Grabfelder
Muslimische Grabfelder: Muslime finden zu Recht Gehör

Das Anliegen der Schliermer Muslime eigene Grabfelder zu erhalten, trifft mit gutem Recht auf offene Ohren. Ganz anders ist die Situation in Dietikon, hier kontert der Stadtrat mit seltsamen Argumentationen.

Jürg Krebs
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Muslimische Grabfelder auf dem Friedhof Zürich Witikon.

Muslimische Grabfelder auf dem Friedhof Zürich Witikon.

Chris Iseli

Der Schlieremer Stadtrat ist bereit, die Einrichtung eines Grabfeldes für Muslime auf dem städtischen Friedhof zu prüfen. Und er will dies in den nächsten sechs Monaten im Zuge der Überarbeitung der Friedhofsverordnung tun. Der Grund: Der muslimische Anteil an der Bevölkerung beträgt über zehn Prozent, nicht wenige sind Schweizer Bürger. Der Stadtrat zeigt mit seinem Vorgehen Mut, denn die Diskussion muslimischer Themen ist seit der Minarettverbotsinitiative vergiftet.

Dietikon argumentiert seltsam

Ganz anders ist die Situation in Dietikon. Noch immer lässt der Stadtrat das Thema aussen vor, obwohl die Zahl der Muslime in Dietikon über zwölf Prozent beträgt. Das Argument: Das Thema werde «nicht direkt aus der Bevölkerung» an den Stadtrat herangetragen. Das ist eine seltsame Argumentation, denn vor vier Jahren erhielt der Stadtrat eine entsprechende Anfrage mit Unterschriftenbögen. Wer mit Muslimen in Dietikon spricht, weiss sehr wohl, dass Grabfelder ein Thema sind. Aber auch die schweizerische Gesellschaft für Minderheiten traf sich 2010 mit dem Stadtrat, um das Thema im Namen der Muslime zu erörtern.

Gute Gründe

Es gibt gute Gründe für muslimische Grabfelder. Hier deren zwei. Erstens: Sie werden verfassungsrechtlich gestützt. Zweitens: Wo, wenn nicht hierzulande, sollen Schweizer muslimischen Glaubens begraben werden? Die Fälle Liestal und Luzern zeigen: Ist ein muslimisches Grabfeld erst einmal eröffnet, kehrt selbst nach emotionaler Debatte schnell Ruhe ein.

Noch ist es in Schlieren nicht so weit. Indem der Stadtrat das Thema aufgreift, zeigt er nicht nur Mut. Er zeigt auch, dass er bereit ist, Verantwortung für eine grosse Minderheit seiner Bevölkerung zu tragen.