Der Beschluss der reformierten Kirchgemeindeversammlung von Weiningen vom letzten August hat keinen Bestand: Ob ein Projekt für den Bau von rund 30 Alterswohnungen auf dem Areal des alten Pfarrhauses in Unterengstringen erarbeitet werden soll, muss an einer Urnenabstimmung entschieden werden, wie die Kirchenpflege von Weiningen mitteilt.

Die Bezirkskirchenpflege hat gemäss dieser Mitteilung ein Stimmrechtsbegehren eines Bürgers gutgeheissen. Dieser hatte bereits an der Versammlung im August 2018, als ein Projektierungskredit über 180 000 Franken mit 46 zu 36 Stimmen genehmigt wurde, nachträglich eine Urnenabstimmung verlangt.

Über diesen Antrag wurde aber an der Kirchgemeindeversammlung nicht befunden. Nach dem neuen Gemeindegesetz sei es aber möglich, auch nach einer erfolgten Abstimmung an einer Versammlung noch eine Urnenabstimmung zu fordern, heisst es in der Mitteilung der Kirchgemeinde Weiningen: «Die Bezirkskirchenpflege hat daher für diesen Projekierungskredit nun eine Urnenabstimmung angeordnet.»

Die reformierte Kirchenpflege von Weiningen hat diesen Entscheid zu Kenntnis genommen. Sie verzichtet darauf, dagegen einen Rekurs einzulegen, wie sie in einer Medienmitteilung schreibt. Die Kirchenpflege wird nun «in den nächsten Wochen das weitere Vorgehen klären».

Viele Optionen hat die Kirchenpflege dabei nicht, wie Präsident Simon Plüer sagt. Hält sie an ihrem Projekt fest, muss sie den 180 000-Franken-Kredit an die Urne bringen. Der nächstmögliche Termin dafür wäre im Herbst. Sie könnte aber auch ihr Vorhaben ganz aufgeben – oder zumindest völlig neu aufgleisen. «Grundsätzlich halten wir unseren Plan aber nach wie vor für den besten Weg», sagt Plüer. Wie es nun aber genau weitergehen soll, darüber wird er an der Rechnungs-Gemeindeversammlung im Juni informieren.

Nutzung statt Verkauf

Die Kirchgemeinde Weiningen, zu der auch Unterengstringen, Geroldswil und Oetwil gehören, hat für das alte Pfarrhaus in Unterengstringen keine Verwendung mehr. In ihrer Liegenschaftenstrategie hat sie festgehalten, dass keine weiteren Grundstücke verkauft werden sollen. Sie sollen vielmehr dazu genutzt werden, langfristig Einnahmen zu generieren.
Die Kirchenpflege will das über 100 Jahre alte Pfarrhaus deshalb abbrechen und auf dem 2900 Quadratmeter grossen Land insbesondere Alterswohnungen erstellen. Mit dem beantragten Kredit sollte ein mögliches Projekt erarbeitet werden, das den Kirchenmitgliedern konkret aufzeigt, was auf dem Land entstehen könnte. Zudem sollte so die Frage beantwortet werden, ob die Kirchgemeinde das Projekt, das auf mehrere Millionen Franken veranschlagt ist, selber stemmen oder ob sie das Grundstück im Baurecht abgeben will.

Dass die letztere Frage erst später geklärt werden soll, hatte an der Versammlung im August für kritische Voten gesorgt. Angesichts des «grossen Brockens» sei klar, dass dieser nicht von der Gemeinde realisiert werden könne, weshalb auch nicht Geld für eine Planung in die Hand genommen werden sollte. Eine Mehrheit sprach sich aber dafür aus, dass zunächst einmal ein Projekt ausgearbeitet werden soll, welches die Möglichkeiten für das Pfarrhaus-Areal aufzeigt. Nun müssen die Mitglieder der Kirchgemeinde Weiningen, sofern sich die Kirchenpflege nicht für eine andere Variante entscheidet, über den Projektierungskredit über 180 000 Franken an der Urne befinden.

Das Projekt verzögere sich damit um ein weiteres halbes Jahr, sagt Simon Plüer. Die Zeit dränge zwar nicht, da bei den Alterswohnungen kein fixer Termin einzuhalten sei. Aber das Pfarrhaus, das seit langem nicht mehr umfassend saniert worden sei, werde immer älter. «Deshalb haben wir nun schon verschiedene Reparaturen vornehmen müssen – das sind Kosten, die nicht sein müssten.»