Viele Niederlagen gegen die Technik hat die Menschheit schon einstecken müssen. Im Schach und im Poker hat uns die Rechenkraft der Maschine bereits überflügelt. Vorbei sind die Zeiten, in denen die künstliche Intelligenz verspottet wurde. Auf immer mehr Gebieten, prophezeien Experten, wird sie uns demnächst den Rang ablaufen. Ob wir auch schon im Jassen die Fahnen streichen und uns der Maschine geschlagen geben müssen, hat sich am Montagabend in Schlieren gezeigt.

Sozusagen als Vertreterin unserer Spezies trat die Schweizer Jass-Galionsfigur und ehemalige Fernsehmoderatorin Monika Fasnacht an. Ihr als Jass-Partner beigesellt wurde Daniel Stucki, Initiator des Wettbewerbs und Sofware Engineer bei der gastgebenden Innovationsfirma Zühlke. Ganz ohne dabei eine Stange Bier anzurühren, einen Stumpen zu qualmen oder sich gegenseitig in die Karten zu schielen, waren zuvor die Jass-Bots von fünfzehn Studierenden gegeneinander angetreten.

Programme mit so klingenden Namen wie «JassTheRipper», «Gummiblub» oder «DonaldTrumpf 3000» hatten in zahllosen Partien ein Selektionsverfahren durchlaufen. Der Gewinner «Mighty Hans» durfte nun gegen Monika Fasnacht eine klassische Partie Schieber Jass spielen. Auf einer Bühne tippte sie die gespielten Karten in einen iPad, worauf das Programm in Sekundenbruchteilen auf einer Grossleinwand reagierte.

Hundert Stunden für «Mighty Hans»

Immer wieder punktete die Maschine. Monika Fasnacht und Daniel Stucki kamen durchaus ins Schwitzen. Einige Trümpfe verhalfen dem Team aus Fleisch und Blut dann aber doch noch zum Sieg. Noch ist also kein Programm gefunden, das die Menschheit im Schweizer Nationalspiel zu schlagen vermag. Dass ein solches aber in Reichweite ist, haben Daniel Latzer und Sandro Feller bewiesen. Sie zeichnen für «Mighty Hans», das beste Jass-Programm, verantwortlich. 

Sehr zeitintensiv sei es gewesen, dieses Programm zusammenzuschustern. Die beiden schätzen den Gesamtaufwand auf etwa hundert Stunden. Bei den Erklärungen auf der Bühne wird klar: Vieles was Jass-Liebhabern ganz intuitiv erscheint, zum Beispiel die Auswahl des Trumpfs, ist in Wahrheit eine komplizierte Angelegenheit. So lassen sich Intuitionen nicht ohne Weiteres in Computercode übertragen.

Die halbe Hundertschaft an Gästen konnte den Abend anschliessend bei einem Apéro ausklingen lassen. Einige liessen sich auch noch zu einem Jass hinreissen. Geradewegs einen Stumpen durfte man sich dabei zwar nicht anzünden, für Bier und Snacks war aber gesorgt. Die lebhaften Runden zeigten: Auch wenn der Computer demnächst im Jass die Oberhand gewinnen mag, den Spass und die Freude am Spiel wird das kaum trüben.