Fussball
Mit Überraschungsmann im Tor: Birmensdorf fegt Morava vom Platz

Beim 6:0-Sieg gegen Morava gewinnt der Tabellenführer FCB zum ersten Mal zu null in der Rückrunde. Dies auch dank Michi Angstmann, der unvorhergesehen zwischen den Pfosten steht. Verfolger Oetwil-Geroldswil spiet nicht, weil der Gegner nicht will.

Raphael Biermayr
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Comeback-Torhüter Michael Angstmann (hinten) mit Remy Madörin.

Comeback-Torhüter Michael Angstmann (hinten) mit Remy Madörin.

bier

Was hatte Abdülhamid Sehsuvar eingeworfen? Diese Frage stellte sich nach einem flüchtigen Blick auf das Einschiessen der Birmensdorfer. Der Torhüter hatte im Vergleich zur Vorwoche eine bemerkenswert breite Brust bekommen.

Kuriose Spielabsage in Geroldswil

Lange Gesichter gab es gestern beim FC Oetwil-Geroldswil. Vor der Begegnung mit Industrie Turicum fehlte vom vorgesehenen Schiedsrichter Roger Bättig jede Spur auf der Sportanlage Werd. FCOG-Trainer Roger Balmer handelte danach wie in entsprechenden Weisungen geheissen und wendete sich nach erfolgloser Kontaktaufnahme mit Bättig an die Pikett-Schiedsrichterstelle des Zürcher Fussballverbands in Schlieren. Dort bot man in der Person von
Juri Barth einen Ersatzmann auf.

Der fuhr – bereits umgezogen – von Elgg nach Geroldswil, wo er auf nur noch eine Mannschaft traf, die zum Spiel antreten wollte: «Von der Seite von Industrie hiess es, dass ein Spieler nicht länger bleiben könne, weil er zu einer Hochzeit müsse, ein anderer werde noch bei den A-Junioren gebraucht», schildert Roger Balmer. Schliesslich bestand Schiedsrichter Barths Einsatz aus dem Ausfüllen eines Rapports, wofür er mit 120 Franken grosszügig entschädigt wurde.

Die Angelegenheit liegt nun zur Beurteilung beim Verband. Es geht um die Frage, wie viel später die Partie begonnen hätte, denn danach richtet sich die Erlaubnis für ein Team, nicht mehr anzutreten. Hat Industrie rechtens gehandelt, wird das Spiel neu angesetzt, wohl am kommenden Donnerstag. Für den FCOG ist das ärgerlich. Nach einigen englischen Wochen zuletzt hat er sich für die Schlussphase im Aufstiegsrennen keine weitere gewünscht.

Ein zweiter Blick löste die Frage auf, und stellte eine weitere: Zwischen den Pfosten stand Michi Angstmann – erstmals in der laufenden Saison. Eine grosse Überraschung – was machte er hier? Angstmann war zwar im vergangenen Sommer nach Birmensdorf gewechselt. Doch nach seiner Quasi-Absetzung in Schlieren – der Aufsteiger holte als Nummer eins Markus Würsten aus Birmensdorf – war er nie im Training.

Ein Training diese Saison

Dann sagte er offen, dass er nicht mehr spielen will, was er unlängst bestätigte, als er sich ein Match von Oetwil-Geroldswil anschaute, wo sein Bruder Stefan spielt.
Nun kam Angstmann auf seinen Entscheid zurück.

Der Grund dafür war die Ferienabsenz von Sehsuvar, respektive die Alternativlosigkeit infolge derer. Er machte das Abschlusstraining am Donnerstag mit und stand gegen Morava im Tor. «Das war eine einmalige Sache!», sagte Angstmann nach der Partie bestimmt.

An der Leistung oder am Resultat konnte es nicht gelegen haben, dass der 30-Jährige nicht mehr einsteigen will. Der Tabellenführer Birmensdorf gewann gegen die Vierten mit 6:0.

Nach einer von beiden Teams fürchterlichen ersten Halbzeit führten die Limmattaler erst mit 1:0 – auch weil Adnan Mustafi eine Riesenchance ausliess.

Petrovics Dreierpack

Nach dem Seitenwechsel fanden sie immer besser ins Spiel und fegten den überforderten Gegner weg. So weit, so normal für die Kinderspiel-reiche Rückrunde der Birmensdorfer. Umso erstaunlicher ist es daher, dass sie bis zur Morava-Partie nie ohne Gegentreffer waren im neuen Jahr. Angstmanns Anteil daran war überschaubar, weil die Serben mehr mit Kritik am Schiedsrichter als mit ihrem Spiel beschäftigt waren.

Doch als es ihn brauchte, war Angstmann auf dem Posten. Darüber hinaus half ihm einmal der Pfosten (40.). Der FCB hatte Glück, dass sein erster Treffer zählte. Torschütze Fanka stand bei der Vorlage von De Castro klar im Abseits (35.).

An den weiteren Treffern gab es nichts zu deuteln, Aleksandar Petrovic erzielte deren drei und ist mit total 25 in der Limmattaler Torschützenwertung mit der Schlieremerin Sanja Mijovic gleichgezogen.

Petrovics Teamkollege Adnan Mustafi folgt auf Platz 3 mit 22 Toren, er erzielte gegen die Serben den letzten Treffer der Partie. Zwei Runden vor Schluss liegt Birmensdorf weiterhin einen Verlustpunkt vor Verfolger Oetwil-Geroldswil.

Für Trainer Fabio Stiz ist klar, «dass wir beide Spiele gewinnen müssen, um aufzusteigen.» Er wird bekanntlich nach der Saison aufhören und durch Goran Gasic ersetzt. Sportchef Dani Margreth führt gegenwärtig Gespräche mit den Spielern diesem von Stiz zusammengewürfelten Team, um sie vom Bleiben zu überzeugen.

Bei Fuad Munisi beisst er auf Granit, wie dieser nach der Begegnung mit Morava bekanntgab: «Ich bin nur wegen Fabio hier und lege nächste Saison eine Pause ein.» Munisi war einst als Junior schon Spieler unter Stiz.

Seine Offensivpower – gegen Morava an der Entstehung von drei Toren beteiligt – werden sie in Birmensdorf vermissen. Und die weiblichen Fans werden sich gern an den austrainierten Oberkörper erinnern, den Munisi in der Hitze gern zur Schau stellte. Würde er nächste Woche im Tor stehen, könnte man ihn auf den ersten Blick mit Michi Angstmann verwechseln.