Primarschule Geroldswil

Mit Jean-Claude Spillmann geht nach 41 Jahren auch die Schnürlischrift in Pension

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41 Jahre blieb Jean-Claude Spillmann der Primarschule Geroldswil treu. Dann schloss er ein letztes Mal die gelbe Türe hinter sich.

Mit einem wehmütigen Gefühl öffnet Jean-Claude Spillmann die gelbe Tür seines ehemaligen Schulzimmers im Primarschulhaus Huebwies. «Es hat mir hier immer speziell gefallen. Nicht nur, weil die Türe meine Lieblingsfarbe hat», sagt Spillmann, der vor zwei Wochen das letzte Mal als Schulleiter an der Primarschule Oetwil-Geroldswil gearbeitet hat.

Seit gestern ist der 63-Jährige in Pension – nach 41 Jahren. Speziell ins Auge fallen in seinem einstigen Schulzimmer drei Holzmöbel mit spezieller Musterung: Das Lehrerpult und zwei weitere Tische. Spillmann hat sie selbst gebaut. Er habe schon immer gerne gebastelt und gestaltet, sagt er. Das waren auch zwei Gründe, weshalb er – wie er schon als Fünftklässler wusste – Lehrer wurde.

«Enorm gefallen an diesem Beruf hatten mir einfach der grosse Gestaltungsspielraum und dass man sehr aktiv sein konnte», erinnert sich Spillmann zurück. Als «blutiger Anfänger» habe er aber noch keine grossen Zielvorstellungen von seiner Karriere gehabt. «Ich wollte nicht gleich die Welt verändern, sondern musste zuerst lernen, wie der Job überhaupt funktioniert. Dann konnte ich mir Ziele stecken», so Spillmann. Eines hat sein Leben ganz speziell beeinflusst.

Plötzlich bestimmte er alleine

Vor 14 Jahren wurde der Aargauer nämlich zum Schulleiter. «Ich organisierte und führte schon immer gerne», sagt Spillmann. «Ausserdem wollte ich mich beruflich weiterentwickeln und da haben Lehrer ja nicht endlos viele Möglichkeiten», so Spillmann. Zu Beginn sei es schwierig gewesen, als Schulleiter plötzlich Entscheidungen alleine zu fällen.

«Ich musste innerhalb meines Kollegenkreises auf einmal bestimmen. Dabei stiess ich nicht immer auf Zustimmung und musste lernen, dass meine Entscheidungen Auswirkungen hatten, positive wie auch negative», so Spillmann. Mit der Zeit sei dies aber zur Selbstverständlichkeit geworden. Eine Schule zu führen, hiess für den Aargauer nie, rücksichtlos über die Köpfe der Lehrer hinweg zu entscheiden. Im Gegenteil.

«Es war mir immer sehr wichtig, alle ernst zu nehmen und grosszügig zu sein», sagt er. «Schliesslich sind die Lehrer die tragenden Säulen der Schule.» Wie sich zeigte, lohnte sich Spillmanns entgegenkommende Art. «Die Leute waren auch oft von sich aus bereit, mehr zu leisten, als sie eigentlich gemusst hätten», sagt er. «Das zahlt sich aus.»

Auch dem neuen Schulleiter habe er diesen Tipp mit auf den Weg gegeben. Lorenzo Conte übernimmt ab heute Spillmanns Stelle. Plötzlich nicht mehr an der Schule zu sein, fällt Spillmann schwer, doch er wirkt überraschend gefasst.

«Der wunderbarste Abschluss»

«Das liegt daran, dass ich schon das ganze letzte Jahr über Abschied nehmen konnte», sagt er. An seinem strahlenden Blick ist zu erkennen, wie schön er diese Zeit in Erinnerung behält. «Bei jeder Gelegenheit wurde ich mit einer kreativen Idee überrascht», so Spillmann. «Es war der wunderbarste Abschluss, den man sich nur wünschen kann.» Und noch zwei erfreuliche Dinge kamen hinzu: Einerseits wird den Schülern neu die Basisschrift beigebracht. «Mir gefiel diese Idee, Dinge zu vereinfachen, schon immer.», so Spillmann. Und andererseits habe letztes Jahr kein einziger Schüler drei gelbe Strafzettel erhalten. «Das hat es noch nie gegeben», strahlt Spillmann.

Von einem geordneten Schulalltag nun ins Seniorenleben umzusteigen, ist die nächste Herausforderung des Aargauers. Eins ist ihm klar: «Ich brauche wieder eine gewisse Struktur in meinem Leben. Ohne geht’s nicht», sagt Spillmann. Um sich ungestört Zukunftsgedanken zu machen, fährt er dazu immer wieder in ein kleines Rustico im Tessin.

Nebenbei wolle er sich wieder viel mit handwerklichen Arbeiten beschäftigen – zurzeit baut er gerade eine Sauna. Etwas Hölzernes, was in der Primarschule noch immer an ihn erinnert, ist eine farbenfrohe Figur vor dem Schulleiter-Zimmer. «In der Projektwuche wurde mir eine Kiste Holz gegeben. Daraus musste ich etwas basteln», so Spillman, während er mit zufriedenem Lächeln zu seinem Andenken schaut.

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