Wahlen 2018 Schlieren
Manuela Stiefel (FDP): «Der Stadtrat soll Glaubwürdigkeit ausstrahlen»

Manchmal sei sie ein wenig zu spontan, sagt Manuela Stiefel (FDP) über sich. Trotzdem hofft sie, am 4. März zur zweiten Stadtpräsidentin gewählt zu werden.

Alex Rudolf
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Die Primarlehrerin Manuela Stiefel will am 4. März zur Stadtpräsidentin gewählt werden. Am selben Tag entscheiden die Schlieremer über den Kredit für einen Architekturwettbewerb für den Stadtsaal im Zentrum.

Die Primarlehrerin Manuela Stiefel will am 4. März zur Stadtpräsidentin gewählt werden. Am selben Tag entscheiden die Schlieremer über den Kredit für einen Architekturwettbewerb für den Stadtsaal im Zentrum.

Severin Bigler

«Hätte ich den Schweizer Pass, würde ich für Sie stimmen», ruft ein Schüler des Urdorfer Schulhauses Feld Manuela Stiefel zu. Die 57-jährige FDP-Finanz- und Liegenschaftsvorsteherin der Stadt Schlieren will am 4. März zur Stadtpräsidentin gewählt werden.

Frau Stiefel, was macht Sie zur perfekten Stadtpräsidentin für Schlieren?

Manuela Stiefel: Die perfekte Wahl gibt es nicht. Ich bin aber eine sehr gute Wahl, da ich mit meinen acht Jahren im Stadtrat und vier Jahren im Gemeinderat viel Erfahrung mitbringe. Zudem sind in meinem aktuellen Ressort, den Finanzen und Liegenschaften, prominente Geschäfte angesiedelt.

Wo sehen Sie Ihre Schwächen?

Ich bin ab und zu etwas zu spontan.

Das ist doch keine Schwäche.

Manchmal schon. In gewissen Situationen ist es besser, wenn man zuerst einmal tief durchatmet und erst dann reagiert.

Wann?

In Situationen, in denen in Kürze eine durchdachte, diplomatische Antwort gefragt ist. Da muss ich achtsam sein.

Angenommen Sie schaffen die Wahl am 4. März, würden Sie weiterhin als Lehrerin arbeiten?

Die vom Volksschulamt gestellte Mindestanzahl Lektionen wäre zusätzlich zum 50-Prozent-Pensum einer Stadtpräsidentin zu viel. Man müsste also eine Lösung finden. Ich hoffe, wir finden eine, denn Lehren ist meine Berufung.

Das wäre wohl stressig. Der aktuelle Amtsinhaber Toni Brühlmann-Jecklin (SP) beziffert sein Pensum auf 80 Prozent, wird jedoch nur für 50 entgolten.

Der notwendige Einsatz ist im Stadtpräsidium sicher mehr als 50 Prozent. Alle Stadträte verrichten jedoch einen Teil ihres Arbeitspensums ehrenamtlich. Dies müssen neue Kandidaten wissen.

Bei der Teilrevision der Gemeindeordnung 2009 bekämpften Sie, dass das Stadtpräsidium ein Vollzeitamt wird. Bereuen Sie dies, nun da Sie das Amt bald übernehmen könnten?

Nein. Ich möchte, dass die Stadtpräsidentin von Schlieren auch noch ausserhalb der Politik tätig sein kann.

Ihre Tochter Isabel lässt sich auf Ihrer Website damit zitieren, dass Sie ein Vorbild für alle Frauen seien. Wie erleben Sie das Frausein in der Politik?

Ja, ich bin eine Frau und übernehme politische Führungsverantwortung. Meine Schwerpunkte sind aber nicht typische Frauenthemen. Ich bringe meine gesamten Erfahrungen aus Familie, Beruf und Politik ein. Ich wünschte mir mehr Frauen in der Politik, denn sie geht uns alle an.

Sie haben nun während acht Jahren den rund 160-Millionen-Franken-Haushalt von Schlieren betreut. Wie geht es nach Ihnen weiter?

Ich blicke optimistisch in die Zukunft. Mit der Finanzstrategie und dem Entlastungsprogramm konnten wir Weichen stellen. Zwar kommen noch grosse Projekte auf uns zu, doch wird bald der Plafond an Investitionen erreicht sein. Die grösste Herausforderung wird darin bestehen, die Schlieremer für flexible Investorenmodelle zu gewinnen. Denn: Werden unsere Schulden zu hoch, werden wir unseren Handlungsspielraum verlieren und auch für Geldgeber unattraktiv, was mir sorgen bereitet.

