Obwohl das Parlament im November den Architekturkredit für einen neuen Stadtsaal in der Höhe von 880'000 Franken mit 23 zu 6 Stimmen bewilligte, wird das Stimmvolk am 4. März darüber befinden müssen. Der Grund dafür ist das Behördenreferendum, das im Nachzug zur Parlamentsdebatte ergriffen wurde. «Dieses kam wohl auch zustande, weil man der Bevölkerung den Puls fühlen will», sagte Finanz- und Liegenschaftsvorsteherin Manuela Stiefel (FDP) vor rund 50 Anwesenden einer öffentlichen Informationsveranstaltung zum Geschäft vom Mittwoch im Stürmeierhuus. «Die Frage lautet: Wollen die Schlieremer überhaupt einen Stadtsaal?»

Seit 2005 ist Schlieren daran, sein eigenes Zentrum neu zu gestalten. Westlich des Verkehrskreisels, der bis 2019 erstellt wird, sahen die Verantwortlichen stets vor, einen Stadtsaal zu erstellen. «Seit über 13 Jahren ist man sich einig, dass an dieser Stelle, auf dem Kulturplatz, ein Saal hingehört – ohne dass sich die Pläne konkretisierten», so Stiefel. Vorgesehen ist ein Saal mit zwischen 600 und 750 Sitzplätzen und 90 Tiefgaragen-Parkplätzen. Zum Vergleich: Der Salmensaal verfügt über rund 500 Sitzplätze.

Der Saal soll unterteilbar sein, es soll ein Bistro und Sitzungszimmer geben. «Die Zeichen aus der Wirtschaft und aus der Kultur zeigen, dass ein solches Raumangebot in Schlieren sehr erwünscht ist», so Stiefel. So bestehe etwa auch Interesse am Bau eines zweiten Hotels im Stadtzentrum. Denn: «Es fehlen auch Übernachtungsmöglichkeiten in Schlieren.» Eigens um das Projekt zu unterstützen, formierte sich im März vergangenen Jahres zudem der Verein Pro Stadtsaal Schlieren. Er besteht aus Vertretern grosser, städtischer Vereine wie Freizeit Schlieren, Harmonie Schlieren und Event Schlieren.

Wohlwollen beim Publikum

Für die knapp 900'000 Franken, die der Stadtrat von der Stimmbevölkerung bewilligen lassen will, soll ein offener Architekturwettbewerb veranstaltet werden. Dies sei zwar ein wenig teurer. Aber: «Wir wollen alle Kreativität, die es aktuell unter den Architekten gibt, abholen und auch kleinen Büros eine Chance geben», sagt Stiefel.

Im Stürmeierhuus-Publikum stiess das Projekt auf viel Wohlwollen. Ein Votant, der seit rund sechs Jahren in Schlieren wohnt, sagte, dass er damals bei seinem Zuzug gerne einen zentralen Treffpunkt gehabt hätte. «Dann wäre die Integration wohl einfacher gefallen.» Der anwesende Schlieremer Kantonsrat Andreas Geistlich (FDP) sprach sich im Namen der Wirtschaft für den Kredit aus, die sich «repräsentative, technisch gut ausgerüstete und unbürokratisch verwaltete Lokalitäten für Meetings, Kongresse und Events erhofft.» Und was geschieht bei einem Nein zum 880'000-Franken-Kredit? «Dann wird die Planung gestoppt», so Stiefel. Der neue Stadtrat werde die nichtbebaute Mitte Schlierens wohl zu einem der neuen Legislaturziele machen.

Finanzierung wirft Schatten voraus

Die Kosten für eine Realisierung des Projekts veranschlagt die Stadt auf zwischen 30 und 35 Millionen Franken. Bezüglich des Finanzierungsmodells ist jedoch noch vieles undefiniert. So war der Stadtrat stets offen für ein Investorenmodell, worin die Stadt das Land im Baurecht abgibt und sich anschliessend im Stadtsaal einmietet. Unter dem Strich würde dies den Steuerzahler rund 1,2 Millionen Franken jährlich kosten.

«Mir wäre es schon lieber, wenn der Stadtsaal uns, den Schlieremern, gehören würde», monierte ein Anwesender und erntete dafür spontanen Applaus. Stiefel verwies darauf, dass ein Ja zum Architekturwettbewerb kein Ja zum Stadtsaal ist. «Gefällt Ihnen das Siegerprojekt aus dem Wettbewerb nicht, können Sie noch immer Nein dazu sagen.»