Müll vor Gotteshaus: Jetzt reagieren die Kirchgemeinden

Dietikon Seit kurzem versperren Gitter den Weg zu Treffpunkten in und um die Kirchen, an denen Jugendliche ihreAbfälle liegen gelassen haben.

Gioia Lenggenhager
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Die neuen Gitter um die katholische Kirche St. Agatha in Dietikonversperren den Weg zum Pfarrhaus.

Die neuen Gitter um die katholische Kirche St. Agatha in Dietikonversperren den Weg zum Pfarrhaus.

Gioia Lenggenhager

Die Kirche als Treffpunkt für Jugendliche. Das tönt gut, ist aber im Fall der Dietiker Kirchen ärgerlich. «Nächtliche Gelage» im überdachten Vorraum der reformierten Kirche seien letzten Sommer an der Tagesordnung gewesen, erklärt Alfred Bachmann, der in der reformierten Kirchenpflege für die Liegenschaften verantwortlich ist.

Besonders an Wochenenden sei die Situation prekär gewesen, so Bachmann. «Es wurden Lampen zerschlagen und haufenweise Abfall liegen gelassen. Wir haben auch schon Spritzen in den Vorgärten gefunden», erzählt Bachmann empört. Es habe sich eine «echte Jugendszene» entwickelt, die sich jeweils im Vorraum der Kirche getroffen habe. Weil die Jungen auch in den Nächten von Samstag auf Sonntag «ihre Sauerei» liegen gelassen hätten, musste der Vorraum jeweils gründlich gereinigt werden, bevor die Messebesucher am Sonntag vor der Türe standen. Gefunden wurden Getränke-Dosen, Verpackungen, Zigarettenstummeln, Dönerboxen.

Kontrollen der Polizei und der Securitas hätten nicht viel gebracht – die Jungen liessen sich nicht nachhaltig vertreiben. Auch den Anwohnern seien die «Sauerei und der Lärm in der Nacht auf den Wecker gegangen», so Bachmann.

Parkhaus riecht wie Pissoir

Die katholische Gemeinde kämpfte mit dem gleichen Problem. «Um die Kirche St.Agatha hat es jeweils ausgesehen wie in einem Saustall», sagt Lisa Haberthür, Verantwortliche für die Liegenschaften der katholischen Kirchgemeinde. «Ich finde es bedenklich, wie der öffentliche Raum heute als Abfallhalde benützt wird», sagt sie. Der Sakristan habe die Nase voll davon, am Sonntagmorgen über Häufen von Abfall steigen zu müssen. Und wenn man als Messebesucher sein Auto im Parkhaus abstellen wollte, rieche es wie auf einem Pissoir.

Gitter sollen helfen

Beide Kirchgemeinden sahen sich gezwungen, zu reagieren. Vor der Sankt Agatha versperren darum seit kurzem zwei hüfthohe Gitter den Weg um die Kirche. Das Pfarrhaus bleibt zugänglich.

Auch die reformierte Kirche hat kürzlich ein Eisentor angebracht, das den überdachten Vorraum absperrt. Trotzdem soll die Kirche ein offenes Haus bleiben. Wer beten will, kann wie bis anhin von Dienstag bis Samstag zwischen 14 und 17 Uhr durch den südwestlichen Seiteneingang ins Kirchenschiff gelangen.

Ob sich die Gelage und damit das Abfall- und Lärmproblem nicht einfach auf die Plätze vor den Kirchen verlagern, wird sich im Sommer zeigen.