Limmattalbahn
Minibusse verkehrten auf dem künftigen Trassee der Stadtbahn

Seit Februar ist die gesamte Linienführung der Limmattalbahn bekannt. Die Bevölkerung weiss noch wenig über die Gründe der Routenwahl. Eine Veranstaltung von CVP und SP sollte Abhilfe schaffen.

Niklaus Ingold
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Noch quert allein die Bremgarten-Dietikon-Bahn den Dietiker Kirchplatz auf Schienen

Noch quert allein die Bremgarten-Dietikon-Bahn den Dietiker Kirchplatz auf Schienen

Schweiz am Sonntag

Karl Bertoloni aus Schlieren sitzt in einem schwarzen Minibus und hört den Ausführungen von Schlierens Stadtingenieur Manuel Peer zu. Bertoloni unterstützt die Limmattalbahn: «Sie wird das Limmattal aufwerten. Schade, wurde nicht schon früher mit der Planung begonnen», sagt er. Er nutzte die Gelegenheit am Samstag, um sich über die Linienführung der Stadtbahn zu informieren. Zwei Minibusse verkehrten im Auftrag der CVP Bezirk Dietikon und der SP Limmattal zwischen Schlieren und Dietikon.

An vier Standorten von geplanten Haltestellen - im Zentrum Schlieren, beim Spital Limmattal, an der Zürcherstrasse in Dietikon und beim Bahnhof Dietikon - stoppten die Busse. Fachleute sowie Vertreterinnen und Vertreter der beiden organisierenden Parteien standen bereit, um mit den Passagieren über die Limmattalbahn zu sprechen.

Der Umgebung anpassen

Zu den anwesenden Fachleuten gehörte zum Beispiel Architekt Jürg Senn. Sein Atelier arbeitet am äusseren Erscheinungsbild der Limmattalbahn. Das Büro ist für die Gestaltung der Linie und der Haltestellen zuständig. Die Herausforderung dieser Aufgabe besteht darin, die Limmattalbahn in die Umgebung einzupassen.

Das ist laut Senn eine Herausforderung, weil die Linie durch ganz unterschiedliche Räume führt und durch Gebiete, die sich bisher nicht als Einheit verstanden haben. Diesem Selbstverständnis tritt die Bahn entgegen: Sie ist ein verbindendes Element, das die unterschiedlichen Räume verschmilzt und eine Einheit entstehen lässt.

Im Gespräch mit Senn wird klar, dass die Limmattalbahn mehr als ein Verkehrsinfrastrukturprojekt ist: Es geht um Identität. Denn die Bahn bildet die Verstädterung des einst ländlichen Limmattals ab und treibt diese Entwicklung voran. Die Limmattalbahn wird den Raum, durch den sie fährt, verändern, zum Stadtraum machen.

Keine Angst vor dieser Veränderung hat ein älteres Ehepaar aus Schlieren, das gerade im Minibus von der Haltestelle an der Zürcherstrasse in Dietikon zum Bahnhof fährt. Er glaube an die Notwendigkeit dieses Projekts, sagt der Mann: «Überall wird gebaut. Diese Leute können nicht alle mit dem Auto unterwegs sein. Das verursacht zu viele Abgase.» Dass das Limmattal immer mehr zur Stadt wird, bereitet den beiden keine Sorge. Die Zusammensetzung der Bevölkerung sei ihr aber ein Anliegen, betont die Frau und kritisiert den Ausländeranteil an Schlierens Wohnbevölkerung.

Steigung kein Hindernis

Das Ehepaar hat sich in den Minibus gesetzt, um Informationen zur Umsetzung der Limmattalbahn zu erhalten. Die beiden wohnen an der Kesslerstrasse in Schlieren. Diese Strasse stellt wegen ihres Gefälls ein Problem für die Linienführung dar. Beim Spital Limmattal räumen Fabienne Chappuis und Julie Stucki von der Limmattalbahn AG Bedenken aus dem Weg, dass die Steigung zum unüberwindbaren Hindernis werde. Der Chef von Chappuis und Stucki ist Daniel Issler.

Der Geschäftsführer der Limmattalbahn AG bestätigt den Eindruck, dass die Bevölkerung noch viele Fragen auch zur technischen Umsetzung der Limmattalbahn hat. Seine Leute würden immer wieder von Parteien und Verbänden eingeladen, um über das Projekt zu informieren.

Auffallend ist, dass die Linienführung der Limmattalbahn für die Fachleute einiges definitiver zu sein scheint als für die Politikerinnen und Politiker. Streitpunkt ist die Linienführung im Dietiker Zentrum. Bei den Busstopps an der Zürcherstrasse in Dietikon und auf dem Kirchplatz drehen sich die Gespräche um den Abstecher zum Bahnhof. Die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter von CVP und SP kritisieren vor allem das Verfahren, das zu dieser Routenwahl geführt hat. Sie hätten sich vom Stadtrat gewünscht, dass er die Parteien in den Entscheid miteinbezieht.

Auf die Kritik angesprochen, stellt Limmattalbahn-Geschäftsleiter Issler eine Beteiligung der Parteien über eine Begleitgruppe in Aussicht. Gleichzeitig verweist er auf den engen Spielraum, den die Planer im Dietiker Zentrum haben. Die zuletzt von SVP-Vertretern hochgehaltene unterirdische Linienführung betrachtet er als unrealistisch.