Birmensdorf
Nach Brand in Asylheim: «Wir wollen Leute, die sich vertragen»

Nach dem Brand in der Birmensdorfer Asylunterkunft will die Gemeinde personelle Wechsel unter den Asylbewerbern erwirken, um das Konfliktpotenzial zu senken. Dass das kantonale Sozialamt einwilligt, ist unwahrscheinlich.

Florian Niedermann
Merken
Drucken
Teilen
Der ausgebrannte Container (Archiv)

Der ausgebrannte Container (Archiv)

Mit dem Container, der den ausgebrannten Teil der Asylunterkunft ersetzen wird, soll auch die darin untergebrachte Belegschaft ausgewechselt werden. Gemeindepräsident Werner Steiner (SVP) erklärte gegenüber der az Limmattaler Zeitung am Sonntag, dass man darin wenn möglich keine afrikanischen Asylbewerber mehr unterbringen wolle (siehe Ausgabe von gestern).

Gemeindeschreiber Angelo Umberg relativiert diese Aussage: «Es geht uns nicht um einzelne Ethnien. Was wir wollen, ist, dass sich die Leute, die bei uns sind, untereinander vertragen und sich korrekt verhalten.» Eine Möglichkeit, um das Konfliktpotenzial unter den Asylbewerbern zu senken, bestünde gemäss Umberg darin, im neuen Container ausschliesslich Familien einzuquartieren.

Wunsch bleibt wohl unerfüllt

Der Gemeindeschreiber bestätigt denn auch, dass man sich seitens der Gemeinde mit dem kantonalen Sozialamt in Verbindung gesetzt habe. Auf diesem Weg wolle man einen personellen Wechsel unter den Asylbewerbern erwirken oder zumindest erreichen, dass bei Neuzuweisungen konfliktträchtige Konstellationen vermieden werden. Jedoch rechne man sich geringe Chancen auf die Berücksichtigung dieses Wunsches aus, sagt Umberg: «Jetzt, nachdem unser Vorhaben publik geworden ist, wird der Kanton wohl nicht einlenken können. Schliesslich haben 170 andere Gemeinden ähnliche Begehren.»

Steiner und Umberg hielten gestern fest, dass man noch nicht wisse, wie man weiter vorgehen werde, falls der Kanton auf das Ansinnen der Gemeinde nicht eingehe. Die strategischen Besprechungen in dieser Sache würden erst in der Gemeinderatssitzung am Abend stattfinden, erklärte Steiner. Ein weiterer Punkt, der auf der Traktandenliste der gestrigen Sitzung stand, war die Sicherheit im Quartier Reppisch. Gemäss einer Mitteilung auf der Website der Gemeinde zieht der Gemeinderat in Erwägung, eine Wachorganisation im Quartier patrouillieren zu lassen. Ob und in welcher Form dies geschehen wird, konnte Umberg gestern noch nicht sagen.

Bevölkerung ist verunsichert

Dass aus Sicht der Bevölkerung Handlungsbedarf besteht, zeigen Einträge im Gästebuch auf der Gemeindewebsite zu dieser Thematik. So schreibt etwa Hans-Peter Zürcher, Präsident des Quartiervereins Reppisch, dass die Behörden «stets versprochen» hätten, «dass es keine Probleme geben wird». Die Einschätzung des Gemeinderats sei diesbezüglich falsch gewesen. Die Asylsuchenden hätten sehr wohl Probleme verursacht: «In kurzen regelmässigen Abständen sorgen diese für Aufregung (stetige Lärmbelästigungen, Pöbeleien, Diebstähle, Streitereien, Feuer etc.), welche durch stete Polizei- und Feuerwehreinsätze begleitet wird.» Eine andere Anwohnerin äussert sich an selber Stelle besorgt ob der Situation im Quartier Reppisch: «Als Mutter zweier Kinder bin ich sehr verunsichert und fühle mich nicht mehr sicher in unserem kinderreichen Quartier. Die Polizei ist dort mittlerweile Stammgast.»

Cornelia Schuoler, Pressesprecherin der Kantonspolizei, relativiert diese Aussagen: «Die Einsätze hielten sich im Rahmen. Im Verhältnis zu anderen Asylunterkünften war es in Birmensdorf relativ ruhig.» Am Anfang habe es viele Fremdschläfer in der Unterkunft gehabt. Deshalb habe man vermehrt Kontrollen durchgeführt und die betreffenden Personen mit Hausverboten belegt, so Schuoler. Diebstahlsanzeige sei lediglich eine bei der Kantonspolizei eingegangen. Dabei habe es sich um einen Ladendiebstahl gehandelt. Auch hier konnte das Problem über Hausverbote gelöst werden. «Dieses Mittel gibt uns eine Handhabe gegenüber den Asylbewerbern in die Hand. Halten sie sich nicht an das Hausverbot, so erstatten wir Anzeige, was zu einem Verfahren führt», erklärt Schuoler. Zwar seien auch Lärmbelästigungen gemeldet worden, jedoch «hielten sich auch diese Meldungen im Rahmen».

Brandursache noch nicht geklärt

Die Ermittlungen zum Brand, welcher in der Silvesternacht einen Totalschaden am einen Container der Asylunterkunft verursachte, sind noch nicht abgeschlossen. Über die Ursache des Brandes ist man sich bei der Kantonspolizei noch nicht im Klaren, wie Cornelia Schuoler mitteilt. Die Schadensumme wurde durch die Gebäudeversicherung auf 210000 Franken geschätzt.