Diese Gelegenheit bot sich Unterengstringern schon lange nicht mehr. Erstmals seit 2002 präsentierten sich alle Kandidierenden der bevorstehenden Erneuerungswahlen vom 15. April an einem Wahlpodium der interessierten Bevölkerung. Beim anschliessenden Apéro war der Grundtenor bei Politikern und Zuhörern eindeutig: Auch in vier Jahren soll unbedingt wieder ein Podium durchgeführt werden.

Dass die SVP- und die FDP-Ortspartei die Veranstaltung organisierten, hat auch damit zu tun, dass die Ausgangslage für die Wahlen spannender ist als noch vor vier Jahren: In jeder Behörde kommt es mindestens zu einer Kampfwahl. Am Mittwochabend im Gemeindesaal Büel stellten sich zunächst die sechs Kandidierenden für die fünf Sitze in der Schulpflege den zahlreich erschienenen Stimmbürgern vor. Zur Wahl stellen sich die Bisherigen Beat Fries (parteilos), Marcel Blum (SVP) – der Fries das Schulpräsidium streitig macht –, Martin Amann und Nicole Stadelmann (beide parteilos) sowie die Neuen Giorgia Husistein (SVP) und Katiuscia Melis Bonello (parteilos). Als Moderator führte David Egger, Chefredaktor der Limmattaler Zeitung, durch den Abend.

Herausforderungen bei der Schule

Die Frage nach Wunschressorts zeigte, dass man sich nicht gegenseitig auf die Füsse treten will. Husistein und Melis Bonello sagten, sie würden im Falle einer Wahl niemandem das Ressort wegnehmen wollen, sondern sich als Neue respektvoll ins Team einfügen. Amann wünschte sich, dass alle Bisherigen wiedergewählt werden, um die tolle Arbeit im Team weiterführen zu können. Stadelmann lobte den Zusammenhalt der «überschaubaren und freundlichen» Unterengstringer Schule.

Umstrittener verlief die Diskussion ums Schulpräsidium. «Wenn man die Entwicklung der Schülerzahlen anschaut, wird der Steuerfuss wohl steigen», stellte der aktuelle Schulpräsident Fries in Aussicht. «Natürlich können wir den Steuerfuss halten», erwiderte Herausforderer Blum. Das habe man bei der letzten Rechnung der Schulgemeinde bewiesen, und die neue Einheitsgemeinde trage auch dazu bei. Für beide war klar, dass die Implementation des Lehrplans 21 neben dem Schulhausausbau in den nächsten Jahren zu einer der grössten Herausforderungen wird.

Weniger zu diskutieren hatten die Kandidierenden für die fünf Sitze der Rechnungsprüfungskommission (RPK): Ricardo Zimmermann (parteilos), Pascal Stöckle und Christian Fitz (beide FDP), Rainer Stüssi (SVP) sowie die Parteilosen Urs Attinger und Antje Horvath. «Was mich von allen hier wohl am meisten qualifiziert, ist, dass ich schon 12 Jahre in der RPK bin», sagte der aktuelle Präsident Zimmermann, der einzige Bisherige auf der Liste und alleiniger Anwärter für das RPK-Präsidium. In den letzten zwölf Jahren habe man in der RPK sehr viel Wissen aufgebaut und er wolle mit einem neuen Team weiter darauf aufbauen.

Duell ums Gemeindepräsidium

Bei der Gemeinderatswahl kommt es nur beim Präsidium zur Kampfwahl: Finanzvorstand Marcel Balmer (SVP) und Hochbauvorstand und Vizepräsident Simon Wirth (FDP) wollen beide das Amt des abtretenden René Rey (FDP) übernehmen. Insgesamt stehen für die sechs Sitze je drei SVPler – Markus Nydegger, Gisela Biesuz und Balmer (alle bisher) – und drei FDPler – Wey Te-Glanzmann und Urs Muntwyler (beide neu) sowie Wirth (bisher) – auf der Wahlliste. Die Machtverhältnisse im Gemeinderat werden nicht in dieser Wahl entschieden. Wegen der Anfang Jahr eingeführten Einheitsgemeinde sitzt der Schulpräsident als siebtes Mitglied im Gemeinderat. Deshalb entscheidet das Duell zwischen Fries und Blum, ob die Verteilung von vier SVP- und drei FDP-Mitgliedern sich erstmals seit 2003 ändert.

Tiefbauvorstand Nydegger und Sozialvorsteherin Biesuz betonten, dass sie gerne ihre Dossiers weiterführen wollen. Es warte viel Arbeit in den nächsten vier Jahren. Die Ressortwahl sei kein Wunschkonzert, sagte Muntwyler. Er sei aber lieber «um Menschen als um Zahlen». Jungunternehmer Te-Glanzmann gab an, am liebsten das Sicherheitsressort zu übernehmen.

Viel Lob für René Rey

Die beiden Präsidentschaftskandidaten Wirth und Balmer standen sich vor acht Jahren schon einmal gegenüber, als beide den Tiefbau übernehmen wollten, erzählte der damals unterlegene Balmer in einer Anekdote. «Ich hoffe, es dieses Mal besser zu machen», sagte er, begleitet von Erheiterung aus dem Publikum. Beide lobten die Arbeit des heutigen Gemeindepräsidenten René Rey. «Das sind grosse Fussabdrücke, die man erst mal ausfüllen muss», sagte Wirth. Als aktueller Hochbauvorstand sei ihm wichtig, dass man die vom Bund vorgegebene Verdichtung und Bauzonenausnutzung mit Mass umsetze und die Identität von Unterengstringen erhalten bleibe. Angesprochen auf Verbesserungsmöglichkeiten sagte Balmer, bei der Digitalisierung sehe er Potenzial. Die Verwaltung produziere viel zu viel Papier.

Beim Steuerfuss waren sich beide einig: Der zwischen 2015 und 2017 von 91 auf 100 Prozent gestiegene Gesamtsteuerfuss solle mittelfristig wieder gesenkt werden. Die guten letzten Rechnungen und die gesunkene Sozialhilfequote würden dies ermöglichen, argumentierte Balmer. «Ja, wir haben einen guten Finanzvorstand, das sieht er richtig», entgegnete Wirth. Deshalb sei es schade, wenn Balmer diese Arbeit nicht fortführen könnte, sagte er weiter und löste Erheiterung aus. Ein Punkt war allen Kandidierenden wichtig: Vom hier geborenen Ur-Unterengstringer bis zum begeisterten Neuzuzüger strichen alle ihre Beziehung zur Gemeinde heraus und machten klar, wieso ihnen Unterengstringen besonders am Herzen liegt. Trotz des ambitionierten Zeitplans ging der formelle Teil des Abends nach knapp zwei Stunden mit nur wenig Verspätung zu Ende und die Diskussionen wurden beim Apéro fortgeführt.