Energie

Nach St. Galler Vorbild: Zürcher Kantonsrat für Stromprojekt mit Blockchain-Technologie

Vielversprechendes Energiekonzept: Produziert eine Anlage mehr als für den Eigengebrauch notwendig ist, wird der Strom an die Nachbarn verkauft. (Symbolbild)

Vielversprechendes Energiekonzept: Produziert eine Anlage mehr als für den Eigengebrauch notwendig ist, wird der Strom an die Nachbarn verkauft. (Symbolbild)

Solarstrom aus dem Quartier statt vom Elektrizitätswerk: Der Zürcher Kantonsrat hat am Montag ein GLP-Postulat überwiesen, das ein Pilotprojekt für eine blockchain-basierte Strombörse anstossen will. Das Vorbild dafür läuft bereits seit Februar im Kanton St. Gallen.

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Schwemmiwegs in Walenstadt SG sind Pioniere: Dort läuft seit Februar das Projekt "Quartierstrom", bei dem 30 Haushalte ihren selbst produzierten Solarstrom vom eigenen Dach über eine lokale Strombörse handeln.

Produziert eine Anlage mehr als für den Eigengebrauch notwendig ist, wird der Strom an die Nachbarn verkauft. Dafür sind alle Haushalte permanent über intelligente Stromzähler, so genannte Smart Meter, miteinander verbunden. Die Smart Meter wiederum stehen mit der Blockchain in Verbindung, welche den Stromhandel abwickelt.

Weniger Energieverbrauch als Bitcoins

Eine Mehrheit des Zürcher Kantonsrats will mitziehen und die Blockchain-Technologie für einen lokalen Strommarkt ebenfalls prüfen. "Es ist wichtig, dass man sich mit diesen Entwicklungen vertraut macht", sagte Ruth Ackermann (CVP, Zürich). Gleicher Meinung war die EVP. "Blockchain könnte die Nutzung von erneuerbaren Energien begünstigen", sagte Daniel Sommer (Affoltern am Albis).

Mehrere Parlamentarierinnen und Parlamentarier gaben allerdings zu bedenken, dass die Blockchain-Technologie selber ja immens Energie verbrauche - was die Vorteile erheblich schmälern würde.

Mit-Initiant Jörg Mäder (GLP, Opfikon) klärte seine Kolleginnen und Kollegen aber dahingehend auf, dass der immense Verbrauch nur für Kryptowährungen wie Bitcoins zutreffe. Andere Blockchain- Anwendungen würden viel weniger Energie benötigen.

«Ein Schritt in Richtung Energiewende»

Der Grüne Baudirektor Martin Neukom wird nun in einem Bericht die Möglichkeiten für ein solches Projekt im Kanton Zürich aufzeigen. "Es ist ein Schritt in Richtung Energiewende", sagte er. So könne die dezentrale Produktion vereinfacht werden. "Der Endkunde merkt gar nicht, dass im Hintergrund eine Blockchain aktiv ist."

Der Vorstoss wurde schliesslich mit 125 Ja- zu 42 Nein-Stimmen bei 2 Enthaltungen an den Regierungsrat überwiesen. Dagegen waren einzig SVP und EDU. Blockchain sei etwas für Hochschulen, nicht für die kantonale Verwaltung, sagte Orlando Wyss (SVP, Dübendorf).

Sein Parteikollege Hans-Peter Amrein (Küsnacht) wiederum glaubte den Darstellungen über den vergleichsweise tiefen Energieverbrauch einer Stromhandels-Blockchain nicht. Das sei sicher so energieintensiv, da brauche es gleich ein neues AKW, um den Stromverbrauch zu decken.

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