Dietikon

Marktlücke entdeckt: ETH-Studentin verkauft regionalen statt kontinentalen Hummus

Von den Erbsen zum Hummus: Anik Thaler setzt auf lokale Zutaten.

Von den Erbsen zum Hummus: Anik Thaler setzt auf lokale Zutaten.

Die Dietikerin Anik Thaler verkaufte rund 200 Hummusportionen aus Schweizer Kichererbsen. Nun sammelt sie Geld, um zu expandieren.

Ihr Hummus sieht kaum anders aus als der, den man im Laden kaufen kann. Geschmacklich unterscheidet sich der Hummus der Dietikerin Anik Thaler jedoch von den handelsüblichen Produkten. Er ist weniger sauer und die Sesampaste wurde durch Sonnenblumenkerne ersetzt. «Sesam kann man in der Schweiz bislang noch nicht anpflanzen. Die Pflanze braucht ein anderes Klima», sagt die 22-jährige ETH-Agrarstudentin.

Kichererbsen sind dagegen auch in der Schweiz gut pflanzbar. Das hörte Thaler in einer Vorlesung vor zwei Jahren. Seither liess sie der Gedanke nicht mehr los, Hummus mit lokalen Zutaten herzustellen. Denn Thaler stand vor einem Dilemma: Hummus gehörte zu ihren Lieblingsprodukten und gleichzeitig wollte sie sich regional ernähren. «Wenn ich aber den Hummus im Laden umdrehte, war der Herkunftsort nicht als Land, sondern als Kontinent angegeben», sagt Thaler. Das habe sie gestört. So suchte sie nach einer Lösung, um den Hummus mit regionalen Zutaten herzustellen. Nach einigem Tüfteln in ihrer Küche kam sie auf ein passendes Rezept. Es besteht aus Zitrone, Apfelessig, Salz, einer Paste aus Sonnenblumenkernen und Kichererbsen. Sie gründete gemeinsam mit zwei anderen Studierenden das Unternehmen Fyn mit dem Ziel, trendige Produkte aus lokalen Zutaten herzustellen.

Cafés sprangen in der Coronakrise ab

Mit ihrem Start-up verkaufte Thaler bereits rund 200 Packungen Hummus in Grossverpackungen. «Das meiste verkauften wir über den Unverpackt-Laden Foifi, an kleine Cafés oder Privatpersonen», sagt sie. Die Cafés seien aber aufgrund der Coronapandemie abgesprungen. Deshalb startete Thaler ein Crowdfunding, das noch bis Dienstag läuft. Mit diesem will sie genug Geld zusammenbringen, um auch kleinere Hummus-Packungen in einem Webshop anbieten zu können.

Anders als andere Start-ups braucht Thaler keine besonders teuren Maschinen oder grosse Anschaffungen. Denn sie lässt alles bei der Metzgerei Angst in der Nähe des Letzigrunds in Altstettenproduzieren. Da der Hummus in deren Vorfertigungs-Küche hergestellt wird, kommt das vegane Produkt nicht mit tierischen Artikeln in Kontakt. Angst produziert, druckpasteurisiert und verpackt den Hummus, sodass dieser drei Monate haltbar wird. «Angst hat als einziges Unternehmen in der Deutschschweiz genau die Maschinen, die wir auch brauchen. Das passt perfekt.»

Kichererbsen sind beliebt bei den Bauern

Momentan arbeitet Thaler mit der Bio-Genossenschaft Biofarm zusammen. Diese liefert ihr die Kichererbsen und die Sonnenblumenkerne. Künftig möchte sie mit den Bauern direkt verhandeln und sowohl biologische als auch konventionelle Produkte anbieten. «Ich denke, es besteht das Bedürfnis nach beiden Varianten», sagt Thaler. Deshalb möchte sie nicht nur bio anbieten. Zudem weiss Thaler, dass die Kichererbsen kaum Pflanzenschutz mittel brauchen. «Sie düngen sich quasi selbst, da sie Stickstoff binden. Auch nachdem sie geerntet werden, hinterlassen sie Stickstoff im Boden», sagt sie. Aus diesem Grund ist die Pflanze ein beliebtes Gewächs bei Landwirten, obwohl sie in der verhältnismässig regenreichen Schweiz nicht so viel Ertrag wie beispielsweise in Spanien bringe. «Doch aufgrund des Klimawandels wird der Regen ja auch zunehmend seltener hier», so Thaler. Auch finanziell lohnt sich der Anbau: Die Landwirte erhalten zwar für die Kichererbsen keine Subvention, dafür sei der Verkaufspreis viel höher als etwa bei Zuckerrüben.

Durch den direkten Kontakt mit den Bauern weiss Thaler, woher die Kichererbsen in ihrem Hummus kommen. Die Kehrseite der Medaille ist aber, dass sie dadurch das Risiko selbst trägt. Denn wie es in der Branche üblich ist, wird sie mit den Bauern bereits im Frühjahr vereinbaren, wie viel Kichererbsen sie ihnen im Herbst abnehmen wird. «Am besten wäre es, wenn ich auch schon die Hummus-Abnehmer hätte. So bleiben wir sicher nicht auf dem Ertrag sitzen», sagt Thaler. Ihr Ziel ist, dass der «Fyn»-Hummus im nächsten Herbst in verschiedenen Läden steht, bestenfalls versehen mit einem QR-Code, durch den die Kunden direkt zum Bauern verlinkt werden, der die Kichererbsen angepflanzt hat.
Mit dem Hummus sind Thalers Ideen für regionales Essen aber nicht ausgeschöpft: So bald wie möglich will sie Granola auch aus ausschliesslich Schweizer Zutaten herstellen.

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