Ein Drache hat Halsweh, weil er zu viel Feuer gespuckt hat, und ein Biber hat sich beim Sturz vom Balkon den Schwanz gebrochen. Den Patienten muss dringend geholfen werden, mit den besorgten Besitzern als Assistenzärzten – den Kindergärtlern.

Gemeinsam mit Medizinstudenten verarzten sie im Teddybär-Spital Zürich ihre Plüschtiere und verlieren so spielerisch die Angst vor den Weisskitteln.

Das Projekt wird von der 22-jährigen Anna Wang aus Schlieren, Medizinstudentin im siebten Semester, geleitet.

Heute Abend könnte das «Teddybär Spital» preisgekrönt werden – es ist für den kantonalen Jugendprojektwettbewerb «Projekter» nominiert. Ein Preis, der von okaj Zürich und der Stiftung Mercator Schweiz lanciert wurde.

Bürolampe wird zum Röntgengerät

Im Zürcher Kinderspital wurde das Projekt erstmals im Herbst 2011 durchgeführt. Bereits 2010 hatte Wang in Basel am Teddybär-Spital-Pilotprojekt der Swiss Medical Students’ Association mitgearbeitet, gemeinsam mit Medizinstudenten aus der ganzen Schweiz.

«Ich fand das Projekt super», sagt Wang. Als das Kinderspital Zürich anfragte, ob sich auch hier ein Teddybär-Spital realisieren liesse, habe sie zugesagt.

Eine Aufgabe, die viel Zeit und Bastelkönnen in Anspruch nimmt. Denn alles soll so echt aussehen wie möglich. Die Kindergärtler absolvieren mit ihrem Plüschtier und dem Medizinstudenten – dem Dr. Ted – vier Posten; die Anamnese, wo die Diagnose gestellt wird, das Labor, das Röntgen, Wundversorgung oder Gipsen, und zum Schluss die Apotheke und Präventionsposten.

Weil keine echten Geräte verwendet werden können, wird aus einem Deo-Roller ein Stick für die Ultraschalluntersuchung und aus einer Bürolampe ein Röntgenapparat, der Bilder von den durchleuchteten Stofftieren ausspuckt.

«Die Kindergärten liefern uns vorab eine Liste mit den Krankheiten, an denen die Stofftiere leiden», sagt Wang. So können sich die Studenten vorbereiten. Oft würden die Kinder Brüche wählen, oder Hals- und Ohrenweh.

«Wir hatten aber auch viele Schwangerschaften», sagt Wang und erzählt lachend: «Wir haben extrakleine Teddybären besorgt, um die Geburt authentisch darstellen zu können. Und dann kamen die Kinder statt mit schwangeren Teddybären mit schwangeren Schafen daher.»

Beliebt ist das Projekt nicht nur bei den Kindergärten, sondern auch bei den Medizinstudenten. «Wir haben von beiden Seiten sehr viele Anfragen», sagt Wang.

Das Projekt biete den Studenten die Möglichkeit, die Fähigkeiten im Umgang mit Kindern zu üben und zu verbessern, denn jedes Kind sei anders.

«Die Kinder hatten sehr unterschiedliche Hintergründe; manche haben Eltern, die Ärzte sind, und wissen entsprechend viel.» Andere wiederum hätten noch keinerlei Erfahrung im Bereich Medizin gehabt und den Studenten Löcher in den Bauch gefragt.

Schaumgummiblut in der Spritze

«Wir müssen lernen, die Diagnose und die Untersuchung kindgerecht und doch realitätsgetreu zu erklären», sagt Wang. Eine grosse Herausforderung, denn Kinder würden ganz genau aufpassen und nachfragen.

Wang lacht, da komme man schon mal in Erklärungsnotstand. «Dann beispielsweise, wenn ein Kind bemerkt, dass ja gar kein echtes Blut in der Spritze ist, sondern bloss roter Schaumgummi.»

Oder dass der vermeintliche Herzschlag des Plüschtiers doch nur der Finger des Studenten ist, der irgendwo dagegenklopft. «Die Kinder lassen sich nicht täuschen, gerade wenn sie schon Untersuche miterlebt haben.»

Trotz der grossen Nachfrage werde man das Teddybär-Spital nur einmal pro Jahr durchführen können, aus finanziellen und raumtechnischen Gründen.

Die finanzielle Situation könnte sich heute Abend aber verbessern; dann nämlich, wenn das Projekt den Jugendprojektwettbewerb gewinnen würde. Wang: «Das Preisgeld würden wir selbstverständlich in das Projekt investieren.»