Seit zwei Jahrzehnten engagiert sich Eva Stucki mit viel Herzblut als Familientherapeutin und Kursleiterin. Menschen aller Altersklassen Selbstbewusstsein und Lebensfreude zu vermitteln, ist ihr erklärtes Ziel. Vor einem Jahr kam ihr die Idee, aus gebrauchten Textilien, eigenständige Mode zu entwickeln.

40 Bananenkisten voller Stoffe

Garderobe, die nicht mehr richtig sass oder an gewissen Stellen unansehnlich geworden war, sowie Textilien jeglicher Art wanderten nicht mehr in die Kleidersammlung, sondern in handliche Bananenkisten. Derzeit stehen 40 Stück davon, liebevoll nach Farben sortiert, im längsseitigen Wandregal ihres hellen Dachboden-Ateliers an der Weissenbrunnenstrasse. Mittelpunkt des Raumes ist eine Schneiderbüste, an welcher die neuen Ausstattungen geboren werden.

Basis sind mitgebrachte, vorzugsweise unifarbene Pullis, an welchen die aus den farblich infrage kommenden Wunderkisten herausgekramten Stoffe mit bunten Stecknadeln befestigt werden. Sodann begutachten die jungen Modeschöpfer ihr neues Unikat-Kleid, bestehend aus Oberteil und Unterteil.

Kinder fühlen sich wie im Paradies

Kinder hätten praktisch immer ein sicheres Händchen für Farben, Formen und Gewebe und liebten es, ihre Kreativität praktisch ausleben zu dürfen. Die meisten fühlten sich hier oben wie im Paradies, erzählt Eva Stucki. Jil hat sich zum mitgebrachten, frühlingsgrünen Pullover einen ausrangierten gelblich-grünen Kissenbezug ausgesucht und studiert, wie dieser am besten zur Geltung kommt. Die Frage ist, längs oder breit, und ab welchem Muster.

Daryl hat in einer Kiste mit weissgrundigen Stoffen ein Schäfliwolken-Motiv gefunden, das sie mit ihrem hellen Shirt kombinieren möchte. Lena steht eher auf knalliges Bunt und wählt zum türkisfarbenen Pulli blauen Samt, welcher von schilfgrünen Stoffstreifen umspielt werden soll. Eva Stucki lenkt die drei Mädchen liebevoll in die richtige Richtung, damit die neue Frühlingskluft zum jeweiligen Typ passt.

Ein bis zwei Tage pro Kleid

Hier oben auf dem Dachboden erlebt die Fantasie richtige Höhenflüge. Krawatten, Vorhänge, Bettwäsche und dergleichen werden zerschnitten und zu einem geschmackvollen Unikat-Kleid zusammengefügt. Wenn die kleinen Designer ihr OK gegeben haben, werden die ausgewählten Stoffe von Eva Stucki zusammengenäht.

Dieser Prozess ist ziemlich aufwändig und dauert einen Tag bei Kinder- und bis zu zwei Tage bei Damenkleidern. Nach einer Anprobe hört Eva Stucki häufig den Satz: «Ich fühle mich in diesem Kleid so wohl, dass ich es am liebsten nie mehr ausziehen würde.»

Im Nebenraum des Dach-Ateliers warten bereits die Modelle für die öffentliche Modeschau vom 25.März im Gemeindesaal Nassenmatt in Aesch. Bis es so weit ist, sitzt Eva Stucki jedoch noch zehn Stunden täglich voller Elan an ihrer Nähmaschine und hofft, dass sich die eigene Lebensfreude auf zukünftige Trägerinnen ihrer Unikat-Kleidern übertragen möge.