Pandemie

Mit der Freiwilligkeit ist es vorbei: Maskenpflicht lässt das Limmattaler Gewerbe zittern

Ausweitung der Maskenpflicht in Zürich.

Ausweitung der Maskenpflicht in Zürich

Limmattaler Detaillisten befürchten, dass die Kundschaft in den Aargau abwandert, um die Maskenpflicht zu umgehen.

Ab Donnerstag gilt Maskenpflicht in Zürcher Läden. Das Limmattaler Gewerbe ist nicht begeistert von der kantonalen Regelung.

Dietikon: Maskenpflicht verunsichert Kunden

Der Dietiker Gewerbeverein fürchtet sich vor Ertragseinbussen aufgrund der Maskenpflicht in den Läden. Nach dem Lockdown und der Limmattalbahn-Baustelle sei das Gewerbe schon genug gebeutelt. «Der Konsum ist bereits jetzt ein wenig verhaltener als zuvor. Die Leute sind unsicherer und sparsamer geworden», sagt Alfons Florian, Präsident des Dietiker Gewerbevereins. Das werde nun weiter zunehmen. Zudem befürchtet Florian, dass die Konsumenten in den nahegelegenen Kanton Aargau einkaufen gehen werden, um die Maskenpflicht zu umgehen.
Der Dietiker Standortförderer Adrian Ebenberger erwartet hingegen keinen grösseren Umsatzeinbruch im Detailhandel: «Ich denke nicht, dass die Leute viel weniger einkaufen werden. Die Güter des täglichen Bedarfs brauchen sie ja immer noch», sagt er. Dank der Masken sollen die Detailhandelskunden möglichst gut geschützt werden. «Alles, was die Ausbreitung der Pandemie stoppt, ist sinnvoll», sagt Ebenberger – auch wenn es in diesem Fall ein wenig unangenehm sei. Um das lokale Gewerbe zu schützen, sei es nun besonders wichtig, dass die Kunden nicht auf den Online-Handel umsteigen, sondern die regionalen Läden unterstützen. Er hofft, dass die Dietiker Kampagne «Corona geht uns alle an», weiterhin im Bewusstsein bleibt.

Schlieren: Maskenpflicht sollte flächendeckend sein

«Die Maskenpflicht in den Läden ist wirklich negativ», sagt Philipp Locher, Drogist und Präsident der Detaillistenvereinigung Pro Schlieren. Auch wenn er die Massnahme grundsätzlich versteht, so befürchtet er doch, dass sie Konsequenzen auf den Umsatz hat. «Die Leute werden viel gezielter einkaufen», so Locher. Zudem leide das Ladenpersonal unter der Maskenpflicht. «Das kann ein Handicap in der Bedienung sein.» Für die Kundschaft von Kleider- oder Schmuckläden sei es überdies schlicht unpraktisch und un­ästhetisch mit einer Maske einzukaufen. Besonders stört Locher, dass die Massnahme nicht flächendeckend eingeführt wurde. Die Gefahr sei viel zu gross, dass die Kunden nun in den nahen Kanton Aargau ausweichen, um ihre Einkäufe zu erledigen.

Spreitenbach: kein Zürcher Ansturm erwartet

Im Shoppi Tivoli erwartet man zurzeit keinen Besucherandrang aufgrund der Maskenpflicht im Kanton Zürich. Im Gegenteil: Vielen Kunden sei gar nicht bewusst, dass das Spreitenbacher Shoppingcenter nicht auf Zürcher Boden stehe. «Wir haben extra auf der Website publiziert, dass bei uns keine Maskenpflicht herrscht», sagt Centerleiter und CEO Patrick Stäuble. Die unterschiedliche Handhabung der Kantone in Sachen Maskenpflicht stört ihn, da die Kunden so verunsichert werden. «Es wäre gut, würde das national geregelt», so Stäuble. Er fügt rasch an, dass er gegen eine Maskenpflicht im Detailhandel sei. Da die Kunden in Bewegung seien und das Shoppi sehr grossflächig sei, käme es selten zu Menschenansammlungen.

Kanton Zürich: Verschärfung der Corona-Schutzmassnahmen

Datenhinterlegungspflicht in Gastronomiebetrieben: Gastronomiebetriebe müssen Kontaktdaten aufnehmen. Bei Familien oder anderen Gruppen mit untereinander bekannten Personen genügt die Erfassung der Kontaktdaten einer Person.

Strengere Regeln bei Veranstaltungen: In Restaurant- und Clubräumen begrenzt sich die Personenbeschränkung auf 100 Personen. Im ganzen Betrieb dürfen sich maximal 300 Personen aufhalten. Auch bei Veranstaltungen wie Festen und Märkten sind höchstens 100 Personen zugelassen – falls die Schutzmassnahmen wie Masken oder Abstand nicht möglich sind. Diese verschärfte Massnahme gilt vorläufig bis zum 30. September 2020.

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