Oberengstringen

Nach überstandener Coronakrise: Sie machen Schnitt um Schnitt Kinderträume wahr

Hoffen, dass ganz viel Geld für die Kinder zusammenkommt: Die neue Inhaberin Bettina Felder (links) und die ehemalige Besitzerin Uschi Huwiler im Salon Löckli in Oberengstringen.

Hoffen, dass ganz viel Geld für die Kinder zusammenkommt: Die neue Inhaberin Bettina Felder (links) und die ehemalige Besitzerin Uschi Huwiler im Salon Löckli in Oberengstringen.

Bettina Felder und Uschi Huwiler vom Coiffeursalon Löckli in Oberengstringen spenden fünf Prozent ihres Juliumsatzes an die Stiftung Kinderhilfe Sternschnuppe.

Normalerweise bleibt der Coiffeursalon Löckli in Oberengstringen am Montag geschlossen. Doch seit der Wiedereröffnung der Coiffeurgeschäfte am 27. April bedient Inhaberin Bettina Felder ihre Kundinnen und Kunden durchgehend von Montag bis Samstag. «Ich hatte sechs Wochen Zwangsferien, das war genug», sagt Felder und lacht. Sie sei dankbar, dass sie wieder arbeiten könne. So sehr, dass die 50-Jährige nun Schwächeren etwas Gutes tun will.

Felder wird fünf Prozent ihres Monatsumsatzes im Juli an die Stiftung Kinderhilfe Sternschnuppe spenden. «Während des Lockdowns habe ich oft an beeinträchtigte und kranke Kinder gedacht, die in der Krise noch mehr leiden mussten, weil deren Familien sie im Spital oder Heim nicht besuchen durften. Ich will ihnen damit eine Freude bereiten», sagt Felder. Die Stiftung Kinderhilfe Sternschnuppe erfüllt Kindern und Jugendlichen Herzenswünsche. Das kann zum Beispiel ein Treffen mit einem Fussballstar, ein Heissluftballonflug oder ein Besuch im Zoo sein.

Felder rechnet damit, dass etwa 500 bis 600 Franken zusammenkommen werden. «Zudem werden wir unser ganzes Trinkgeld im Juli ebenso spenden.» Kunden könnten überdies auch noch einen Zustupf geben. Die Coiffeurmeisterin zeigt auf ein Sparschwein in Form einer violetten Dinosaurier-Figur, die auf dem Empfangstresen steht. «Es wäre wirklich schön, wenn wir möglichst viel Geld sammeln und damit ein paar Kinderträume wahr werden lassen könnten», sagt Felder.

Die ehemalige Inhaberin arbeitet weiter im Salon

Unterstützt wird Felder von Uschi Huwiler. Die 71-Jährige führte den Laden 48 Jahre lang und übergab ihn Felder Anfang Januar. Bis Ende Jahr ist Huwiler noch im Coiffeursalon Löckli zugegen. «Ich verabschiede mich so Stück für Stück von meinen Kundinnen und Kunden», sagt Huwiler. Mit ihrer Nachfolgerin ist sie zufrieden. «Es bedeutet mir viel, dass Bettina das Geschäft in meinem Sinne weiterführt. Es gab Interessenten, die den Laden in einen Barbershop verwandeln wollten. Doch das hätte ich nicht übers Herz gebracht», sagt die Geroldswilerin. Für beide Frauen ist diese Lösung ideal.

Abgemacht ist, dass Huwiler auch nach 2020 einspringen wird, wenn der Kundenansturm besonders gross ist. Gleichzeitig hat Huwiler dann mehr Zeit für ihre Leidenschaft, die Acrylmalerei. «Mit drei befreundeten Künstlern baue ich gerade eine alte Scheune in Geroldswil in ein Atelier um, in dem wir unsere Kunst künftig auch ausstellen wollen», erzählt Huwiler. Mit der Übernahme des Geschäfts geht für Felder ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Sie wollte sich schon seit längerer Zeit selbstständig machen, doch fand einfach nicht das richtige Lokal dazu. «Als ich sah, dass dieser Salon direkt vor meiner Haustüre in Oberengstringen zum Verkauf ausgeschrieben ist, habe ich mich sofort bei Uschi gemeldet.»

Das Landkind wollte raus aus der Stadt

Felder arbeitete mehrere Jahre in Zürich am Rennweg. «Das Team und die Kundschaft waren super, doch die Umgebung und die Hektik waren nicht meine Welt. Ich bin ein Landkind und wollte wieder raus aus der Stadt», sagt Felder, die in Kirchberg im Tirol nahe Kitzbühel geboren und aufgewachsen ist. Eine Saisonstelle führte sie in die Schweiz. «Ich dachte, ich brauche etwas Erfahrung im Ausland. Die Schweiz schien mir nicht so weit weg und bezüglich der Landschaft ähnlich wie meine Heimat», erzählt Felder. Es gefiel ihr so gut, dass sie blieb. Felder verliebte sich in einen Schweizer, zog ins Entlebuch und arbeitete 20 Jahre lang in Willisau.

Den Start in Oberengstringen hätte sich Felder einfacher vorgestellt. Drei Monate nach der Übernahme folgte der Corona-Lockdown. «Doch es kommt gut. Die Kundschaft ist sehr verständnisvoll, was die Maskentragepflicht angeht.» Als der Bundesrat die Wiedereröffnung der Coiffeurgeschäfte bekannt gab, lief bei Felder bereits die Telefonleitung heiss und das E-Mailpostfach füllte sich mit Terminanfragen.

Nach dem holprigen Start läuft es nun rund

«Für viele war es ein grosses Bedürfnis, wieder bei uns vorbeizukommen. Ich war überglücklich. Dank des grossen Andrangs konnten wir den verlorenen Umsatz wettmachen», sagt Felder. Dies ermögliche es ihnen nun auch, einen Beitrag zu leisten, um Herzenswünsche von Kindern zu erfüllen. Felder ist trotz holprigem Start im Coiffeursalon Löckli angekommen. «Ich liebe diesen Laden. Mein Ziel ist es, die nächsten 20 Jahre hier zu arbeiten und mich um die Kundschaft zu kümmern.»

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