Birmensdorf
Nächste Runde im Kampf ums Schulhaus: Der Gemeinderat wehrt sich gegen die Unterschutzstellung

Der Gemeinderat lehnt sich gegen die Unterschutzstellung des Schulhauses Brühlmatt auf. Die geplanten Massnahmen seien stark übertrieben. Zudem sei die Schutzwürdigkeit des Gebäudes nicht ausreichend abgeklärt worden.

Alex Rudolf
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Als «stark übertrieben» beurteilt die Zürcher Planungsgruppe Limmattal die geplanten Schutzmassnahmen für das Schulhaus Brühlmatt in Birmensdorf.

Als «stark übertrieben» beurteilt die Zürcher Planungsgruppe Limmattal die geplanten Schutzmassnahmen für das Schulhaus Brühlmatt in Birmensdorf.

Tobias Hänni

Die Sanierung des Birmensdorfer Schulhauses Brühlmatt ist umstritten. Bereits vor zwei Jahren erwuchs aus der Gemeinde Widerstand, als die Denkmalpflege die Unterschutzstellung der beiden Gebäude aus den späten Siebzigern und frühen Neunzigern in Aussicht stellte. Zwischenzeitlich haben sich die kantonale Denkmalpflege und die Sekundarschulpflege Birmensdorf Aesch gefunden und einen Schutzvertrag unterzeichnet. Doch kürzlich wurde bekannt, dass der Birmensdorfer Gemeinderat wie auch die Zürcher Planungsgruppe Limmattal (ZPL) im Rahmen der Vernehmlassung diesen Schutzvertrag vehement ablehnen. «Aus Sicht des Gemeinderates wurde während der Verhandlungen nicht das Maximum zugunsten der Gemeinde herausgeholt», sagt Hochbauvorstand Bruno Knecht (parteilos) auf Anfrage.

Bereits im Herbst 2015 wurde klar, welches Ausmass eine mögliche Unterschutzstellung annehmen würde. In einem sogenannten provisorischen Schutzumfang legte der Denkmalschutz fest, was schützenswert ist und was nicht. Dabei handelt es sich nicht nur um prägende Elemente wie etwa die Farbe der Fassade, sondern auch um Einrichtungsgegenstände wie Bodenplättchen und Kleiderhaken.

Schulhaus Rafz ist älter

Details aus dem jüngst unterzeichneten Schutzvertrag – also ob die Kleiderhaken noch immer geschützt sind oder nicht – sind noch nicht öffentlich einsehbar. Doch muss das Amt für Raumentwicklung, dem die Denkmalpflege unterstellt ist, die ZPL wie auch die politische Gemeinde um eine Stellungnahme bitten. So schreibt die ZPL in einer Mitteilung von Ende Dezember, dass man die integralen Schutzmassnahmen als stark übertrieben und dem Prinzip der Innenentwicklung widersprechend beurteile. «Die ZPL lehnt deshalb die geplante Unterschutzstellung deutlich ab.»

«Man klärte während des Prozesses vor Unterzeichnung des Schutzvertrags nicht abschliessend ab, ob überhaupt eine Schutzwürdigkeit des Gebäudes vorliegt.» Bruno Knecht, Gemeinderat Birmensdorf

«Man klärte während des Prozesses vor Unterzeichnung des Schutzvertrags nicht abschliessend ab, ob überhaupt eine Schutzwürdigkeit des Gebäudes vorliegt.» Bruno Knecht, Gemeinderat Birmensdorf

zvg

Konkreter wird Knecht. So begründet er die Ablehnung des Gemeinderates damit, dass es im Raum Zürich ältere und besser erhaltene Schulhäuser des Winterthurer Architekten Ulrich Baumgartner, der das Brühlmatt I entworfen hat, gebe. Beispielsweise jenes in Rafz. «Zudem klärte man während des Prozesses vor Unterzeichnung des Schutzvertrags nicht abschliessend ab, ob überhaupt eine Schutzwürdigkeit des Gebäudes vorliegt», so Knecht. Die Schulpflege ging diesen Vertrag quasi freiwillig ein, womit sich auch «enorme Mehrkosten für den Steuerzahler bezüglich Sanierung und Betrieb» ergeben würden.

Als «besonders stossend» empfinde der Gemeinderat das vollständige Fehlen einer Abwägung von Alternativen – also keine Unterschutzstellung. «Die Interessen des Gemeinwesens wurden nicht einer Unterschutzstellung gegenübergestellt.»

Bei Raumplanung eingeschränkt

Hinzu kommt, dass auf der jetzigen Sportwiese ein Neubauperimeter eingezeichnet wurde. An dieser Stelle soll es möglich sein, eine neue Sporthalle zu erstellen. «Siedlungs- und raumplanerische Überlegungen wurden bei dieser Entscheidung nicht berücksichtigt oder abgeklärt», so Knecht. So sei die politische Gemeinde, die für die Raumplanung der gesamten Gemeinde verantwortlich zeichnet, nur sporadisch an die Gespräche zwischen der Sekundarschulgemeinde und der kantonalen Denkmalpflege eingeladen gewesen.

Zwar liege es in der Kompetenz der Schulpflege, einen solchen Vertrag abzuschliessen. «Doch sieht sich auch der Gemeinderat in der Verantwortung, auf diese nicht zu Ende geführten Verhandlungen hinzuweisen und darauf zu bestehen, diese wieder aufzunehmen», so Knecht.

Die schriftliche Stellungnahme muss beim Amt für Raumentwicklung abgegeben werden. Dieses kann sie entweder nicht berücksichtigen oder einen runden Tisch einberufen. «Dies wird zu 99 Prozent so geschehen», sagt Knecht. Denn lehne das Amt die Beschwerde ab, habe man die Möglichkeit eines Rekurses.

Ruth Hofstetter-Kümmerli, Präsidentin der Sekundarschulpflege, sagt auf Anfrage, sie benötigte mehr Zeit für eine Stellungnahme. Zumal ihr der negative Entscheid der ZPL und des Gemeinderates noch nicht vorliege. Auch die Fachleute der Baudirektion sind erst kommende Woche wieder erreichbar und zu einer Stellungnahme bereit.