Bezirksgericht Dietikon
Musiklehrer missbrauchte siebenjährige Schülerin – zwei Jahre bedingt

Gedächtnislücken liess das Bezirksgericht Dietikon nicht gelten. Dennoch verhängte es eine Bewährungsstrafe für den Ex-Musiklehrer eines Limmattaler Schulhauses. Der Musiklehrer eines Limmattaler Schulhauses hat eine siebenjährige Schülerin sexuell missbraucht und in Asien dennackten Intimbereich von zwei Mädchen fotografiert. VorGericht machte der alkoholabhängige Ex-Pädagoge vergebens Erinnerungslücken geltend.

Attila Szenogrady
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Musiklehrer. (Themenbild)

Musiklehrer. (Themenbild)

Christian Murer

«Fühlen Sie sich zu jungen Mädchen sexuell hingezogen?», lautete die zentrale Frage des Gerichtsvorsitzenden Stephan Aeschbacher am Strafprozess von gestern Donnerstag. «Nein», lautete die Antwort des heute 55-jährigen Musiklehrers. Die Staatsanwaltschaft schilderte allerdings ein anderes Bild über den eingebürgerten Schweizer. Demnach hatte er sich nicht nur der sexuellen Handlungen mit Kindern, sondern auch der verbotenen Pornografie schuldig gemacht.

Die Anklageschrift ging auf den Sommer 2012 zurück. Damals arbeitete der Beschuldigte noch an einer Limmattaler Schule als Musiklehrer und pflegte auch ausserhalb der Schulstunden Kontakt zu Eltern. Auch zu einer Mutter eines Schülers und eines siebenjährigen Mädchens, welche den Pädagogen in der Abwartswohnung wiederholt besuchten.

Pornografie in den Asienferien

Offenbar trank er mit der Mutter Alkohol, bis diese auf einem Stuhl eingeschlafen war. Worauf er sich mit der Tochter ins höher gelegene Musikzimmer begab, um mit dem Kind angeblich Instrumente zu spielen. Stattdessen zog er der Schülerin trotz ihrer Proteste die Hosen und Unterhosen aus. Dann zeichnete er mit einem Kugelschreiber verschiedene Musikinstrumente auf das Opfer. So ein Klavier oder eine Gitarre auf den Oberschenkel und auf den Genitalbereich. Worauf er die Zeichnungen mit seiner Zunge während mehreren Minuten ableckte und somit die Geschädigte sexuell missbrauchte. Laut Anklage kam es insgesamt zu drei Vorfällen.

Nachdem das missbrauchte Mädchen seine Mutter im Herbst 2013 über die Übergriffe unterrichtet hatte, erstattete diese Strafanzeige. Worauf die Polizei den Musiklehrer festnahm und er danach rund zwei Wochen in Untersuchungshaft verbrachte. Bei den Ermittlungen fanden die Fahnder beim Beschuldigten Filmaufnahmen vom August 2013. Damals hatte der Lehrer während seinen Ferien in Thailand die entblössten Geschlechtsteile von zwei sechs bis acht Jahre alten Mädchen gefilmt.

Beschönigend und ausweichend

Vor Gericht hinterliess der Beschuldigte nicht den besten Eindruck. Während er im Verlaufe der Untersuchung seine Übergriffe auch einmal zugegeben hatte, stellte er nun das Mädchen als Lügnerin hin. Das Gericht stufte später sein Verhalten als beschönigend und ausweichend an. Seine früheren und jetzt widerrufenen Zugaben begründete er gegenüber der Dolmetscherin mit seinen mangelhaften Deutschkenntnissen. Zudem machte er wegen seiner Alkoholabhängigkeit Erinnerungslücken geltend. Einzig bei den in Asien hergestellten Pornobildern führt er aus, dass er sich schäme. Eine Erklärung dafür blieb er allerdings schuldig.

Der zuständige Staatsanwalt ging von glaubhaften und detailreichen Schilderungen des Opfers aus und verlangte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 30 Monaten. Zwölf Monate davon sollte der heute arbeitslose Ex-Pädagoge absitzen. Der Verteidiger verlangte dagegen mangels Beweisen einen Freispruch. Im schlimmsten Fall sei eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monate angemessen. Schliesslich sei die Existenz seines Klienten bereits zerstört.

Das Bezirksgericht Dietikon kam zum Schluss zu umfassenden Schuldsprüchen und lastete dem langjährigen Musiklehrer ein zielstrebiges Vorgehen an. «Wir gehen nicht von einer unüberlegten, persönlichkeitsfremden Handlung aus», erklärte Präsident Aeschbacher. Die Darstellungen des Opfers erachtete das Gericht als überzeugend. Mit 24 Monaten bedingt setzten die Richter gerade noch eine Bewährungsstrafe fest und hielten dem Beschuldigten aufgrund seiner angeschlagenen psychischen Verfassung eine gewisse Strafempfindlichkeit zugute. Von einem Berufsverbot sahen die Dietiker Richter ab, verpflichteten ihn aber, der Schülerin ein Schmerzensgeld von 5000 Franken zu bezahlen.