Zürich

Nach aufwendiger Restauration: Godi Eichenberger fährt mit der Oldtimer-Kutsche ans Sechseläuten

Godi Eichenberger steht am Sonntag und Montag mit seinen beiden Pferden Nadir und Numbi am Zürcher Sechseläuten im Einsatz.

Godi Eichenberger steht am Sonntag und Montag mit seinen beiden Pferden Nadir und Numbi am Zürcher Sechseläuten im Einsatz.

Godi Eichenberger aus Samstagern führt am Sechseläuten die Postkutsche der Zunft Witikon. Das Gefährt aus dem Jahr 1908 wurde im vergangenen Jahr aufwendig renoviert.

Brav und ganz ruhig stehen Nadir und Numbi vor der Kutsche. Sie proben sogleich für ihren grossen Auftritt am Sechseläuten. Liebevoll und vorsichtig streift Godi Eichenberger seinen beiden Freiberger Pferden die Geschirre über, um die Tiere dann vor der Kutsche einzuspannen.

Schon zwölfmal haben Nadir und Numbi die Postkutsche der Zunft Witikon am Sechseläuten gezogen. Sie seien es gewohnt, sagt der Kutscher. Godi Eichenberger selber fährt die Kutsche sogar schon zum 19. Mal dieses Jahr. Und noch immer bereitet ihm das viel Freude und auch einen gewissen Stolz. Die Zunft Witikon hat vor fast 20 Jahren einen neuen Fuhrmann für ihre Postkutsche gesucht, die ein Original aus dem Jahr 1908 ist.

Die Herausforderung für den Kutscher sei zum einen, dass er selber so hoch oben sitze – der Kutscher sitzt auf dieser Kutsche auf dem Dach. Zum andern sei es nicht einfach, einen eisenbereiften Wagen zu fahren. «Nicht viele Kutscher trauen sich das zu», sagt Godi Eichenberger. Der Samstagerer ist mit Pferden aufgewachsen und fährt seit über 30 Jahren Kutschen für Hochzeiten und andere Anlässe.

Keine Nervosität

Doch nicht nur der Kutscher muss gut sein, genauso wichtig sind auch die Pferde. «Obwohl Nadir und Numbi den Umzug langsam gewohnt sind, darf ich sie keine Sekunde aus den Augen lassen», erklärt Eichenberger. Nervös ist der Kutscher nicht vor seinem Auftritt am Kinderumzug am Sonntag wie auch am Hauptumzug am Montag. «Das wäre auch nicht gut. Die Nervosität würde ich durch das Leitseil auf die Pferde übertragen.»

Die Postkutsche gehörte bis vor kurzem dem Zürcher Zentralkomitee des Sechseläutens. Dann kaufte sie die Zunft Witikon. Doch das Gefährt musste wieder in Schuss gebracht werden. Die Verantwortung, dass das 110-jährige Original fachgerecht restauriert wurde, oblag Godi Eichenberger. Er koordinierte die Instandstellung, die rund ein Jahr lang dauerte und zu der viele verschiedene Fachkräfte hinzugezogen wurden.

Aufwendige Restauration

Eichenberger chauffierte die Kutsche mit seinem Traktor von einem Handwerker zum anderen. Morsches und verfaultes Holz am Unterboden sowie verrostete Blechteile auf beiden Vorderseiten wurden entfernt und durch manuell hergestellte ersetzt, die Türen mussten gerichtet werden, neue Lederriemen angefertigt, das Fahrgestell, der Dachrahmen und der Gepäckraum demontiert und repariert werden. «Aufgrund eines Unfalls, der vor meiner Zeit passierte, musste auch der Bock ausgegradet werden», sagt Godi Eichenberger.

Noch viele andere kleinere und grössere Aufgaben an der Postkutsche wurden verrichtet. Unter anderem sind die Vorderräder komplett neu gefertigt, vier neue, eiserne Radreifen wurden erstellt, neue Bremsbeläge montiert und zum Schluss von einem Wädenswiler Handwerker nach Originalvorgaben neu lackiert. Godi Eichenberger freut sich über die gelungene Restaurierung und dass die Kutsche nun in neuem Glanz erstrahlt. Er und seine beiden Pferde Nadir und Numbi sind bereit für die Einsätze am Sechseläuten.

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