Zürich
Männersache? Fussball wird bei Mädchen immer beliebter - jetzt werden Trainerinnen gesucht

Viele Zürcher Fussballvereine müssen Junioren abweisen. Die Zahl der Frauen im Fussball nimmt zu, aber es fehlt an Coaches. Mit einem neuen Angebot sollen nun vermehrt Trainerinnen ausgebildet werden.

Heinz Zürcher (Text und Foto)
Merken
Drucken
Teilen
Stefan Schötzau (rechts), Chef des kantonalen Sportamts, besucht mit Regierungsrat Mario Fehr den Leiterinnen-Kurs.

Stefan Schötzau (rechts), Chef des kantonalen Sportamts, besucht mit Regierungsrat Mario Fehr den Leiterinnen-Kurs.

Im Fussball ist es eine Schweizer Premiere. Auf der Sportanlage Milandia in Greifensee findet derzeit erstmals ein reiner Trainerinnen-Lehrgang statt. Bisher liessen sich Frauen zusammen mit den Männern für eine Coaching-Tätigkeit auf Juniorenstufe ausbilden. «Üblicherweise sind es pro Lehrgang zwei bis drei Frauen», sagt Stefan Schötzau, Chef des kantonalen Sportamts. «Für eine Frauenklasse war das Interesse nun gross. 14 Trainerinnen haben sich angemeldet.»

Auch der fussballbegeisterte und für den Sport im Kanton Zürich zuständige Regierungsrat Mario Fehr (SP) liess es sich nicht nehmen, den Leiterinnenkurs zu besuchen. «Die Zahl der Fussballspielerinnen ist in den letzten zwei Jahrzehnten stark gestiegen», sagt Fehr vor den angehenden Ausbildnerinnen, «der Bereich Trainerinnen hinkt jedoch hinten nach.»

Frauenanteil bei 4 Prozent

Die Frauenklasse ist Teil des nationalen Projekts «Mehr Frauen für den Fussball». Ziel ist es, mehr Trainerinnen, Schiedsrichterinnen und Funktionärinnen auszubilden und damit die Breite zu stärken. Das Potenzial ist gross. Heute liegt der Frauenanteil unter den aktiven lizenzierten Trainern bei nur 4 Prozent. Im Kanton Zürich sind gemäss der Statistik von Jugend und Sport (J+S) 100 von 2300 Coaches weiblich.

Fussball liegt auch bei den Mädchen im Trend. Laut J+S-Statistik spielten vor fünf Jahren im Kanton Zürich 3000 Mädchen Fussball. Letztes Jahr waren es bereits 4452 – 12 Prozent der 36 780 Kinder und Jugendlichen, die in einem Verein Fussball spielen. Bei den Mädchen unter 20 Jahren ist nur noch Turnen beliebter.

Andere Qualitäten

Teils wird das Engagement von Frauen im Fussball noch belächelt. Doch die Skepsis weicht immer mehr Respekt. Das verdeutlichen die Aussagen zweier angehender Trainer, die in Greifensee parallel einen Lehrgang besuchen. «Die Vereine wachsen, wir sind auf Trainerinnen angewiesen», sagt etwa Leon Frielingsdorf vom FC Seefeld. «Ausserdem können Frauen genauso gut tschutten wie wir.» Sein Kollege Claudio Spiegel von YF Juventus Zürich stimmt zu. «Frauenfussball ist attraktiv geworden, ich sehe der Frauen-Nationalmannschaft gerne zu. Und es ist super, dass mehr Frauen ein Traineramt übernehmen», sagt er.

Kursleiter Stefan Hangarter fällt vor allem eines auf: «Von den Frauen kommt definitiv mehr zurück als von den Männern.» Die sozialen Kompetenzen seien ausgeprägter. Eine Teilnehmerin sagt es so: «Wir können wohl etwas besser zuhören als die Männer und spüren schneller, wenn im Team oder bei einer Spielerin etwas nicht stimmt.» Gefragt, was ihr den Trainerjob erleichtern würde, sagt sie: «Mehr Anerkennung für unsere Tätigkeit.»

Finanzielle Unterstützung vom Kanton

Vom Kanton erhoffen sich die Trainerinnen und Trainer vor allem mehr Geld für Fussballplätze. Das sei gut investiertes Geld, findet Instruktor Felix Bollmann: «Viele Kinder und Jugendliche – darunter auch schwierige Jungs – finden in den Vereinen eine Struktur, eine Heimat. Da kann man sich so manche Sozialarbeiterstelle sparen.» Regierungsrat Mario Fehr gibt ihm recht: «Fussball ist der grösste Integrationsmotor.»

Das findet offenbar auch die Mehrheit im Zürcher Kantonsrat. 2015 hat er beschlossen, aus dem Lotteriefonds neu 30 Prozent (statt 21 Prozent) für den Sport zu verwenden. Das sind 7 Millionen Franken mehr im Jahr. Mit dem Geld werden auch Rasenplätze und Hallen mitfinanziert. Lag der finanzielle Anteil des Kantons beim Bau von Sportanlagen vor ein paar Jahren noch bei 10 Prozent, ist er nun bei 15 Prozent.

Reicht das? «Klar, wir werden noch mehr Plätze brauchen», sagt Fehr – und gibt den angehenden Trainerinnen einen Tipp auf den Weg: «Denken Sie daran, im kommenden Frühling werden in vielen Gemeinden neue Behörden gewählt. Fragen Sie die Kandidatinnen und Kandidaten, wie sie sich bei einer Wahl für die Vereine einsetzen wollen. Als Verein haben sie so viel Einfluss – nutzen sie ihn.»