Elektroautos gelten als Mobilität der Zukunft. Gerade an der am Donnerstag in Zürich beginnenden grössten Deutschschweizer Automesse bekommen digitale Technologien oder ökologische Antriebsmöglichkeiten wie Strom und Wasserstoff einen zunehmend höheren Stellenwert. Dennoch gehören Elektroautos auf den hiesigen Strassen noch nicht zur Mehrheit der Verkehrsteilnehmer. Das will die Firma Energie 360°, die ebenfalls an der Automesse vertreten ist, mit einer kürzlich lancierten App ändern.

Die Firma, die zu 96 Prozent der Stadt Zürich gehört und vom abtretenden Stadtrat Andreas Türler (FDP) präsidiert wird, will damit ein Netzwerk an Ladestationen öffentlich zugänglich machen. Die restlichen vier Prozent der Firma werden von politischen Gemeinden im Kanton Zürich, unter anderem Ober- und Unterengstringen, Uetikon und Urdorf, gehalten.

Auf der von der Firma nun zur Verfügung gestellten interaktiven Karte werden alle verfügbaren Ladestationen mit unterschiedlichen Farben und Piktogrammen dargestellt. So weiss der E-Autofahrer jederzeit, welche Tanksäule frei, bereits zum Tanken reserviert oder ausser Betrieb ist. Ladestationen von Drittanbietern, bei denen Gebühren anfallen, sind mit Blitzen markiert.

Ladestationen-Netz verdichten

Der neue Service liefert neben Angaben zu allen bereits bestehenden Ladestationen schweiz- und europaweit auch Informationen über deren Leistung, den Ladepreis von Strom sowie den Steckertyp. Mithilfe einer Filterfunktion eruiert der Autofahrer seine für ihn passende Station.

Das Aufladen kann vorgängig reserviert und mit einer Kreditkarte direkt via App bezahlt werden. Insgesamt 850 Ladestationen in der Schweiz und 12 000 in Europa sind auf der interaktiven Karte eingetragen. Die Technologie, die Energie 360° mit der App nutzt, stammt vom Schweizer Unternehmen Swisscharge.

Sie liefert neben der interaktiven Karte den Zugang zu den E-Zapfsäulen und übernimmt die Verrechnung für das Tanken mit Strom. Die Zürcher Firma betreibt von den 850 Ladestationen in der Schweiz rund 41 Ladestationen an 25 Standorten. Im Kanton Zürich kann ihr Strom an neun Standorten mit insgesamt 16 Ladestationen bezogen werden.

Das Huhn-Ei-Problem

Die Firma plant weitere Stationen mit Drittparteien ins Leben zu rufen: «Es können kommerzielle Firmen wie Retailer sein, die ihren Kunden das Laden ermöglichen wollen oder auch Gemeinden, die auf ihrem Gebiet die Nutzung von ökologischer Mobilität fördern wollen», sagt Alois Freidhof, Leiter Produktmanagement Mobilität bei Energie 360°.

Ziel sei es, möglichst rasch das Netz an Ladestationen zu verdichten und ein einheitliches offenes Netzwerk zu schaffen. Da die App erst in den kommenden Wochen intensiv beworben werde, gebe es noch keine genauen Nutzerzahlen. Die Swisscharge-App verzeichnet bereits 2000 Nutzer.

Ein offenes Netzwerk der Ladestationen ist für die Entwicklung der Elektromobilindustrie laut Freidhof zwingend. Er bezeichnet die Anzahl Elektrofahrzeuge und die Zahl der Ladestationen denn auch als «Huhn-Ei-Problem»: «Obwohl wir in der Schweiz bereits eine gute Anzahl an Ladestationen haben, ist die Reichenweitenangst immer noch eine der wesentlichen Hürden für die Elektromobilität.» Man betrachte den Aufbau von Ladestationen daher als «Vorleistung». Andere Hürden wie Fahrzeugmodelle, Preise und Reichweiten werden in absehbarer Zeit von der Automobilbranche gelöst, ist Freidhof überzeugt.

Dass auf der interaktiven Karte auch Drittanbieter eingetragen sind, sehen die Verantwortlichen von Energie 360° nicht als Problem: «Wir begrüssen weitere Player auf dem Markt, sofern sie dem Kunden das Laden einfacher machen und in bestehende Netzwerke integrierbar sind», sagt Freidhof.

Jüngstes Beispiel hierfür ist das Zürcher Start-up Spark Horizon. Die Firma will ein kostenloses Ladenetzwerk in europäischen Städten aufbauen. Da dieser Ladevorgang durch Werbung auf den mit der Ladestationen verbundenen Bildschirmen finanziert wird, betrachtete Energie 360° das Start-up nicht als direkte Konkurrenz, da der von ihnen lancierte Lade-Service kostenlos sei.