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Martin Richner: «Man muss den Fehler immer bei sich suchen und nie beim Pferd»

Fühlen sich wohl im Fondli: Der Reitlehrer Martin Richner mit seiner Arina.

Fühlen sich wohl im Fondli: Der Reitlehrer Martin Richner mit seiner Arina.

Martin Richner war einst ein erfolgreicher Bankier. Doch 2012 entschloss er sich, dem Finanzwesen den Rücken zu kehren. Jetzt führt er das Reitsportzentrum Fondli in Dietikon und trainiert Pferde und Reiter.

Martin Richner steht voller Tatendrang in der Dietiker Reitsportanlage Fondli. Seit 8 Uhr ist er an diesem Morgen auf dem weitläufigen Areal unterwegs. Das Training mit drei Hochleistungspferden aus seiner Pferdepension verlief vielversprechend. Sie sollen am Wochenende nach Casorate bei Mailand reisen, wo sie am ersten internationalen Outdoor-Reitturnier des Jahres teilnehmen. Richner ist zuversichtlich: «Ich bin mit den Pferden in aller Lockerheit nochmals verschiedene Übungen durchgegangen.» Sie seien gut vorbereitet.

Richners Arbeitstag endet um 20 Uhr abends. Der 61-Jährige ist ein Chrampfer. Er kennt nichts anderes. Auf dem Bauernhof seiner Eltern habe er schon von klein auf mitgeholfen. «Ich bin sehr glücklich», sagt er dazu, «denn ich bin in der Lage, das tun zu dürfen, was mir Freude bereitet.» Das war nicht immer so.

Bankier ohne Perspektive 

Richner war einst ein gefeierter Bankier. Mit 28 leitete er seine erste Bankfiliale. In der Folge wurde er zum Bankdirektor befördert. Später war er Länderverantwortlicher für das Kredit- und Immobiliengeschäft bei einer internationalen Bank. Doch er fühlte sich zusehends leer. «Wegen der Veränderungen im Bankengeschäft habe ich keine Perspektive mehr gesehen», sagt er.

Richner erzählt, wie er von der Bank nach Hause kam und im Garten Unkraut jätete. Dass seine Frau ihn gefragt habe, ob alles in Ordnung sei. «Ich muss sehen, was ich vollbracht habe. Das war nicht mehr der Fall», sagt er. 2012 entschloss er sich, zu kündigen. Den Entscheid habe er sich nicht leicht gemacht.

Er bereut keine Sekunde

Zum Fondli kam Richner durch Zufall. Nachdem er im Frühling 2012 keiner aktiven beruflichen Tätigkeit mehr nachging, besuchte er seine Pferde, die bereits damals im Fondli eingestellt waren, regelmässiger. Eines Tages habe ihn die damalige Besitzerin gefragt, ob er das Reitsportzentrum übernehmen wolle. Nach einer gewissen Bedenkzeit sagte er zu. «Ich bereue diesen Entscheid keine Sekunde», sagt der Widener.

Der Bauernsohn, der auf Wunsch seiner Mutter den Hof übernahm und den es dann doch in die Bankenbranche zog, wo er die Höhen und Tiefen einer glamourösen Welt kennen lernte, dieser Bauernsohn hat sich endlich gefunden.

«Kein Tag ist wie der andere, wenn man mit Pferden arbeitet», sagt er, «es ist befriedigend, zu sehen, wie sich die Tiere entwickeln.» Von Intelligenz im menschlichen Sinne könne man zwar nicht sprechen. Doch auch Pferde lernten aus ihrer Erinnerung. «Je mehr gute Erinnerungen sie in sich tragen, desto einfacher gestaltet sich die Zusammenarbeit mit ihnen», sagt er. Dass die Pferde Vertrauen fassen in ihren Reiter, das sei das A und O.

Voller Trophäenkasten

Richner erzählt, wie er bereits als zehnjähriger Junge an einem Springturnier seinem Vater davonritt. Danach habe sein Pferd eine Ehrenschleife erhalten und er sei frohen Mutes nach Hause geritten. Seither sind einige nationale und internationale Preise und Pokale dazugekommen, die sich in seinem Trophäenkasten stapeln.

Mit der Übernahme des Fondli verlagerte sich Richners Fokus von der eigenen Turnierteilnahme vermehrt aufs Training und Coaching von Pferd und Reiter: Eine seiner Schülerinnen, die 21-jährige Teresa Stokar, reitet ebenfalls auf internationalem Niveau, wie Richner stolz erzählt. Sie, ihre Pferde und er — diese Konstellation scheint aufzugehen.
Das Geheimnis des Erfolgs liege denn auch im Zusammenspiel dieser drei Komponenten, so Richner. «Und darin, dass man den Fehler immer bei sich sucht und nie beim Pferd», ergänzt er.

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