«Schwester Hedwig, Silja Walter, hat uns in ihrem literarischen Werk einen reichen Schatz an Texten hinterlassen. Diese Texte sollen weiter brennen und die Herzen berühren», sagte Priorin Irene Gassmann in ihrer Begrüssung. 

60 Besucher sind zum Gottesdienst in der Kirche des Klosters Fahr und zur Vorstellung des neu erschienenen Buches von Silja Walter gekommen. Das Werk trägt den Titel «Lauter Licht – Ein Fasten- und Osterbegleiter».

Die 2011 verstorbene Silja Walter lebte ab 1948 als Schwester Hedwig im Kloster Fahr und hinterliess ein umfangreiches literarisches Werk, das von Ulrike Wolitz herausgegeben wird. Bereits erschienene, aber auch noch unveröffentlichte Texte hat Wolitz nun zu einem Fasten- und Osterbegleiter zusammengestellt.

Ab Aschermittwoch beginne die Fastenzeit und diese ende nach knapp sieben Wochen an Ostern. Von Ostern bis Pfingsten seien es weitere sieben Wochen, erklärte Wolitz in ihrer Rede. Für jeden Tag ab Aschermittwoch bis Pfingsten hat Wolitz einen Text von Silja Walter ausgewählt. Insgesamt ergibt dies knapp 100 Texte für rund 100 Tage.

Silja Walter (1919 bis 2011)

Silja Walter (1919 bis 2011)

Der Fasten- und Osterbegleiter versuche, die 100 Tage des Kirchenjahrs mit seiner dunklen Fastenzeit und seiner hellen Oster- und Pfingstzeit nachzuempfinden und stehe symbolisch fürs Leben, in dem leidvolle wie lichtvolle Zeiten herrschen, so Wolitz.

In dunklen Zeiten hilft es besonders, wenn man die Hoffnung nicht verliert. So findet Wolitz das österliche Moment in Silja Walters Werk beispielhaft in der Zeile «in allen Dingen schläft und wartet noch eingefroren ein Halleluja» ausgedrückt.

Gotteserfahrungen

Für die Priorin sind Walters Texte ausserdem reiche Bilder von Gotteserfahrung, die zu freien Assoziationen einladen. So inspirierten ihre Texte den Benediktiner und Organisten Pater Theo Flury zur Vertonung und zu Kompositionen.

Einige davon spielte der Pater an diesem literarischen Gottesdienst. Die Musik spiegelte dabei Aspekte von Passion und Leiden, von geduldigem Warten, von der Suche nach Herrlichkeit, aber auch immer wieder von Durchbrüchen des Lichts. Die Orgel begleitete auch die Schwestern, die Gedichte wie «Kreuz des Herrn» oder «Auferstanden» aus dem Fasten- und Osterbegleiter sangen. Dazwischen las Wolitz daraus auch Gedichten wie «So geh doch geh» oder «Ich habe den Himmel gegessen».

Der literarische Gottesdienst kam gut an. «Die Lesung war sehr schön. Silja Walters Texte sind sehr tiefgründig und anspruchsvoll», meinte die Zürcherin Beatrice Herzog. Und weiter: «Die musikalische Untermalung gab ihren Texten Raum und liess sie wirken.» Vor Ort war auch Hanspeter Lembeck, Lektor des Paulus Verlags, der das Buch «Lauter Licht» herausgibt. «Gerade in einer Zeit von Kriegen, Anschlägen und Unruhen ist es wichtig, dass die Menschen Brücken bauen zwischen Generationen, Kulturen und Religionen und damit lauter Licht sind», erklärte Lembeck die Bedeutung, die ein solches Buch auch haben kann.