofen sowie der Bahnhof Grüze Nord garantierten der Stadt Winterthur eine optimale Bahnerschliessung, heisst es in der Mitteilung weiter. (sda)