50 Jahre Spital Limmattal

Medizinische Meilensteine: Der pensionierte Chefarzt Basil Caduff erinnert sich

Über 30 Jahre arbeitete Basil Caduff im «Limmi». Er ist stolz, dass man im Spital den Fortschritt nie scheute und dadurch zu einem Kompetenzzentrum mit überregionaler Bedeutung wurde.

Basil Caduff hat das Spital Limmattal eng begleitet. Über 30 Jahre lang stand er im Dienst des «Limmi». 1988 wurde der heute 65-Jährige als Oberarzt angestellt, wirkte später als Leitender Arzt und Chefarzt-Stellvertreter. Von 1996 bis zu seiner Pensionierung im Juli 2019 kümmerte sich der in Schlieren wohnhafte Bündner als Chefarzt der medizinischen Klinik um die Geschicke des Spitals. In diese Zeit fielen diverse medizinische Meilensteine.

1988 starteten Sie als Oberarzt im Spital Limmattal. Wie sah der Spitalalltag damals aus?

Basil Caduff: Die Therapiemöglichkeiten waren noch sehr konservativ, man beobachtete und schritt nur bei Komplikationen ein. Die Arbeit war geprägt von langen Aufenthaltszeiten. Im Schnitt blieben Patienten der Inneren Medizin fast 20 Tage bei uns. Als ich in den Ruhestand trat, waren es durchschnittlich nur noch etwas mehr als 6 Tage. Die Aufenthaltsdauer hat sich im Laufe der letzten 30 Jahre also dreifach reduziert. Das zeigt, dass in dieser Zeit die grösste Entwicklung passiert ist.

Was hat sich verändert?

Die technischen Möglichkeiten. Durch den medizinaltechnischen Ausbau wurden im diagnostischen und therapeutischen Bereich massive Fortschritte erreicht. Das betrifft nicht nur die innere Medizin, sondern auch die Chirurgie und die bildgebenden Verfahren wie etwa das Röntgen. Am eindrücklichsten lässt sich die Entwicklung anhand der Behandlung eines Herzinfarkts darlegen. Herzinfarktpatienten erhielten in den 1970er-Jahren Blutverdünner und wurden wochenlang ins Bett gesteckt. In den 1980er-Jahren begann man, Thrombolyse-Medikamente einzusetzen, die Gerinnsel in den Herzkranzgefässen auflösen. In den späten 1980er-Jahren kam die akute Behandlung und Untersuchung mit Kathetern hinzu. Dadurch wurde es möglich, die Gefässe auszuweiten. Die Technik ist mittlerweile so ausgeklügelt, dass ein unkomplizierter Herzinfarkt nahezu ambulant behandelt werden kann.

Der Herzkatheter ist aber nur eine von vielen neuen medizinischen Errungenschaften.

Es kam eine breite Palette von neuen Geräten und Instrumenten hinzu. So etwa Endoskope für Organspiegelungen. Dadurch wurden Untersuchungen im Körperinnern ohne Vollnarkosen möglich. Eine wichtiger Meilenstein war auch die Einführung der Schlüssellochchirurgie Anfang der 1990er-Jahre. Dabei handelt es sich um eine Operationsmethode, bei der man nur mit kleinen Schnitten unter Videokontrolle operiert. Dieses Vorgehen trug dazu bei, dass sich die Aufenthaltsdauer im Spital verkürzt hat. Patienten haben keine grosse Wunden mehr, die schmerzen und zu Komplikationen führen können. Wichtig für den medizinischen Fortschritt sind zudem die Computertomografie oder die Magnetresonanztomografie.

War man im «Limmi» bemüht, mit den Neuerungen Schritt zu halten?

Wenn es Neuerungen gab, ist das Spital in allen Gebieten relativ rasch aufgesprungen und hat diese mitgemacht. Das war nicht nur aufgrund der engagierten Fachkräfte und Mediziner möglich, sondern auch, weil die Spitalleitung und der Verwaltungsrat in all den Jahren Vertrauen in uns Ärzte hatte. Man war uns gegenüber immer sehr wohlwollend und das hat dazu beigetragen, dass sich das Spital so fortschrittlich entwickeln konnte. Ich bin stolz, was man erreicht hat. Das Spital Limmattal muss den Vergleich mit anderen nicht scheuen, zumal es mehr als nur einen regionalen Auftrag leistet.

Was sind denn die Spezialitäten des «Limmi»?

Das Spital verfügt unter anderem über ein Adipositaszentrum, das eine überregionale Bedeutung hat. Es beinhaltet neben der Chirurgie unter anderem auch die Gastroenterologie, Endokrinologie, Ernährungsberatung und Psychiatrie. Zudem führt das «Limmi» eine Stroke Unit für Schlaganfallpatienten und betreibt ein Brustzentrum, das Brustkrebspatientinnen behandelt.

Welche medizinischen Neuerungen und Themen werden das Spital in den kommenden 50 Jahren beschäftigen?

Mit Sicherheit wird das unter anderem die personalisierte Medizin sein. Dabei geht es zum Beispiel um Medikamente gegen Krebs, die individuell auf den Patienten abgestimmt werden. Derzeit steht man am Anfang dieser Therapie. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung durch die vielen neuen Möglichkeiten muss man sich künftig aber auch viel häufiger mit ethischen Fragen auseinandersetzen. Ob beispielsweise jede Behandlung sinnvoll ist, wenn das Leben dadurch zwar verlängert, jedoch keine Lebensqualität dazugewonnen wird.

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