Gastro-Szene
Mit Food-Festival gegen Euro- und Bankenkrise

Gastro-Betriebe in Zürich spüren die Krisenzeiten: Spesenkürzungen, der Euro und die Bankenkrise machen der Szene arg zu schaffen. Der Krise zum Trotz organisieren Veranstalter ein Food-Festival, das sich auch weniger Betuchte leisten können.

Matthias Scharrer
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Gemeinsam am langen Tisch: Jan E. Brucker (Widder Hotel), Katja Knodel (Baur au Lac), Jörg Arnold (Hotel Storchen), Fiona Hefti (Jelmoli-Botschafterin), Andreas Spillmann (Landesmuseums-Direktor) und Alexandra Heitzer (Geschäftsführerin il Tavolo) gehören zu den Initianten des ersten Zürcher Food-Festivals.zvg

Gemeinsam am langen Tisch: Jan E. Brucker (Widder Hotel), Katja Knodel (Baur au Lac), Jörg Arnold (Hotel Storchen), Fiona Hefti (Jelmoli-Botschafterin), Andreas Spillmann (Landesmuseums-Direktor) und Alexandra Heitzer (Geschäftsführerin il Tavolo) gehören zu den Initianten des ersten Zürcher Food-Festivals.zvg

Es gab schon bessere Zeiten fürs Zürcher Gastgewerbe: Banken- und Eurokrise machen der Branche zu schaffen. In den letzten zwei Jahren sei es zwar noch «recht gut» gelaufen, sagte Jörg Arnold, Präsident des Zürcher Hotelier-Verbands und des Vereins il Tavolo, gestern am Rande der Medienkonferenz zur Lancierung des ersten Zürcher Food-Festivals. «Aber dieses Jahr lief es bisher wirklich harzig.»

Besonders in der Zürcher Innenstadt spürten die Gastro-Betriebe laut Arnold, dass die Banken rund 6000 Arbeitsplätze abgebaut oder in andere Gegenden verlagert haben. Zudem seien die Budgets für Geschäftsessen und -übernachtungen deutlich gesunken. Auch die Diskussionen um Steuerhinterziehung wirkten sich aus: «Amerikaner haben Angst, überhaupt noch in die Schweiz zu kommen», so Arnold, der in der Zürcher City das Hotel Storchen führt.

Da biete das neue Zürcher Food-Festival willkommene Gelegenheit, Gegensteuer zu geben: «Es soll auch ein Zeichen dafür sein, dass man trotzdem noch zusammensitzt, ohne ständig auf den Euro oder Franken zu schauen.»

Gault-Millau-Punkte nicht nötig

Die Idee, ein Festival der kulinarischen Genüsse zu lancieren, hatte Alexandra Heitzer, Geschäftsführerin von il Tavolo, allerdings schon vor knapp drei Jahren, wie sie betonte. Zunächst gewann sie Vertreter der fünf Zürcher Nobelhotels Widder, Baur au Lac, Storchen, Park Hyatt und Dolder dafür. Ihr gemeinsames Ziel: Zürich als Stadt für Genussmenschen bekannt zu machen.

Um das Festival breiter abzustützen, holten die Veranstalter 31 Restaurants an Bord, wie Arnold erklärte. Die meisten davon befinden sich in der Stadt Zürich, es sind aber mit dem «Uto Kulm» auf dem Üetliberg-Gipfel, dem Zolliker «Angels Food», der Küsnachter «Kunststuben» und dem «Upperdeck» im Flughafen Zürich auch Restaurants aus dem Zürcher Umland dabei. «Es müssen nicht unbedingt Restaurants mit Gault-Millau-Punkten sein, aber es sollten spezielle Restaurants sein», so Arnold.

Speziell am Festival ist auch, dass an langen Tischen gemeinsam getafelt wird. «Sie können sich zum Beispiel als Vierergruppe anmelden, wissen aber nicht, mit welchen anderen Gästen Sie am Tisch sitzen», erklärte Arnold. So solle das gesellige Zusammenkommen gefördert werden.

Die Einheitspreise in den Restaurants betragen 60 Franken fürs Mittagsmenü und 80 Franken fürs Abendmenü. Wers gehobener will, kann sich am 28. Juni in den Nobelhotels Hyatt, Dolder, Baur au Lac, Storchen und Widder von den Starköchen Ivo Adam, Armin Amrein, Edgar Bovier, Tanja Grandits und Jan Leimbach verköstigen lassen – für 280 Franken. Die Starköche sind an jenem Abend als «rasende Köche» von einem Hotel zum anderen unterwegs, wie es im Programm heisst.

Am meisten Anklang fand bisher im Vorverkauf jedoch das günstigste Angebot: das Familienfrühstück zum Festivalabschluss am 1. Juli im Innenhof des Landesmuseums. Laut Heitzer wurden dafür bereits 450 Tickets verkauft. Im Preis (Erwachsene: 30 Franken; Kinder: 15 Franken) inbegriffen sind nebst Frühstücksbuffet mit Limmattaler Schinken und Käse aus dem Zürcher Oberland auch der Kinderzirkus Robinson, ein Zauberer, Live-Musik von Studenten der Zürcher Hochschule der Künste sowie ein Museumsbesuch.

Das Zürcher Food-Festival soll, wenn alles klappt, laut Arnold künftig alljährlich stattfinden.