Schlieren

Nach dem Stadtsaal-Nein: Nun sind Alternativen gefragt

Die Aula des Schulhauses Reitmen bietet für die Harmonie Schlieren nicht genug Platz – das Gemeindeparlament hielt hier im Februar seine erste Sitzung ab.

Die Aula des Schulhauses Reitmen bietet für die Harmonie Schlieren nicht genug Platz – das Gemeindeparlament hielt hier im Februar seine erste Sitzung ab.

Nachdem die Stimmbürger der Stadtsaal-Planung den Riegel schoben, sucht man nun Alternativen. Dabei werden unter anderen die Sporthalle Unterrohr, der Eventsaal der ehemaligen NZZ-Druckerei oder das neue Pfarreizentrum genannt.

Die Stimmung am Sonntagnachmittag im alten Schulhaus, wo sich die Befürworter des Stadtsaals trafen, war nach der Niederlage gedrückt. Gut 58 Prozent der Stimmbürger sprachen sich gegen den Kredit von 890'000 Franken für die Ausrichtung eines Stadtsaal-Architekturwettbewerbs aus. «Wir müssen kreativ sein und Lösungen suchen», sagte Liegenschafts- und Finanzvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) nach Bekanntgabe des Resultats. Wie können solche kreativen Lösungen aussehen? Die Raumknappheit, unter der die städtischen Vereine leiden, ist nach wie vor nicht gelindert.

Der Dienstbarkeitsvertrag mit den Besitzern des traditionsreichen Salmensaals lief Ende 2017 aus. Seither tagt das Schlieremer Parlament in der Aula des Schulhauses Reitmen. Dort fand Anfang Februar auch ein Konzert der Stadtjugendmusik Schlieren statt. Der Raum bietet Platz für rund 200 Zuschauer, in den Salmensaal passen rund 500 Personen. Der Stadtsaal-Neubau hätte Veranstaltungen mit zwischen 600 und 750 Zuschauern ermöglichen sollen.

Verhandlung mit Salmensaal-Eigentümern laufen

Nachdem dieser in absehbarer Zeit nicht realisiert werde, müsse man die Augen und Ohren offen halten für Alternativen, wie Marco Lucchinetti, Präsident der Harmonie Schlieren und von Pro Stadtsaal Schlieren, sagt. So verfügt die ehemalige NZZ-Druckerei über einen Eventsaal und die Sporthalle Unterrohr könnte allenfalls ebenfalls genutzt werden, sagt er. Doch sind ihm auch die Hindernisse bewusst: «Die Halle Unterrohr ist vornehmlich für Sportanlässe nutzbar, zudem leidet in diesem Sportbau die Akustik.» Ob die NZZ-Halle den Bedürfnissen eines Orchesters wie der Harmonie oder dem Stadtorchester gerecht werde, müsse getestet werden.

Laut Lucchinetti laufen Verhandlungen mit den Eigentümern des Salmensaals für eine weitere Nutzung gut. «Doch: Die Zukunft und die Nutzbarkeit des Saals ist unserer Meinung nach ungewiss. Das Schicksal des Salmens liegt in den Händen der Eigentümerschaft», so Lucchinetti.

Pfarrei für kleinere Vereine?

Für kleinere Vereine, die nicht auf einen grossen Saal angewiesen sind, aber wegen der regen Nutzung der Stürmeierhuus-Räumlichkeiten ebenfalls auf den Stadtsaal hofften, könnte es eine Lösung geben. So baut die katholische Kirche Schlieren an der Uitikonerstrasse derzeit ein neues Pfarreizentrum. «Mit der katholischen Kirche wird sicherlich auch Kontakt aufgenommen. Doch wird auch dieser Saal wohl rege genutzt werden», so Lucchinetti.

Neben der Suche nach alternativen Standorten haben die Vereine aber noch eine weitere Option: Selber ein Projekt aus der Taufe zu heben. Beispielhaft wurde dies vor genau 20 Jahren mit der Einweihung der Sporthalle Unterrohr gezeigt. Denn auch dieses Projekt stiess beim Volk anfänglich auf Ablehnung, als 1991 ein Kredit von 25,8 Millionen Franken für eine Sport- und Mehrzweckhalle mit nur 64 Stimmen Unterschied scheiterte. Nach einigen Jahren Hin und Her wurde 1996 die Genossenschaft Sporthalle Unterrohr mit 128 Mitgliedern aus Exponenten grosser Vereine wie dem Fussballclub und dem Hockeyclub und Einzelpersonen gegründet. Der damalige Stadtrat und Gründungsmitglied Robert Welti (EVP) erinnert sich, dass man die Vereine in die Verantwortung genommen hat. «Es war eine Bedingung der Stadt, dass sie eine Million Franken aufbringen müssen, was sie schliesslich auch schafften.»

So sieht auch er Parallelen zwischen Mehrzweckhalle und Stadtsaal-Vorlage. «Die Vorlage für eine Sporthalle Unterrohr wurde nach der Abstimmung von knapp 26 auf rund 5 Millionen Franken gestutzt. Dies hat uns zum Erfolg verholfen.» Bei einer Volksabstimmung im Jahr 1997 sprachen sich die Schlieremer eindeutig für ein zinsloses Darlehen von 700'000 Franken sowie einen jährlichen Betriebsbeitrag von 180'000 Franken aus. Zum Erfolg wurde das Projekt jedoch auch, weil die Vereine an einem Strick zogen und sich nicht beirren liessen. Mitte 1998 konnte die Halle schliesslich eingeweiht werden. Und heute? Ist ein solcher Weg nochmals möglich? «Möglich schon. Aber: damals stimmte alles und wir hatten wohl auch ein wenig Glück», so Welti.

Bäume sind bereits finanziert

«Ob unser Verein Pro Stadtsaal Schlieren nun gleich weitermacht oder erst eine Pause einlegt, ist offen», sagt Lucchinetti. Dass mit dem wuchtigen Nein der Stimmbürger von Sonntag das Projekt ganz begraben ist, hofft er nicht. «Unsere Vereine hatten im Zug dieser Abstimmung starken Zulauf und ohne den Stadtsaal ist das Zentrum einfach noch nicht fertig gebaut.» Er hoffe, dass das Stadtzentrum nicht zum neuen Schandfleck Schlierens werde – dies habe die Stadt trotz vergebener historischer Chance nicht verdient.

Bauvorstand Markus Bärtschiger (SP) versucht, das zu verhindern: Im Rahmen der Neugestaltung des Stadtplatzes mit Flügeldach, die derzeit im Bau ist, stellte er auch Geld für die Neugestaltung des Kulturplatzes ein. Neben einigen Bäumen und Veloständern, war auch eine WC-Anlage vorgesehen. All diese Massnahmen sollten gleichzeitig mit dem Stadtsaal umgesetzt werden: «Nun müssen wir diskutieren, wann wir dies realisieren, damit keine Brache im Stadtzentrum entsteht.»

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