Das Entlastungsprogramm wurde von der Linken scharf kritisiert. So kosten die Ferienlager für Kinder 100 Franken mehr. Spart man hier am richtigen Ort?

Das ist der Spagat, den die Politik bewerkstelligen muss. Der Lösungsvorschlag der Linken ist, dass man die Steuern erhöht. Dies ist für mich zu kurzfristig gedacht und ändert nichts an der defizitären Struktur. Der Stadtrat ging mit seinem Programm systematisch an die Sache heran. Zudem machten die einzelnen Ressorts ihre eigenen Sparvorschläge. Sprich: Der Vorschlag, die Kosten für die – freiwilligen – Lager zu erhöhen, kam von der Schulpflege und ich bin überzeugt, dass sie sich dies gut überlegt hat.

Der 4. März wird für Sie in doppelter Hinsicht ein Schicksalstag. Neben dem Stadtpräsidium entscheidet das Stimmvolk auch darüber, ob ein Architekturwettbewerb für einen Stadtsaal durchgeführt werden kann – eines Ihrer Hauptgeschäfte.

Genau. Nach der Abstimmung zum Referendum zum 900'000-Franken-Kredit wissen wir, ob wir mit dem Projekt auf dem richtigen Weg sind.

Haben Sie den Widerstand unterschätzt?

Der Widerstand kam zustande, weil man das Votum des Stimmbürgers zum Grundsatzentscheid hören will. Kommt am 4. März ein deutliches Ja heraus, können wir in Ruhe planen. Sagen die Bürger aber Nein, wird die Planung sofort gestoppt, was ich sehr bedauern würde.

Voraussichtlich Ende Jahr befindet das Zürcher Stimmevolk über die Initiative «Stoppt die Limmattalbahn – ab Schlieren» – welche Rolle würde Stadtpräsidentin Stiefel im Abstimmungskampf übernehmen?

Der Stadtrat ist ganz klar der Meinung, dass ein Baustopp viele Nachteile für Schlieren hätte. Die Geissweid hätte anders gestaltet werden können, Enteignungen hätten anders vollzogen werden können und flankierende Massnahmen würden nicht umgesetzt. Diese Nachteile werden der Stadtrat und ich unmissverständlich kommunizieren.

Wie können Sie als Stadtpräsidentin für Konsens sorgen?

Setzt man sich zusammen, ist der Umgang ein anderer, als wenn man über Leserbriefe oder E-Mails kommuniziert. Darauf werde ich setzen. Bei Meinungsverschiedenheiten – egal welcher Natur – bevorzuge ich einen runden Tisch.

Eine Ihrer ersten Massnahmen als Stadtpräsidentin wäre es, die Kommunikation und die Kultur der Stadt zu überprüfen. Was darf man noch erwarten?

Der Stadtrat soll Dynamik und Glaubwürdigkeit ausstrahlen – es ist mir daher wichtig, ein teamorientiertes und sachbezogenes Gremium zu bilden. Schlieren hat zurzeit zahlreiche Baustellen. Dies meine ich im wortwörtlichen wie auch im übertragenden Sinn. Mit der Bewegung rund um die Rotbuche wurde eine Energie freigesetzt, die ich sehr ernst nehme. Denn sie wird über den Baum hinausgehen, da bin ich mir sicher. Dafür will ich offen sein.

Wie beurteilen Sie den bisherigen Wahlkampf?

Sehr fair. Man stellt sich gegenseitig kein Bein, weil man nicht dieselbe politische Gesinnung hat. Man behandelt sich fair und weiss, dass man nach den Wahlen wieder zusammenarbeiten muss.

Das kann auch ein wenig langweilig anmuten. Daher: Was können Sie Schlieren geben, was ihr Konkurrent Herr Bärtschiger nicht kann?

Ich habe eine herzliche, volksnahe, humorvolle Art und kann damit gut auf Menschen zugehen. Da ist er wohl ein wenig zurückhaltender.

Zur Person

Manuela Stiefel (57)

Seit acht Jahren sitzt Manuela Stiefel im Schlieremer Stadtrat als Ressortvorsteherin Finanzen und Liegenschaften. Davor war die Primarlehrerin während vier Jahren im Parlament, wo sie die Geschäftsprüfungs- und Rechnungsprüfungskommission präsidierte. Aktuell steht sie zudem dem Ausschuss Finanzen/Steuern/Liegenschaften vor und ist Mitglied des Ausschusses Alterseinrichtungen. Unter anderem ist sie Mitglied der Energiekommission und der Kommission Standortförderung Bereich Wirtschaft. Auch ist sie Delegierte im Spitalverband Limmattal und Delegierte im Sozialdienst Limmattal. In Ihrer Freizeit kocht, liest und strickt die zweifache Mutter.