Die Anklage wirft einem im Bezirk Bülach wohnhaften Tierpfleger vor, einen Vogel gequält zu haben. Konkret soll der Beschuldigte einem wilden Sperberweibchen mit einer Schere die Federn am rechten Flügel abgeschnitten haben. Dies hatte zur Folge, dass der Vogel nicht mehr fliegen und damit auch nicht mehr jagen konnte. Zudem hätte das Tier keine Chance gehabt, vor seinen Fressfeinden zu flüchten. In der Anklageschrift heisst es: «Das Sperberweibchen wäre verendet, wäre es nicht von Passanten gefunden und eingefangen worden.» Die Flügel wären erst sieben Monate später, im Rahmen der nächsten Mauser, wieder nachgewachsen. Als Mauser bezeichnet man das regelmässige Abwerfen und Neuwachstum der Vogelfedern. Denn die Federn nutzen sich ab und müssen immer wieder nachwachsen.

Weiter habe der 48-jährige Beschuldigte in seiner Voliere ein Rohrammerweibchen, welches eigentlich ein Wildtier ist, gefangen gehalten. «Er verfügte über keine entsprechende Bewilligung», heisst es in der Anklageschrift. Dadurch habe er gegen das Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wild lebender Säugetiere und Vögel verstossen. Dort heisst es in Artikel 17 unter anderem: «Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe wird bestraft, wer vorsätzlich und ohne Berechtigung Tiere jagdbarer und geschützter Arten jagt oder tötet sowie Tiere geschützter Arten einfängt, gefangen hält oder sich aneignet.»

Am kommenden Mittwoch muss sich der Schweizer vor dem Bezirksgericht Bülach verantworten. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von acht Monaten, und zwar unbedingt. Der Grund: Der Beschuldigte ist vorbestraft. Wieso, ist in der Anklage nicht ersichtlich. Klar ist: Gegen ihn lag bereits 2017 ein Strafbefehl vor. Damals kam er mit einer bedingten Geldstrafe von 18'000 Franken unter Ansetzung einer Probezeit von 5 Jahren davon. Dieser bedingte Strafvollzug soll nun ebenfalls in einen unbedingten umgewandelt werden. Dazu soll der Tierpfleger eine Busse in der Höhe von 1000 Franken bezahlen.

Bereits im Jahr 2017 kam es im Unterland zu einem strafrechtlichen Vorfall mit Vögeln. Ein Taubenzüchter hatte damals eine seiner Tauben mit Gift präpariert, um damit einen Greifvogel zu vergiften. Das Vorhaben scheiterte. Vom Bezirksgericht Bülach ist der Mann wegen Tierquälerei schuldig gesprochen und zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Das Obergericht verschärfte das Strafmass danach nochmals. (fzw)