Interview
Marla Glen: «Ich bin die glücklichste Musikerin der Welt»

Die amerikanische Sängerin Marla Glen stellt in der Dietiker Zino Lounge ihr neues Album vor. Im Interview spricht sie über ihren Neuanfang, ihre House-Musik und LSD.

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Marla Glen in Dietikon
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Marla Glen in Dietikon
Marla Glen in Dietikon

Marla Glen in Dietikon

Limmattaler Zeitung

Marla Glen sitzt schon bei einem Glas Champagner an der Bar. Wie für sie üblich trägt sie Anzug, Krawatte und Hut. Heute in violett und schwarz. Die Begrüssung ist überaus herzlich, Marla Glen nimmt den Journalisten gleich in die Arme und stösst mit ihm auf ihr neues Album «Tricks & Tracks» an.

Hatten Sie eine Angenehme Reise von Köln in die Schweiz?

Marla Glen: Wenn sie mir LSD gegeben hätten, hätte ich eine gute Reise gehabt (lacht laut). Es ist wunderbar, hier zu sein. Endlich erhalte ich das, was ich in meiner Karriere schon lange verdient hätte.

Können Sie kurz erzählen, wie es dazu kam, dass Sie in der „Zino Platinum Lounge" in Dietikon Ihre Plattentaufe feiern?

Weil ich diese wunderbare Frau hier kennengelernt habe (zeigt auf Maria Grippi, die Leiterin der Lounge). Einer ihrer Bekannten hat mich bei einem Konzert kennen gelernt. Maria liess ihn die Frage ausrichten, ob ich in Dietikon meine Plattentaufe machen wolle. Sie meinte das als Witz. Ich fand die Idee aber so toll, dass ich sofort zugesagt habe. Ich mag es, an kleineren, exklusiveren Orten zu spielen. Es ist viel persönlicher.

Mit Marla Glen ein ordentlich verlaufendes Interview zu führen, ist nicht einfach. Das war schon früher so, als sie Journalisten mit Wuttiraden über die Plattenindustrie überfordert hat. Überfordernd ist Marla Glen noch immer, aber die schlechte Laune hat sich in Luft aufgelöst. Sie reisst Sprüche, springt freudig von der Sitzbank auf, um zu tanzen, oder schreit ins Diktiergerät. Zur harten Arbeit gehört das auf jeden Fall nicht.

Sie haben mit dem neuen Album so etwas wie einen Neuanfang gemacht. Wie fühlt sich das an?

Es ist das erste Mal, dass ich meine Arbeit wirklich geniessen kann. Ich sehe nun, woher das Geld kommt, wie mein Album produziert wird und ich kann mitbestimmen, wie es klingen wird. Zum ersten Mal kenne ich auch alle Leute, die daran arbeiten. Weil ich nun meine eigene Plattenfirma habe, ist das alles möglich geworden. Früher war ich die traurigste Musikerin der Welt, heute bin ich die glücklichste.

Verbinden Sie irgendwelche Erlebnisse mit Zürich?

Nicht direkt mit Zürich. Ich wollte vor einigen Jahren mit Musikern aus Luzern etwas aufnehmen, das kam aber nie zustande. In Zürich habe ich schon gespielt. Mehr als eine Bühne und ein Hotelzimmer habe ich aber nie gesehen.

In einer kleinen Stadt wie Dietikon ist es nicht gerade alltäglich, eine weltberühmte Musikerin wie sie begrüssen zu dürfen. Geniessen Sie es, die Leute zu überraschen?
Ich spiele gern damit, plötzlich irgendwo aufzutauchen, ohne dass mich da jemand erwartet hätte. Ich bin völlig unkompliziert, spaziere in eine Bar rein, bestelle mir ein Bier und rauche eine Zigarette, wenn man da rauchen darf (lacht). In Köln oder Düsseldorf mach ich das öfters.

Hier in dieser Bar ist das Rauchen ja kein Problem.

Ich finde es auch ziemlich cool hier (lacht).

Sie haben oft betont, dass es Ihnen wichtig sei, mit Ihren Songs etwas auszusagen. Um was geht es in Ihren neusten Songs?

Ich denke, alle Musiker wollen etwas aussagen.

Man kann bezweifeln, dass Lady Gaga etwas aussagen will.

(lacht) Gut, aber ich versuche es. Normalerweise sind meine Songs eine Botschaft für die Welt, für die Kinder, die Mütter, die Grossväter oder Teenager. Das habe ich mit dem Album „Humanology" auch versucht. Es ist aber gescheitert, weil die Leute im Hintergrund das Album nur sich selbst gewidmet haben. Jetzt sage ich mir: genug ist genug. Ich habe keine Lust mehr, eine Sklavin zu sein. Man hat mich ausgenutzt, mich krank gemacht, bis ich mit Nervenzusammenbruch und Tumor im Krankenhaus gelandet bin. Inklusive meiner Exfrau waren alle Leute um mich herum die falschen. Diese Leute habe ich alle eliminiert. Es fühlt sich an wie ein neues Leben.

Sind auf Ihrem Label auch Produktionen anderer Künstler geplant?

Vielleicht werden wir das in Zukunft machen. Aber lassen Sie mich erst einmal beweisen, dass es mit meiner eigenen Musik gut läuft. Zwei Alben habe ich bereits aufgenommen, zwei weitere sind geplant. Wissen Sie, dass ich auch House-Musik aufgenommen habe?

Nein, wie klingt die?

Ich kann es Ihnen zeigen.

Marla Glen geht zur Bar und lässt ihren Manager eine CD einlegen. Durch die Boxen klingt eine elektronische Remix-Version von „The Cost of Freedom", dem ersten Stück Ihres ersten Albums, das sie berühmt gemacht hat. Die Stimme ist leicht verzerrt, darunter wummern pumpende Bässe. Marla Glen kann dieser Musik nicht tatenlos zuhören. Sie tanzt durch den Raum, schwingt die Hüften und folgt einigen Passagen des Songs mit der Stimme.

Hatten Sie früher schon mit House-Musik zu tun?

Ja klar, ich bin damit aufgewachsen. Als ich achtzehn Jahre alt war, ging ich in Chicago in die Discos, in denen solche Musik lief. Es ist grossartig: damit lässt sich die Musik der Sechziger, Siebziger und Achtziger wieder aufgreifen und modern machen.

Können wir uns in Zukunft auf neue Experimente von Marla Glen freuen?

Auf jeden Fall. Ich bin nun mit über fünfzig Jahre zum ersten Mal so weit, dass ich meiner Kreativität freien Lauf lassen kann. Sie können sich also freuen.