Schlieren

Mit 10'000 Franken aus der eigenen Tasche: Dieser Zürcher will die Blutbuche retten – die Stadt schlägt das Angebot aus

Die kranke Seite der Blutbuche müsste radikal geschnitten werden, damit der Baum eine Überlebenschance hat. (Archiv)

Die kranke Seite der Blutbuche müsste radikal geschnitten werden, damit der Baum eine Überlebenschance hat. (Archiv)

André Schäppi schreibt die Blutbuche noch nicht ab und sieht eine Überlebenschance in einem radikalen Schnitt.

André Schäppi kann den Schlieremer Stadtrat nicht verstehen. Er bot dem Gremium an, einen letzten Rettungsversuch der schweizweit bekannten, doch sehr kranken Blutbuche im Stadtzentrum zu finanzieren. Doch der Stadtrat winkte ab. «Obwohl auch die Vertreter der IG Blutbuche vom Rettungsversuch überzeugt sind, bleibt der Stadtrat stur», sagt Schäppi enttäuscht.

Im Februar vor einem Jahr wurde der 70- bis 80-jährige Baum versetzt, weil er dem Bau der Limmattalbahn im Weg stand. Diesem Medienereignis ging jedoch eine monatelange Schlacht um die Blutbuche voraus. Die beiden Schwestern Liliane Hagen und Susanne Porchet sammelten gemeinsam über 4600 Unterschriften für den Erhalt des Baums. Gemeinsam mit der Limmattalbahn AG, der Stadt Schlieren und dem Grossbaumverpflanzer BMB Group wurde die Buche schliesslich um rund 170 Meter versetzt. Weil seither die Pflege aber nicht optimal durchgeführt wurde, ist der Baum schwer krank, weshalb er Ende Mai hätte gefällt werden sollen. «Dieses Datum wurde nicht eingehalten, weil ich der Stadt das besagte Angebot machte und der Stadtrat das Unterfangen prüfte», sagt Schäppi.

Schäppi zahlte bereits 2018

Als er vor einigen Wochen von der geplanten Fällung hörte, hat Schäppi, der in der Stadt Zürich wohnt, Baumexperte Ueli Lamprecht kontaktiert. «Er kam zum Schluss, dass eine Rettung möglich ist, wenn die linke, abgestorbene Seite des Baums und die Krone radikal geschnitten werden», so Schäppi. Darüber hinaus müssten die Bodenschnitzel entfernt, ein Verdunstungsmittel gespritzt, ein Schutz gegen UV-Strahlung angewendet und Pilze bekämpft werden. Die dadurch anfallenden Kosten von zwischen 8000 und 10'000 Franken würde Schäppi übernehmen. Er finanzierte auch die Baumverpflanzung, die rund 160'000 Franken gekostet hatte, mit 15'000 Franken mit. «Ich trete persönlich für die Rettung des Baumes ein», sagt er auf Anfrage. Nach einem Treffen mit dem Bauvorstand Stefano Kunz (CVP) und Werkvorstand Andreas Kriesi (GLP) habe sich aber gezeigt, dass die Stadt das Angebot nicht annehmen wolle. Einem Antrag auf Wiedereintreten auf das Geschäft, welchen Kunz an den Gesamtstadtrat gestellt hatte, wurde nicht stattgegeben.

Zwei Überlegungen hätten dazu geführt, das Angebot auszuschlagen, wie Kunz auf Anfrage sagt. «Der Baum wurde aufgrund seiner beeindruckenden Schönheit versetzt. Würde er so drastisch zurückgeschnitten, wäre es nicht mehr derselbe Baum.» Zudem sollen im Rahmen der Weiterentwicklung des Stadtparks neue Bäume gepflanzt werden. Auch dürfe sich der Stadtrat nicht dem Vorwurf aussetzen, käuflich zu sein. «Dass wir einen Stadtratsbeschluss rückgängig machen, nur weil ein Privater für die Kosten aufkommt – ist die Absicht noch so lobenswert –, darf nicht sein», sagt Kunz. Man wäre ganz nahe an der Käuflichkeit.

«Die Zeit drängt»

Die Begründung der Stadt hält Schäppi für nicht nachvollziehbar. Mit dem Schritt an die Öffentlichkeit erhofft er sich, dass die Blutbuche doch noch eine Chance erhält. Es sei möglich, dass ein grosses Echo der Einwohnerinnen und Einwohner entsteht, das den Stadtrat umstimmt, sagt er. «Die Zeit drängt, denn der Baum soll so bald wie möglich gefällt werden. Auch sollte eine Rettung nicht verschleppt werden, da die Substanz unter den hohen Temperaturen leidet.»

Susanne Porchet stellt sich hinter Schäppi. «Wir appellieren an den Stadtrat, dem Baum noch eine Chance zu geben und das grosszügige Angebot anzunehmen», sagt sie auf Anfrage. Schliesslich habe man vergangenes Jahr mit der Versetzung einen immensen Aufwand betrieben. «Selbstverständlich sollen die toten Äste, die eine Gefahr darstellen, geschnitten werden. Aber der Stadtrat soll dem Baum noch bis nächsten Frühling Zeit geben», sagt sie weiter. Zur Begründung, der Baum sei keine Schönheit mehr, sagt sie: «Der Baum ist für viele Schlieremer mehr als nur sein Aussehen.»

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