Die 32-jährige Aufseherin Angela Magdici und der 27-jährige Verbrecher Hassan Kiko sind eine moderne Adaption des berühmtesten Verbrecherpaares Bonnie und Clyde. Sie bewegen die Schweiz. Was bisher geschah.

Der Ausbruch: Die 32-jährige Angela Magdici verhalf in der Nacht auf Dienstag, 9.Februar, dem 27-jährigen Vergwaltiger Hassan Kiko zur Flucht aus dem Gefängnis Limmattal in Dietikon. Genau genommen schliesst Magdici die Türen auf, während ihr Kollege auf Nachtschicht schläft. Das bestätigte Rebecca de Silva, Mediensprecherin des Zürcher Amts für Justizvollzug. Nun wird diskutiert, ob die Sicherheitsvorkehrungen ausreichen.

Die Vermutung der Fahnder stellte sich Tage später als richtig heraus: Das Duo floh in Angela Magdicis schwarzem BMW X1 mit dem Kennzeichen ZH 528 411. Wohin die beiden wollen, ist nicht klar. Von der Zürcher Justizdirektion bestätigt ist, dass die beiden die Grenze zu Italien passiert haben. Eine sogenannte intelligente Kamera hat das Autokennzeichen registriert.

Aufgelöst: V. Magdici gibt Tele M1 am Dienstagabend dieses Interview, will aber anonym bleiben.

Aufgelöst: V. Magdici gibt Tele M1 am Dienstagabend dieses Interview, will aber anonym bleiben.

Magdicis Ehemann vermutet, dass sie nach Syrien, ins Heimatland von Kiko wollen. Dem widerspricht Angela Magdicis Stifvater: «Ob seine Aussagen stimmen, wissen wir nicht», sagte er gegenüber der «Schweiz am Sonntag». Ein Mithäftling von Kiko glaubt ebenfalls nicht an das Ziel Syrien, wie er dem «Blick» erklärte. Er vermutet Griechenland als Ziel, weil Angela das Land aus den Ferien kenne und die Behörden durch die Flüchtlingskriese abgelenkt seien.

Werden die beiden geschnappt, droht nur Angela Magdici eine Strafe. Der «Tages-Anzeiger» legte dar, dass Ausbruch in der Schweiz nicht unter Strafe steht.

Eine Randnotiz in der Sache: Angela Magdici wurde letzte Woche fristlos gekündigt, wie die Justizdirektion erklärte.

Angela und Hassan - ein Liebespaar? Ob Angela Magdici und Hassan Kiko ein Verhältnis haben, ist offiziell nicht bestätigt. Im Gefängnis Limmattal will man davon nichts mitbekommen haben, wie Gefängnisdirektor Roland Zurkirchen erklärte. Ein Ex-Häftling behauptet aber in der «Blick»-Ausgabe vom Montag, dass jeder im Gefängnis Limmattal gewusst habe, dass Angela und Hassan «etwas hatten».

Das Verhältnis zwischen den beiden soll im letzten August intensiver geworden sein: «Man hat sie tagsüber öfter zusammen gesehen. Er versuchte, sie um den Finger zu wickeln. Er machte auf Opfer. Jammerte über seine Flucht, wie sehr er noch immer leide. Angela fiel voll auf ihn herein», sagt C. G. «Wir wussten alle, dass die beiden etwas zusammen haben», so der Ex-Häftling zu «Blick».

Hassan Kiko: Der 27-Jährige kam 2010 in die Schweiz. 2014 vergewaltigte er ein knapp 16-jähriges Mädchen. Bereits zuvor hatte er eine 19-Jährige zu Oralsex gezwungen und gemäss «20Minuten» eine weitere ähnlich sexuell genötigt. Als Täter verliert Kiko sein Aufenthaltsrecht und das Recht auf Sozialhilfe, allerdings nicht jenes für Nothilfe. Eine Ausschaffung würde wegen der Lage in Syrien aufgeschoben.

Der Ehemann: Angela Magdici und ihr Ehemann V. leben seit drei Monaten getrennt. Angela, die in Wohlen aufgewachsen ist und dort Kickboxen trainierte, wohnte zuletzt bei einer Arbeitskollegin im zürcherischen Oberglatt. Dort führte die Staatsanwaltschaft noch am Dienstag, dem Tag des Ausbruchs, eine Hausdurchsuchung durch, wie die leitende Staatsanwältin Claudia Wiederkehr bestätigte. Freigestellt wurde die Zürcher Aufseherin aber nicht.

Ehemann V. und Angela Magdici hatten sich anlässlich einer Thaibox-Veranstaltung kennengelernt und 2014 geheiratet. Ende letzten Jahres kam es bereits zum Bruch: «Sie zog aus, als ich nicht zu Hause war», erklärte V. gegenüber dem TV-Sender TeleM1.

V. vermutete bereits damals, dass ein anderer Mann im Spiel war. «Einmal kam ein SMS auf Arabisch und die beste Freundin von Angela sollte dieses so schnell wie möglich übersetzen», ergänzt V. gegenüber «20Minuten».

V. erinnert sich weiter, dass Angela vor Monaten, als ein Dokumentarfilm über den Syrien-Konflikt im Fernsehen lief, sehr aufmerksam zuschaute und gar nicht mehr ins Bett wollte.

Dem widerspricht der Ehemann von Angela Magdicis Arbeitskollegin. «Was er in den Medien gesagt hat, ist alles gelogen», sagte er gegenüber dem «Blick». Angela habe sich nie für den Islam interessiert: «Sie war Buddhistin.»

Angelas Eltern: Die Situation belastet Angela Magdicis Mutter und deren Partner, Angelas Stiefvater Walter Minder, enrom. Beide wohnen in Wohlen. «Warum haben wir nichts gemerkt?», fragt er rhethorisch im Interview mit «TeleM1» am Montag. Und weiter sagt Minder: «Ich glaube nicht, dass sie nach Syrien sind.» Er hofft, dass die Tochter ihren Fehler einsieht und sich der Polizei stellt.

Stiefvater zu Ausbrecher-Duo

Stiefvater zu Ausbrecher-Duo

Zum ersten Mal redet der Stiefvater von Angela Magdici, der in Wohlen lebt. Nach eigener Aussage glaubt er jedoch nicht, dass die beiden auf dem Weg nach Syrien sind. Die Ungewissheit belastet ihn sehr.

Die Ermittlungen der Fahnder: Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Bekannt sind die Razzia bei Angela Magdicis Bekannter in Oberglatt und der Grenzübertritt nach Italien. Noch in der Schweiz haben die beiden über die Kreditkarte von Angela Magdici eingekauft.

Angela Magdici und Hassan Kiko sind international zur Haft ausgeschrieben. Es wird nicht nur nach dem flüchtigen Paar gefahndet, genau untersucht werden auch die genauen Umstände des Ausbruchs.