Dietikon
Musikalische Lesung oder szenisches Konzert von Blaubart

Die Musik der Band «Blaubart» wird mit Erzähl- und Inszenierungskünsten zu einem rundum faszinierenden Erlebnis. Musik, Theater, Kunst und Lesung aufeinander und wurden zu einem theatralisch inszenierten, irrwitzigen Spiel.

Simone Siegenthaler (Text und Foto)
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Die vier Künstler bieten auch eine Gesangseinlage.

Die vier Künstler bieten auch eine Gesangseinlage.

Im Biohof Fondli in Dietikon präsentierten das Zürcher Trio «Blaubart» mit Chris Wirth, Manuela Keller und Christian Strässle und der Schauspieler Julius Griesenberg ihre ureigene Version der Geschichte des Käpt’n Blaubär.

Ein in Dämmerlicht getauchter Raum des Biohofs verwandelte sich am Samstagabend in einen Ort herz- und ohrenerweichenden Spektakels. Die Zutaten: drei Musiker mit Klavier, Geige und Klarinette, die ausdrucksvolle Stimme eines vielseitigen Erzählers und ein Hellraumprojektor. Das Resultat: eine witzige und fesselnde Interpretation des Kultbuchs «Die 131⁄2 Leben des Käpt’n Blaubär».

Im dritten Programm der Band, die sowohl Jazz als auch klassische Kammermusik beherrscht, stehen improvisierende Elemente, eigene Kompositionen sowie Musik von Dimitri Schostakowitsch gleichwertig nebeneinander. Währenddessen zitiert Julius Griesenberg aus dem «Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder und Phänomene Zamoniens» und lädt das Publikum ein, in ferne Fantasiewelten einzutauchen.

Perfektes Zusammenspiel

Was mit einer spontanen, die Erzählung vertonenden Improvisation begann, wurde auf dem Biohof zu einem bis ins Detail perfektionierten Zusammenspiel, zu einer gewagten und gelungenen Inszenierung. Eine musikalische Antwort auf eine skurrile Geschichte oder eher eine linguistische Interpretation der Musik? Tatsache ist: Sowohl Musik als auch Erzählung boten viel Raum für Interpretation und Fantasie.

Dem Publikum gefiel es: Die Melancholie der Musik habe ihm von Anfang an imponiert, sagte Besucher Martin Rosatzin. Andere freuten sich über die humoristische Aufzeichnung von Nicht-Irdischem und das Spiel mit abrupten Stimmungswechseln. Auch Erzähler Julian Griesenberg zeigte sich nach dem energiegeladenen Abend zufrieden: «Das Musizieren, ja das Zusammenspiel und die Interaktion mit der Band ist für mich das Schönste an diesem Programm.»