Die Bühne war karg. Ausser einem Stuhl, einem Mikrofon und einem in rotes Licht getauchten Plastikbuchstaben stand dort nichts. Doch der junge Mann, der die Bühne im Hotel Geroldswil am Donnerstagabend belebte, brauchte keine grosse szenische Inszenierung. Denn die Hauptattraktion waren er beziehungsweise seine Figuren.

Kaum ein Auge blieb trocken

«Stimmbruch» bot zwei Stunden Training für die Lachmuskeln. Das abwechslungsreiche Programm wurde im November vergangenen Jahres uraufgeführt und entlockte mit seiner Pointendichte auch die eine oder andere Lachträne. So auch bei Gemeindepräsidentin und Präsidentin des Kulturvereins Spektrum Ursula Hofstetter. Lachend sagte sie: «Michael Elsener ist unglaublich witzig.»

Eigentlich wurde im Programm ein ernstes Thema angesprochen. Der junge Komiker hörte nämlich Stimmen. Angefangen bei den nervigen Verwandten schlichen sich auch Schweizer Prominente aus Fernsehen und Politik in Elseners Gehirn. Und so fand ein nuschelnder Moritz Leuenberger ebenso seinen Weg auf die Geroldswiler Bühne wie Roger Federer, Talkmaster Kurt Aeschbacher, Bundesrat Didier Burkhalter oder 10 vor 10 Moderator Stefan Klapproth.

Der erst 26-jährige Elsener machte mit seinen gesprochenen und gesungenen Parodien auch nicht vor dem Publikum halt. Die beiden Hauptsponsoren des Anlasses, Meimo AG sowie Hofstetter und Partner wurden vom Kabarettisten tüchtig aufs Korn genommen.
Seine parodistischen Attacken waren gezielt und zeugten von einer grossen Spontanität und einem guten Gespür fürs Publikum. Übelnehmen konnte das Publikum dem Zuger seine Angriffslustigkeit jedoch nicht. Denn dieser war nicht nur witzig und schlagfertig, sondern auch sehr charmant.

Publikum liebt Migrant Bostic

Doch nicht nur die Schweizer Cervelatprominenz hinterliess ihre Spuren in Elseners Gedächtnis. Er schaffte auch neue Figuren, die im Verlauf des Abends gleich mehrmals den Weg auf die Bühne fanden, und dem Publikum alsbald zu vertrauten Gesichtern wurden. So zeichnete Elsener den scheuen Streber Röbi, der verzweifelt nach einer Frau suchte ebenso witzig wie den Migranten Bostic Besic, der im Balkanslang von den Schwierigkeiten der Integration erzählte und das Publikum mit grossen Gesten und seinen Geschichten aus dem Sozialamt unterhielt.

Aus dem Thema wird ein Sketch

Überhaupt schienen die Geroldswiler einen Narren an Bostic gefressen zu haben. In der Pause liessen die Leute seine besten Pointen noch einmal Revue passieren. Auch Clara Meier aus Geroldswil sagte: «Mir gefallen besonders Aeschbacher und Bostic Besic. Elsener lässt die Charakteren richtig lebendig werden auf der Bühne.» Olivier Rosselet aus Dietikon schätzte vor allem Elseners Talent, mit dem Publikum umzugehen. «Mir gefallen seine Spontanität und seine Improvisationen», sagte er.

Die Pointendichte des Programms liess bis zum Ende des Abends nicht nach, steigerte sich nach der Pause sogar noch. Die komischen Ideen schienen dem studierten Politologen nicht auszugehen. «Ich habe nie Probleme damit, Themen zu finden», erzählte Elsener nach der Vorstellung prompt und fügte an. «Die Schwierigkeit liegt darin, aus einem Thema einen Sketch zu machen.»